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Lokales Leipzig will Radverkehr fast verdoppeln - Defizite ausgerechnet in der Innenstadt
Leipzig Lokales Leipzig will Radverkehr fast verdoppeln - Defizite ausgerechnet in der Innenstadt
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23:59 29.09.2014
Defizite im Radwegenetz sieht der ADFC besonders in der Leipziger Innenstadt. Quelle: Peter Endig

Getestet wurden zwölf deutsche Großstädte, die allenfalls die Note "durchschnittlich" erhielten. Spitzenreiter waren Stuttgart und München, das schlechteste Zeugnis bekamen Dresden und Dortmund ausgestellt. Leipzig landete auf Rang acht.

"Der ADAC hat Recht, die deutschen Städte sind in Sachen Radverkehrsförderung noch am Anfang des Weges", sagt Burkhard Stork Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Alexander John vom ADFC Leipzig ergänzt: "Die Analyse des Leipziger Radwegenetzes zeigt, dass es noch Lücken gibt." Teilweise werden diese an den Hauptverkehrsadern Karl-Liebknecht-Straße und Lützner Straße nun geschlossen. "Im Nebenstraßennetz gibt es noch Möglichkeiten das Radfahren zu erleichtern" - beispielsweise durch die Öffnung von Einbahnstraßen.

"Die Ergebnisse des ADAC-Tests decken sich in den überwiegenden Fällen mit bereits bestehenden Untersuchungen", sagt Michael Jana vom Verkehrs- und Tiefbauamt. Andere Studien seien aber detaillierter. Gelobt wurden vom ADAC die Bemühungen des Rathauses: die Arbeitsgemeinschaft Radverkehrsförderung, der jährliche Runde Tisch Radverkehr und der Radverkehrsentwicklungsplan 2010-2020. Gravierender Unterschied zu früheren Analysen sei die Betrachtung der Unfallzahlen, so Jana. Im Bypad-Bericht (Bicycle Policy Audit) beispielsweise wurden diese für Leipzig ins Verhältnis zur Steigerung des Radverkehrsanteils gesetzt, mit dem Ergebnis, dass das relative Unfallrisiko reduziert wurde.

In der ADAC-Analyse hingegen konnte sich bei den Unfallzahlen kein Testkandidat mit besonders niedrigen Werten profilieren. Laut dem Leipziger Verkehrsbericht waren Radfahrer im Jahr 2013 an 1113 Verkehrsunfällen beteiligt. 124 Schwerverletzte und drei Tote waren zu beklagen. "Die absolute Zahl an Radverkehrsunfällen müsste, um Aussagekraft zu erhalten, noch ins Verhältnis zur Entwicklung des Radverkehrsanteils gesetzt werden", so Jana. "Hier befindet sich Leipzig auf einem guten Weg." Als Problem in der Stadt verwaltung bekannt sind dagegen die Fahrraddiebstähle. Leipzig gehört bundesweit zu den unsichersten Städten: Auf 100 000 Einwohner kamen voriges Jahr 6502 gestohlene Räder.

Der Komfort und die Sicherheit der getesteten Routen in Leipzig wurde vom ADAC allgemein als gut bewertet, auch die Breite der Radwege hervorgehoben. Wie der Automobilclub zu dem Ergebnis kommt, ist für ADFC-Sprecher John aber ein Rätsel: "Der ADAC müsste sich entscheiden, ob er komfortablen und sicheren Radverkehr propagieren möchte, oder diesen unterbinden will." Leipziger Radwege seien an keiner Stelle breiter als die empfohlene Richtlinien-Vorgabe.

2012 flossen 3,5 Millionen Euro in das 409 Kilometer lange Leipziger Radnetz. Und das soll weiter wachsen, nicht nur durch den Ausbau der Lützner und der Karli, die eine lückenlose Verbindung vom Zentrum bis Markkleeberg ermöglichen wird. Geplant sei auch eine Schnelltrasse vom Bayrischen Bahnhof nach Süden.

Auch der Radverkehrsanteil in Leipzig hat sich bereits erhöht. "Das sehen wir positiv", betont John. 2008 waren es 14 Prozent. Der Stadtrat beschloss im Juni 2012 das Ziel, den Radanteil am Gesamtverkehr bis 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. 2012 war das Fahrrad in der Freizeit mit über 40 Prozent das Verkehrsmittel Nummer eins. "Einziger Wehrmutstropfen bleibt der Einkaufsverkehr. Dort hat das Rad mit elf Prozent noch viel Potenzial nach oben." Manko für den Radverkehr bleibt ausgerechnet das Zentrum Leipzigs, befindet John. Seien es die Innenstadt, der Promenadenring oder die zuführenden Magistralen. Die Defizite für den Radverkehr sind dort besonders gravierend. "Die Problematik am Hauptbahnhof macht immer mal wieder die Runde, Abhilfe ist jedoch bisher nicht erfolgt. Wären die Bedingungen für den Radverkehr am Promenadenring besser, würde sich auch die Situation in der Innenstadt für alle etwas entspannen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Benjamin Winkler

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