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Lokales Leipzig will aus Atomenergie aussteigen – OBM Jung stellt Strom-Ampel auf Grün
Leipzig Lokales Leipzig will aus Atomenergie aussteigen – OBM Jung stellt Strom-Ampel auf Grün
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18:22 16.05.2011
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Leipzig

Atomenergie will die Kommune nicht mehr beziehen – vorausgesetzt der Stadtrat gibt am Mittwoch grünes Licht für die Umwelt-Pläne der Rathaus-Spitze.

Auf 50 Prozent oder mehr soll der Anteil erneuerbarer Energien am städtischen Strom-Mix ab 2012 steigen. Bislang bezieht die Kommune lediglich 30 Prozent Strom aus umweltfreundlichen Quellen wie Solar-, Wind- und Wasserkraft. Der Vertrag mit den Stadtwerken, die alle städtischen Liegenschaften und Eigenbetriebe seit 2009 beliefern, endet jedoch zum 31. Dezember. Danach will Leipzig Energie nur von jenen Firmen kaufen, die mindestens 50 Prozent grünen Strom anbieten und auf Atomstrom ganz verzichten. Damit sollen laut Stadtverwaltung der Klimaschutz verbessert und der CO2-Ausstoß verringert werden.

Stromkosten könnten um bis zu 100.000 Euro steigen

Bislang überweist das Rathaus für die Belieferung mit rund 45 Gigawattstunden Strom einen hohen einstelligen Millionenbetrag pro Jahr an die Stadtwerke. Wie aus internen Berechnungen der Verwaltung hervorgeht, könnten sich die Kosten jedoch um bis zu 100.000 Euro erhöhen. „Die gestiegenen Strompreise spüren nicht nur Privatkunden, sondern auch die Stadt Leipzig. Wir gehen von etwa einem Prozent Mehrkosten aus, was nach zwei Jahren noch vergleichsweise moderat ist“, erklärte Hochbauamtsleiter Raimund Krell gegenüber LVZ-Online.

Kritik an den Mehrausgaben kommt bereits von der CDU-Fraktion im Stadtrat. Sie fordert die Stadtverwaltung angesichts der klammen Haushaltslage dazu auf, durch die neuen Verträge keine höheren Kosten gegenüber den bisher geltenden Konditionen entstehen zu lassen. Andernfalls seien diese durch Energiesparmaßnahmen zu kompensieren, heißt es in einem Antrag der Fraktion.

„Ökostrom bedeutet nicht gleich einen höheren Preis“, stellt der Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen, Roland Pause, klar. So könnten beispielsweise Privatkunden bei einem Preisvergleich mit umweltfreundlichen Energieanbietern häufig deutlich günstigere Preise gegenüber den Stadtwerke-Tarifen erzielen, erläutert der Fachmann. Auch Leipzigs Grünen-Stadtrat Roland Quester betont, dass Grünstrom für die Stadt kein Preistreiber sei. „Gemessen am gesamten Strompreis hat die Umlage für erneuerbare Energien mit rund 3,5 Cent pro Kilowattstunde nur einen kleinen Anteil“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Quester nennt die Erhöhung des Ökostrom-Anteils einen „vernünftigen Schritt“, weist aber darauf hin, dass es perspektivisch nicht bei 50 Prozent bleiben könne. „Der Anteil des umweltfreundlichen Stroms muss in den nächsten Jahren konsequent erhöht werden“, fordert der Grünen-Stadtrat. Eine Anhebung auf 100 Prozent hält Quester derzeit jedoch für unrealistisch und verweist auf den bislang geringen Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland. „Die meisten solcher Angebote beinhalten den Einkauf von Grünstrom aus dem Ausland. Das kann nicht Ziel des Ganzen sein.“

Stadtwerke wollen sich an Ausschreibung beteiligen

Stimmt der Stadtrat am Mittwoch zu, soll der neue Stromanbieter in einer europaweiten Ausschreibung in den kommenden Monaten ausgewählt werden. Quester fordert dabei auf einen regionalen Anbieter zu setzen, der in den Ausbau regenerativer Energie investiert und diese auch hierzulande produziert. „Nur dann entsteht ein Gewinn für die Umwelt“, ist auch Energieexperte Pause überzeugt. Wenn der Strom aus dem Ausland eingekauft werde, entstehe dafür hierzulande keine neue Solaranlage, kein neues Windrad oder Biomassekraftwerk.

Die Leipziger Stadtwerke kündigten am Montag an, dass sich das Unternehmen ebenso wie 2007 und 2009 „selbstverständlich“ an einer Ausschreibung beteiligen werde. „Jede von der Stadt Leipzig geforderte Menge an Strom aus erneuerbaren Energien können wir zur Verfügung stellen“, sagte Geschäftsführer Thomas Prauße auf Anfrage von LVZ-Online.

Im Juli will das Unternehmen den neuen Ökostrom-Tarif Strom21.Natur einführen, mit dem die Kunden umweltfreundliche Energie aus Wasserkraftwerken in Norwegen beziehen können. Das Angebot ist als Stromtausch angelegt, wie Unternehmenssprecherin Chris  Nicolai erklärt: „Die Stadtwerke liefern dabei die entsprechende Menge Strom an den Partner, der gleichzeitig Wasserkraft zurück liefert.“ Ob sich das Unternehmen mit diesem oder einem anderen Tarif als Leipziger Strom-Partner bewerben will, ließ das Unternehmen jedoch noch offen.

Robert Nößler

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