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Leipzig wächst gleichmäßig

Hoher Zuzug von Inländern hält an Leipzig wächst gleichmäßig

Lange Zeit schien es, als ob die deutschen Großstädte ohne Ende boomen. Jetzt zeichnet sich zumindest bei den sieben größten Kommunen eine Wende ab: Immer mehr Inländer verlassen die Stadtmauern, weil die Mieten und die bauliche Verdichtung steigen. Nur in Leipzig ist es anders.

Leipzig ist schön – aber wer preisgünstig und gut wohnen möchte, zieht häufiger ins Umland.
 

Quelle: LVZ

Leipzig. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes herausgefiltert, dass die sieben größten deutschen Städte für Einheimische offenbar unattraktiver werden. Danach ziehen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart seit 2014 mehr Inländern weg als neu hinzukommen. Diese Städte wachsen nur noch durch zuwandernde Ausländer. Als Hauptgründe für die Abwanderung der Inländer werden rasant steigende Mietpreise und die Verdichtung des Stadtgebietes durch immer mehr Neubauten angeführt. Dadurch leide die Lebensqualität, heißt es.

In Leipzig ist dies (noch) anders: Hier wandern immer noch Inländer in großer Zahl zu – jedes Jahr Tausende mehr als abwandern. „Wir wachsen gegen den Trend der deutschen Großstädte“, kommentiert dies Ruth Schmidt, Leiterin des Leipziger Amtes für Statistik und Wahlen.

Nach den Angaben des Leipziger Melderegisters wuchs die Zahl der Inländer im Stadtgebiet im Jahr 2014 mit 7986 Personen deutlich stärker als durch zuwandernde Ausländer, von denen 4339 gezählt wurden. Im Jahr 2015 blieb die Zuwanderung von Inländern auf einem ähnlich hohen Niveau – mit 7332 Neu-Leipzigern kamen lediglich 654 Personen weniger als im Vorjahr. Durch die Flüchtlingswelle stieg allerdings die Zahl der mit Hauptwohnsitz in Leipzig registrierten Ausländer erheblich. Sie schnellte auf 8836 Personen und war mit einem Plus von 4497 mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. „Auch Migranten, die im Stadtgebiet in Flüchtlingsunterkünften untergebracht sind, haben einen Hauptwohnsitz in Leipzig“, betont Schmidt. Wie berichtet, verlassen viele dieser Neu-Leipziger nach ein paar Monaten aber wieder die Stadt, zumeist in Richtung Westdeutschland.

Leipzigs Statistiker betonen, dass sich dennoch so mancher Leipziger eine neue Bleibe außerhalb der Stadt sucht. „Es ziehen wieder mehr Leipziger in den Nachbarkreis Nordsachsen und in den Landkreis Leipzig, als von dort ins Stadtgebiet wechseln“, beschreibt Ruth Schmidt diese Trendwende. Diese Entwicklung ist relativ neu. Denn zwischen 2006 bis 2013 zog Leipzig auch von dort deutlich mehr Menschen an.

Nach den Angaben der Amtsleiterin gewinnt dieser negative Wanderungssaldo mit den beiden Nachbarkreisen gerade an Fahrt. Zogen 2014 nur 117 Personen mehr aus Leipzig in den Landkreis Nordsachsen als umgekehrt, so seien es im vergangenen Jahr 226 (+ 93 Prozent) gewesen. In den Landkreis Leipzig habe es im Jahr 2014 nur 156 Leipziger mehr gezogen als in die Gegenrichtung; im vergangenen Jahr habe der negative Wanderungssaldo dagegen schon bei 663 Personen gelegen (+ 325 Prozent).

Amtsleiterin Schmidt vermutet, dass diese Entwicklung mit der guten Anbindung zusammenhängt, die die beiden Nachbarlandkreise an Leipzig haben. Wer dort wohnt, sei schnell in Leipzig und könne so die Vorteile der Großstadt nutzen, sagt sie. Sie glaubt aber auch, dass dies „etwas mit den Wohnbedingungen zu tun“ haben könnte. Denn in beiden Landkreisen gebe es Wohngrundstücke und Wohnen zu deutliche günstigeren Preisen, auch die Mieten seien günstiger.

Experten vermuten auch noch andere Gründe für den Wegzug von Inländern in den sieben größten deutschen Städten: Die städtebaulich sinnvolle Nachverdichtung führe dazu, dass sich manche Großstädter nicht mehr wohl fühlen und sich unter all den Neuen mit einem Mal fremd vorkommen würden, heißt es. Diese Neuen könnten Zuzügler aus dem Westen und dem flachen Land sein – oder auch Migranten.

Beobachtet wird ebenfalls, dass nach wie vor mehr junge Menschen in die sieben Großstädte drängen, weil sie dort größere Entwicklungsschanchen erwarten. Typische Abwanderer seien dagegen Menschen, die schon länger in diesen Städten wohnen, aber dort derzeit keine Zukunft mehr für sich sehen. Mithin vor allem Ältere – aber auch junge Familien mit wachsendem Platzbedarf.

Von Andreas Tappert

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