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Lokales Leipziger Ärztin engagiert sich in Eritrea
Leipzig Lokales Leipziger Ärztin engagiert sich in Eritrea
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00:29 09.05.2018
Christin Siegel (Kinderärztin an der Uniklinik Leipzig) und ihr Team beim Einsatz in Ghinda (Eritrea). Quelle: privat
Leipzig

Ehrenamtler bilden das Rückgrat der Gesellschaft. In ihrer Freizeit arbeiten sie als Jugendtrainer, geben Schülern Nachhilfe, lesen Kindern Geschichten vor, unterstützen Senioren oder engagieren sich in Flüchtlings-Unterkünften. Unsere neue Serie porträtiert diejenigen, die das Leben Anderer besser machen. Heute: die Leipziger Ärztin Christin Siegel, die sich in einem Kinderkrankenhaus in Eritrea engagiert.

Erlebnisse hallen nach

Am Anfang war es Neugier. Was ist das für ein Land, wie sind die Menschen dort?, fragte sich Christin Siegel. Und natürlich interessierte die Kinderärztin, wie es um die medizinische Infrastruktur bestellt ist im Krankenhaus von Ghinda. Regelmäßig schickt der Verein Archemed Ärzte aus ganz Deutschland in die Kleinstadt in Eritrea. Als Teil eines Leipziger Teams reiste Siegel 2017 und im März dieses Jahres ins subsaharische Ostafrika, um jeweils zwei Wochen lang ehrenamtlich kranke Kindern zu behandeln und das Personal zu schulen. Zurück kam sie jedes Mal mit intensiven Erlebnissen, die lange nachhallen.

Dankbarkeit und Herzlichkeit

„Schön, dass Ihr wieder da seid“ – diesen Satz haben Siegel, Kinderkrankenschwester Julia Reich und Hebamme Ann-Jana Kreutzmann auch in diesem Frühjahr beim Eintreffen in Ghinda gehört. „Die Menschen dort sind unglaublich herzlich und dankbar“, sagt die 33-Jährige, die im erzgebirgischen Zwönitz aufwuchs, bis 2010 in Halle Medizin studierte und anschließend nach Leipzig zog. Seit 2016 arbeitet sie auf der Frühgeborenen-Station der Uniklinik – unter anderem mit Wendisch, einer der Organisatorinnen für die zwei jährlichen Leipziger Archemed-Einsätze. Als sie das Projekt vorstellte, signalisierte Siegel gleich ihre Bereitschaft, mitzuhelfen.

Eines der ärmsten Länder der Welt

Eritrea, durch Kriege und Dürren ausgezehrt, gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, geführt von einem diktatorischen Regime, das viele Einwohner in die Flucht treibt. Auf einen Arzt kommen hier 10 000 Einwohner, Früh- und kranke Neugeborene haben niedrige Überlebenschancen.

Anschlüsse für Beatmungsgerät fehlen

Das Wochenende der Ankunft nutzte man, um die von Ghinda 25 Luftlinien-Kilometer entfernte Hauptstadt Asmara zu erkunden, am Montag darauf begann das Team seine Arbeit im Krankenhaus. Von außen macht der vor zwölf Jahren errichtete Bau einen tadellosen Eindruck, innen offenbaren sich große Schwierigkeiten. „Wegen der schlechten Bausubstanz sickert Wasser durch das Dach, Armaturen sind beschädigt“, berichtet die junge Ärztin. Auch die medizinische Ausstattung kommt nicht über die Verwaltung eines großen Mangels hinaus. Ein modernes Beatmungsgerät steht ungenutzt unter Plastikfolie im OP-Saal, weil die nötigen Anschlüsse fehlen.

Krankenschwestern brauchen mehrere Jobs

Knapp sind Medikamente wie auch Personal. Zu wenig Pfleger, unzureichende Ausbildung. „Wegen der schlechten Bezahlung in Eritrea müssen Krankenschwestern mehrere Jobs annehmen, um über die Runden zu kommen“, erklärt Christin Siegel, „viele sind erschöpft und als Folge daraus weniger aufmerksam.“ Die Ärzte hingegen sind nach ihrer Einschätzung hervorragend ausgebildet und verfügen über ein breites Wissen. Doch wegen anhaltender Perspektivlosigkeit verlassen immer mehr eigentlich unentbehrliche Fachkräfte das Land. Das beeinflusste auch den jüngsten Einsatz der Leipziger: Kurz vor ihrer Anreise flüchtete ein Spezialist Richtung Sudan. Glücklicherweise fand sich eine junge Ärztin als neue Ansprechpartnerin.

Kinder hätten in Deutschland überlebt – in Eritrea mussten sie sterben

Zum einen gaben die Deutschen Schulungen fürs Personal zu Reanimations-Maßnahmen, Handhabung von Geräten oder Hygiene. Zum anderen kümmerten sie sich um die kleinen Patienten – gerade geborene Frühchen oder kranke Kleinstkinder. Wird ein Leben gerettet, sind Glücksgefühl und Erleichterung groß, doch allein in den Tagen der Leipziger Mission starben vier Kinder, unter anderem an Hirnhautentzündung und Sauerstoffmangel. „Das hat mich sehr mitgenommen“, bekennt Siegel, „vor allem deshalb, weil jedes der vier bei uns aufgrund der besseren Bedingungen überlebt hätte.“

Notstromgerät funktioniert nicht verlässlich

Die Frage der Nachhaltigkeit von Archemed-Besuchen kann die Ärztin eindeutig positiv beantworten: „Die Hygiene im Kreißsaal beispielsweise hat sich deutlich verbessert.“ Nach wie vor labil ist die Stromversorgung; alle paar Tage fällt er in Ghinda aus, auch das Notstromaggregat funktioniert nicht verlässlich. „An vier Tagen hatten wir kein Wasser“, berichtet Siegel, „glücklicherweise hatten wir vorsorglich einige Kanister befüllt.“

Erfahrungen relativieren vieles

Mangels verfügbarem Hotel übernachteten die Leipzigerinnen in einem Zimmer im Klinik-Trakt. Nach zwei Wochen stiegen sie, vollgestopft mit Geschichten und Schicksalen, wieder ins Flugzeug. Mitgenommen haben die Drei den Vorsatz, bald wiederzukommen – und einen Nutzen für den Alltag in der Heimat: „Die Erfahrungen aus Eritrea relativieren vieles, ich lasse mich nicht mehr so schnell stressen“, so die Kinderärztin. „Wir können dankbar dafür sein, in Deutschland zu leben – jeden Tag.“

Wer spenden oder sich informieren möchte, geht auf die Seite www.archemed.org. Wer sich generell ehrenamtlich engagieren will, bekommt Anregungen auf www.freiwilligen-agentur-leipzig.de.

Von Mark Daniel

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