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Lokales Stadtverwaltung will Grabschändung aufklären
Leipzig Lokales Stadtverwaltung will Grabschändung aufklären
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00:22 08.07.2018
Dieser Schädel fiel 1968 von der Ladepritsche eines Lasters, der den Sprengungsschutt der alten Paulinerkirche abtransportierte. Ein Mann hob ihn auf und seine Erben gab ihn dem Leipziger Paulinerverein, der sich heute für wieder aufgebaute Gotteshaus engagiert. Der Schädel gehörte einem Mann, der vor rund 300 bis 350 Jahren starb – um wen es sich handelt, ist nicht bekannt. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Jahrhundertelang hat Leipzig seine besonders verdienten Bürger unter der alten Paulinerkirche am Augustusplatz begraben – Professoren und ihre Familienangehörigen, Fürsten, Bürgermeister und das reiche Bürgertum. Doch kurz vor der Sprengung des Gotteshauses am 30. Mai 1968 wurden die Gebeine und die kostbaren Grabbeigaben weggebracht – ihr Schicksal ist bis heute ungeklärt. Die AfD-Fraktion hat deshalb vor einigen Wochen im Rat beantragt, das Stadtarchiv mit Nachforschungen zu beauftragen. Jetzt hat sich die Stadtverwaltung dieses Antrages angenommen und einen eigenen Verwaltungsstandpunkt dazu erarbeitet. Der sieht vor, „die Bestände des Stadtarchivs Leipzig und gegebenenfalls anderer städtischer Einrichtungen hinsichtlich des möglichen Vorhandenseins von Protokollen und anderer historischen Quellen zur Erfassung der geborgenen Toten und Grabbeigaben der Universitätskirche St. Pauli“ zu überprüfen. Auch „eventuellen Hinweisen zu deren Verbleib“ will die Verwaltung nachgehen und dem Stadtrat bis Ende 2019 einen Bericht vorlegen.

Aktenbestand der DDR-Zeit ist „erschlossen“

Der Aktenbestand sei erschlossen und wie alle Unterlagen aus der Zeit von 1945 bis 1990 durch das Bundesarchivgesetz für die wissenschaftliche Benutzung zugänglich, heißt es in der Begründung. Es würden lediglich Schutzfristen für personenbezogene Unterlagen gelten, und auch diese nur, wenn die Betroffenen nicht Träger eines öffentlichen Amtes und keine Personen der Zeitgeschichte waren, heißt es weiter. Weil das Stadtarchiv auf die Alte Messe umzieht, sei die Durchsicht dieses Bestandes zurzeit nicht möglich. Diese Akten würden aber nach dem Umzug geprüft. Parallel dazu will die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Universität Leipzig eine „Qualifizierungsarbeit“ – also eine Master-Arbeit oder eine Promotion – zu diesem Thema vergeben. Ob es zu all dem kommt, entscheidet sich in der Ratssitzung am 22. August. Dort müsste eine Mehrheit für den Verwaltungsstandpunkt stimmen.

Von Andreas Tappert

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