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Leipzig wird durch Streik vom Fernverkehr abgekoppelt – GDL lehnt Schlichtung ab

Leipzig wird durch Streik vom Fernverkehr abgekoppelt – GDL lehnt Schlichtung ab

Am Hauptbahnhof in Leipzig weisen am Mittwoch schon Lautsprecherdurchsagen auf den bevorstehenden Lokführer-Streik hin: Ab Donnerstag rollt auf der Schiene vier Tage lang fast nichts mehr. Die Deutsche Bahn hat schnell reagiert.

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Leipzig wird vom Bahnstreik ab Donnerstag hart getroffen.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Der Ersatzfahrplan für den Fernverkehr ist online abrufbar. Stichproben zeigen aber: Leipzig droht abgekoppelt zu werden.

Ein Schlichtungsangebot der Bahn hat die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) am Nachmittag abgelehnt. GDL-Vorsitzender Claus Weselsky sagte bei einer Pressekonferenz, die GDL kämpfe für das Grundrecht auf Koalitionsfreiheit. Die GDL fordert eigenständige Tarifverhandlungen ohne Einschränkung nicht nur für die Lokführer, sondern auch für das Zugpersonal.

Mit dem Angebot eines Schlichtungsverfahrens will die Bahn den Lokführerstreik jedoch noch in letzter Minute abwenden. In dem festgefahrenen Tarifkonflikt sollten beide Seiten jeweils einen unparteiischen Schlichter benennen, die dann einen gemeinsamen Vorschlag vorlegen sollen, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber am Mittwoch in Berlin. Das Angebot sei der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Mittag zugegangen. Voraussetzung sei, dass die GDL ihren Streik absage und dieses Angebot zur Schlichtung bis zum Mittwoch, 20 Uhr annehme. 

Streik soll Donnerstag um 2 Uhr beginnen

Weber stellte klar: „Wir denken nicht daran, unsere grundsätzliche Position aufzugeben.“ Es dürfe keine konkurrierenden Tarifverträge im Konzern geben. Lehne die GDL die Schlichtung ab, folge ein weiterer Schritt, den Weber aber noch nicht offenbaren wollte. Zu Möglichkeiten, den Streik mit rechtlichen Schritten zu verhindern, äußerte er sich skeptisch. Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg sagte, der Streik kostet die Bahn 50 bis 60 Millionen Euro.

Um 2 Uhr am Donnerstag soll der GDL-Ausstand beginnen. Seit Dienstag arbeite die DB Regio "mit Hochdruck" an Ersatzfahrplänen, so Bahnsprecher Jörg Bönisch gegenüber LVZ-Online. Die Notverbindungen sollen am Mittwoch unter www.bahn.de/aktuell veröffentlicht werden. Auf ihrer Internetseite hat die Bahn außerdem alle Infos zum Streik, Ersatzfahrplan-Links, 12-Stunden-Live-Auskunft, Info-Hotline und Erstattungsformular für gebuchte Tickets gebündelt.

Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Ersatzfahrpläne nun jeweils zwei Tage im Voraus, jeweils ab 18 Uhr, über die Online-Reiseauskunft verfügbar sein sollen. Schon seit Dienstagabend seien die Informationen für den Fernverkehr bindend, so Bönisch. Wer von der Messestadt aus nach Berlin oder Hamburg, München oder Köln möchte, hat aber schlechte Karten, denn ab Leipzig rollt auf der Schiene seitens der DB nichts mehr.

Osten stärker vom GDL-Streik betroffen

Tatsächlich sei der Osten stärker vom Streik betroffen als andere Landesteile, bestätigt die Deutsche Bahn. Der Organisationsgrad der GDL sei in den ostdeutschen Ländern sehr hoch, so Bönisch. Im Westen könne die Bahn außerdem auf Lokführer im Beamtenstatus zurückgreifen. Homburg sagte, die Hälfte der Güterzüge werde trotz des Streiks fahren, im Fernverkehr sei es etwa ein Drittel der Züge, im Regionalverkehr im Osten Deutschlands 20 Prozent, in Westdeutschland 40 bis 60 Prozent.

Die Fahrgäste am Leipziger Hauptbahnhof sind jetzt schon genervt. Jens-Olaf Teschke aus Hamburg fährt häufig Bahn: „Der Streik geht mir auf den Senkel.“ Er finde es nicht richtig, wie die GDL ihre Interessen durchsetzen will. Die Kölner Krankenschwester Christine Weide findet den Streik "in diesen Ausmaßen unnötig“. Genau wie Studentin Nicole Overmann aus Halle zieht sie nun den Fernbus als Alternative in Betracht.

Fernbus-Anbieter setzten zusätzliche Fahzeuge ein

Schon beim letzten GDL-Streik fuhren Bahnkunden vermehrt Bus – der Ansturm ist auch jetzt wieder spürbar. „Seit der Streikankündigung registrieren wir eine Verfünffachung der Besuche auf der Internetseite“, so Florian Rabe, Sprecher des Marktführers meinferbus.de. Das Berliner Unternehmen rechnet mit einer Vervierfachung der Buchungen. 60 zusätzliche Fahrten pro Tag seien bundesweit bereits organisiert, so Rabe. „Wir gehen insgesamt von 100 zusätzlichen Fahrten pro Tag aus.“ An den Fernbushaltestellen in der Goethestraße gegenüber vom Leipziger Hauptbahnhof dürfte ab Donnerstag Hochbetrieb herrschen.

Auch der ADAC Postbus registrierte schon am Dienstag eine Verfünffachung der Buchungen und will in der Folge rund ein Drittel mehr Fahrzeuge als an normalen Tagen organisieren, so Birgit Müller, Sprecherin vom ADAC Sachsen. Zusatzbusse würden flexibel dazugebucht. Stark gefragt seien die Strecken Hamburg-Berlin, Berlin-Ruhrgebiet und Frankfurt-Köln.

Auf der Route Leipzig-Berlin fährt auf der Schiene im Fernverkehr in den kommenden Tagen wohl nur der Interconnex. Noch, denn Betreiber Veolia Verkehr gab jüngst dem Preisdruck durch den Fernbusmarkt nach und stellt die Linien ein – letzte Fahrt am 13. Dezember.

Evelyn ter Vehn

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