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Lokales Leipzig vertrödelt neuen Nahverkehrsplan
Leipzig Lokales Leipzig vertrödelt neuen Nahverkehrsplan
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00:18 12.02.2017
Leipzig will seine Verkehrsprobleme vor allem mit einem guten Nahverkehr lösen. Doch das Geld für deutliche Verbesserungen ist seit Jahren knapp. Stattdessen werden die Fahrpreise immer weiter erhöht und damit Fahrgäste verschreckt. Ostdeutsche Städte wie Potsdam und Dresden zeigen, dass es auch anders geht. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Die Nachricht über den Verzug wurde gestern zeitgleich mit einer Studie bekannt, mit der die Wochenzeitung „Die Zeit“ die Nahverkehrsangebote von 50 großen deutschen Städten verglichen hat. Das Ergebnis: Leipzig rangiert mit seinem Nahverkehr unter den Städten mit „weniger gutem“ und „eher teurem“ Nahverkehrs-Angebot – weit abgeschlagen hinter Städten wie Potsdam oder Dresden.

„Dresden und Potsdam spielen oben mit und Leipzig im Mittelfeld – das reicht nicht, wenn man die Entwicklung beobachtet“, ärgert sich Tino Supplies mit Blick auf das rasante Bevölkerungswachstum. „Von außen sieht immer alles toll aus, aber sieht man genauer hin, ist es anders“, so der verkehrspolitische Sprecher des Ökolöwen.

Oberbürgermeister Jung soll persönlich auf Umformulierungen bestanden haben

Besonders fatal sei dies, weil der aktuelle Nahverkehrsplan aus dem Jahr 2009 stammt. „Damals war der Plan noch voll auf eine schrumpfende Stadt ausgelegt; deshalb wurde auch die Straßenbahnlinie 9 nach Markkleeberg gekappt“, so der Ökolöwe. „Inzwischen gibt es Kapazitätsengpässe. Leipzig braucht eine dichtere Taktung der Straßenbahnen und Busse sowie neue Buslinien. Diese Defizite sind allen bewusst, doch beim Nahverkehr wird im Rathaus nicht in den Handlungsmodus umgeschaltet. Was bei Kitas und Schulen gelungen ist, wird dort verschleppt und eine Planungsschleife nach der anderen gedreht.“ Dies sei besonders ärgerlich, weil es im Nahverkehr lange Planungshorizonte gibt – bis geplante Verbesserungen wirksam werden, würden im Schnitt drei bis fünf Jahre vergehen.

LVZ-Recherchen ergaben, dass Leipzigs Verkehrsplaner für den neuen Nahverkehrsplan mehrere Entwicklungsszenarien erarbeitet haben, die aber schon in der internen Ämterrunde im Rathaus gestoppt wurden. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) soll persönlich auf Umformulierungen bestanden haben – offenbar, um die Kritik an Leipzigs umstrittenem Verkehrskonzept nicht noch mehr anzuheizen (die LVZ berichtete) .

Umweltbund fordert Umdenken in Leipzig

In der gestrigen offiziellen Erklärung des Verkehrs- und Tiefbauamtes liest sich das freilich anders. Die Zwischenergebnisse, heißt es im besten Beamtensprech, hätten gezeigt, dass eine isolierte Diskussion über die Zukunft der Mobilität „nicht zielführend“ sei. Beachtet werden müssten unter anderem „geänderte Rahmenbedingungen“. Deshalb werde jetzt eine „Mobilitätsvorlage“ erarbeitet, die den Zeithorizont bis 2030 betrachte.

Der Leipziger Umweltbund fordert deshalb ein Umdenken in Leipzig. Es müsse mehr Geld in die Hand genommen werden, um dem Wandel der Stadt gerecht zu werden. Angesichts der zunehmend dichteren Bebauung seien sogar in der Kernstadt viele Halteabstände zu groß und müssten verringert werden. Im Busverkehr würden zusätzliche Tangentialverbindungen benötigt, um die Stadtviertel besser zu vernetzen. „Die Zukunft des Nahverkehrs steht am Scheideweg“, so Supplies. Momentan würden lediglich rund 17 Prozent der Leipziger ihre Wege mit Bus und Bahn zurücklegen; in Halle, Dresden oder Potsdam seien es dagegen über 20 Prozent. „Leipzig wird den Anschluss nur schaffen, wenn sich Verwaltungsspitze und Stadtrat endlich vom Schrumpfungskurs verabschieden.“

Um die Diskussion über den neuen Nahverkehr zu fördern, hat der Umweltbund Themenschwerpunkte auf der Website www.ökolöwe.de gesammelt. Wer möchte, kann dort auch Hinweise beisteuern.

Von Andreas Tappert

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