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Lokales Leipzig wächst jedes Jahr um 3000 Wohnungen – aber das reicht noch nicht
Leipzig Lokales Leipzig wächst jedes Jahr um 3000 Wohnungen – aber das reicht noch nicht
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14:19 23.03.2017
So haben sich die durchschnittlichen Mieten in Leipzig seit 2005 entwickelt. Die Höhe der Bestandsmieten für 2016 gibt die Stadt erst nächste Woche bekannt.  Quelle: Patrick Moye
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Leipzig

 Aufgrund des starken Einwohnerzuwachses werden in Leipzig jetzt auch immer mehr Wohnungen errichtet. Schon 2015 habe sich der Bestand durch Neubauten oder die Umwandlung ehemaliger Fabriken und Kasernen um 1837 auf 333 562 Wohnungen vergrößert, erklärte Stefan Heinig vom Stadtplanungsamt gestern. „Zudem kamen zwischen 1000 und 1500 Wohnungen durch Sanierungen von Leerständen wieder auf den Markt.“ Insgesamt sei das Angebot im Jahr 2015 also um über 3000 Einheiten gestiegen.

Im vergangenen Jahr habe das Baugeschehen in Leipzig weiter zugelegt, fuhr Heinig fort. Allerdings gebe es für 2016 noch keine vollständigen Zahlen. „In jedem Fall verzeichnen wir derzeit die höchsten Werte seit der Jahrtausendwende.“ Die bereits begonnenen oder zumindest geplanten, größeren Bauprojekte (ab 50 Einheiten aufwärts) ließen zudem für die nähere Zukunft mindestens 11 000 zusätzliche Wohnungen erwarten.

Zehn Euro Kaltmiete bei Neubauten

Dies reiche aber noch nicht, um einen weiteren Anstieg der Mieten wirksam einzudämmen, so Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos). Einerseits brauche Leipzig mehr Wohnungen, um den Bedarf gemäß der Bevölkerungsvorausschätzungen zu decken. Bekanntlich wird bis 2030 eine Zunahme um 154 000 Personen auf rund 722 000 Einwohner erwartet, in der untersten Variante noch immer um 106 000 auf 674 000 Einwohner. „Das entspräche einem zusätzlichen Bedarf in der Bandbreite von 51 000 bis 78 000 Wohnungen – also 3400 bis 5200 Stück pro Jahr.“ Andererseits zeige die jüngste Vergangenheit, dass in Leipzig ausschließlich die Angebotsmieten für Neubauten extrem gestiegen seien. Sie lagen im Jahr 2013 noch bei durchschnittlich sechs Euro kalt pro Quadratmeter, 2016 schon bei zehn Euro!

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Die Angebotsmieten werden aus den Inseraten für freie Wohnungen – vor allem im Internet – ermittelt. In Leipzigs Altbauten wuchsen sie in den letzten Jahren nur moderat auf jetzt im Schnitt etwa sechs Euro. Davon zu trennen sind die tatsächlich flächendeckend gezahlten Bestandsmieten, deren Höhe die Stadt durch die kommunale Bürgerumfrage erfährt. Hier lag der Wert 2015 noch bei 5,29 Euro kalt pro Quadratmeter. Am kommenden Montag sollen erste Daten zur Kommunalen Bürgerumfrage 2016 vorgelegt werden.

Im „Monitoringbericht Wohnen 2016 / 2017“, den das Baudezernat gestern auf der Internet-Seite der Stadt veröffentlicht hat, wird für Leipzig erstmals eine „zunehmende Anspannung des Wohnungsmarktes seit 2015“ diagnostiziert. Dies folge nicht nur aus dem sinkenden Leerstand, der bis Ende 2015 auf 19 000 Wohnungen (sechs Prozent des Gesamtbestands) zurückgegangen war. Wie berichtet, schätzte die Stadt die Hälfte dieser Quartiere (drei Prozent) als marktaktiv – also zeitnah vermietbar – ein. Laut Dubrau lässt sich eine „zunehmende Anspannung“ auch daran erkennen, dass die Angebotsmieten zuletzt stärker kletterten als die durchschnittlichen Einkommen der Haushalte nach Abzug ihrer Mietkosten. Allerdings gelte das nicht für die Bestandsmieten, also die Masse der Verträge. Dort sei die Kostenbelastung durch die Gesamtmiete (mit Heiz- und Betriebskosten) von 35 Prozent des Haushaltsbudgets im Jahr 2013 auf 31 Prozent im Jahr 2015 gesunken. „Ein Großteil der Leipziger kann sich das Wohnen also weiterhin gut leisten“, sagte Dubrau. Das Problem der hohen Mieten im Neubau rühre aus steigenden Grundstückspreisen (auch durch Spekulation) sowie Baukosten durch gesetzliche Vorschriften wie der Energieeinsparverordnung. Die Kommune versuche aber, hier durch ihr wohnungspolitisches Konzept sowie die Nutzung des neuen sächsischen Programms zum sozialen Wohnungsbau gegenzusteuern.

54 Prozent Single-Haushalte

Ziel der Stadt sei es, für Leipzig durch viel Bautätigkeit auch langfristig einen marktaktiven Leerstand von drei Prozent zu bewahren, erläuterte Heinig. Mit einem solchen Wert könnten sowohl Mieter als auch Vermieter gut leben. „Gegenwärtig spannt sich der Markt an, aber er ist noch nicht angespannt“, so der Abteilungsleiter für Stadtentwicklung. Dubrau kündigte an, dass ihr Dezernat bis Frühjahr 2018 einen neuen Stadtentwicklungsplan mit deutlich mehr Wohnungsbauflächen vorlegen wolle. Dabei gehe es vor allem um Nachverdichtungen in vorhandenen Ortsteilen.

Erfolge erziele das Baudezernat bereits bei den Wohnungsgrößen. Immer mehr Investoren würden beachten, dass Leipzig eine Single-Hochburg ist. Der Anteil der Ein-Personen-Haushalte habe sich von 50,7 Prozent im Jahr 2011 auf 53,6 Prozent im letzten Jahr erhöht. Auch sehr große Wohnungen für vier und mehr Personen seien besonders gefragt – im Neubau für kinderreiche Familien indes oft zu teuer.

Von Jens Rometsch

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