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Lokales Leipzig wächst im Rekordtempo – Osten und Westen der Stadt immer mehr im Kommen
Leipzig Lokales Leipzig wächst im Rekordtempo – Osten und Westen der Stadt immer mehr im Kommen
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16:57 08.09.2014
Leipzig boomt: Die Messestadt könnte noch in diesem Jahr die 550.000-Einwohner-Marke knacken. Quelle: Regina Katzer
Leipzig

Statt nach Schleußig oder in die Südvorstadt zieht es die Neu-Leipziger inzwischen jedoch vornehmlich in den Osten und Westen der Stadt – und auch immer stärker an die lauten, aber häufig preiswerteren Hauptverkehrsstraßen.

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543.629 Einwohner lebten laut Melderegister zum 30. Juni an der Pleiße – das waren gut 12.000 mehr als vor einem Jahr (531.566), wie am Montag bei der Vorstellung des Statistischen Quartalsberichts 2/2014 bekannt gegeben wurde. Während die Messestadt im gesamten Vorjahr um knapp 10.000 Einwohner wuchs, gehen die Statistik-Experten im Rathaus nun davon aus, dass dieser Wert 2014 noch übertroffen wird. Das heißt auch: Schon bis Jahresende könnte die 550.000er-Marke fallen.

Immer mehr kommen wegen eines Jobs

„Der Wanderungsgewinn Leipzigs wird auch 2014 mit hoher Wahrscheinlichkeit einen neuen Rekord erreichen“, hieß es am Montag im Neuen Rathaus. Allein im ersten Halbjahr zogen 4549 Menschen mehr nach Leipzig, als der Stadt den Rücken kehrten (Vorjahr: +3788). Der Schwerpunkt der Zuzügler verschob sich dabei von den Anfang-20-Jährigen hin zu den Mitte-20-Jährigen. Das spricht nach Ansicht der Fachleute dafür, dass viele nicht wegen des Studiums, sondern immer häufiger auch wegen eines Jobs an die Pleiße kommen.

Weiterer Grund für das enorme Wachstum ist die Zahl der Geburten. Mit durchschnittlich rund 500 pro Monat halten sich diese mit den Sterbefällen in etwa die Waage – dank immer mehr Kindern ein Novum in der Bevölkerungsentwicklung nach der Wende. Es wird sogar erwartet, dass die Geburten im zweiten Halbjahr wie im Vorjahreszeitraum (+337) erneut zum Einwohnerplus beitragen.

Neuschönefeld, Lindenau und Grünau boomen

Lindenau liegt im Trend. Durch die Erschließung des Lindenauer Hafens dürfte sich dieser Trend noch verstärken. Quelle: Armin Kühne

Verschoben haben sich mittlerweile die beliebten Stadtteile. Das bei jungen Familien begehrte, aber inzwischen von Wohnungsknappheit geprägte Viertel Schleußig verlor im ersten Halbjahr 148 Einwohner. Die Südvorstadt mit traditionell hohem Studentenanteil schrumpfte um 26 Ortsansässige.

Dafür gewannen die Stadtteile im Osten und im Bezirk Altwest deutlich hinzu. Neustadt-Neuschönefeld, Volkmarsdorf, Anger-Crottendorf und Reudnitz-Thonberg verbuchten zusammen ein Plus von insgesamt 953 Personen. Plagwitz, Lindenau und Leutzsch wuchsen zusammen um 818 Einwohner. Auch Grünau erfreut sich immer größerer Beliebtheit: 522 Menschen mehr als Ende 2013 leben derzeit im Stadtteil.

Magistralen wachsen viermal so schnell

Weiterer Trend: Die Bereitschaft, an die von Verkehrslärm besonders betroffenen Magistralen zu ziehen, nimmt zu. Fast jeder fünfte Leipziger (102.000) wohnt inzwischen an einer der 303 Hauptverkehrsstraßen. Die Szenemeilen Karl-Liebknecht-Straße (Stand Ende 2013: 2049 Anwohner) und Karl-Heine-Straße (937) haben ihre Spitzenwerte aus den frühen 1990er-Jahren inzwischen teils deutlich übertroffen. Ähnlichen Aufwind erlebten auch die Arno-Nitzsche-Straße (1077), Bernhard-Göring-Straße (1703), Dieskaustraße (1795), Erich-Zeigner-Allee (1357), Kurt-Eisner-Straße (1846) oder Lützner Straße (1795). Auch in der Eisenbahnstraße (1758), Georg-Schumann-Straße (3041) und Georg-Schwarz-Straße (1432) zeigt die Tendenz deutlich nach oben, hier sind die Nach-Wende-Werte allerdings noch nicht erreicht.

Die Karl-Heine-Straße hat ihre Spitzenwerte aus den frühen 1990er-Jahren inzwischen übertroffen. Quelle: André Kempner

„Seit 2001 nimmt der Bevölkerungsbestand an den Hauptverkehrsstraßen wieder kontinuierlich zu, wobei das Wachstum dort dynamischer verläuft“, hat Jens Vöckler vom Amt für Statistik und Wahlen in seiner Untersuchung herausgefunden. In den vergangenen zwölf Jahren wuchs die Zahl der Hauptstraßen-Anwohner um mehr als 21 Prozent – in ganz Leipzig lag das Plus bei 5,8 Prozent.

Grund dafür dürfte wohl nur zum Teil der Rückgang des Durchgangsverkehrs durch den neuen Autobahnring sein. Auch an den lange vernachlässigten Magistralen hat angesichts zunehmender Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt eine Sanierungswelle eingesetzt. Während vor Jahren meist vornehmlich an ruhigeren Nebenstraßen gebaut und renoviert wurde, ist der Sanierungsbestand in den beliebten Vierteln dort nun weitgehend erschöpft. Daher werden jetzt auch immer mehr leerstehende Häuser an den Magistralen wieder auf Vordermann gebracht. So sind Ruinen an der Karl-Liebknecht- oder August-Bebel-Straße – wie von Immobilienexperten bereits vor Jahren vorhergesagt – inzwischen fast vollständig verschwunden.

Robert Nößler

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