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Lokales Leipziger Altenheim-Chef Ehrhardt Hake begibt sich aufs Altenteil
Leipzig Lokales Leipziger Altenheim-Chef Ehrhardt Hake begibt sich aufs Altenteil
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23:59 30.03.2014
Ehrhardt Hake bei der Eröffnung der Kita Goyastraße. Quelle: André Kempner

Heute wird der Chef der gemeinnützigen Städtischen Altenpflegeheime GmbH, nunmehr 64-jährig, in den Ruhestand verabschiedet.

Zehn Jahre lang stand er an deren Spitze, hatte den Hut für mehr als 800 Beschäftigte in neun kommunalen Pflegeheimen mit rund 1250 Plätzen auf. Im LVZ-Interview nun sein Rückblick auf gute und schlechte Zeiten.

LVZ:

Altenpflege - war das für Sie als junger Mensch das berufliche Traumziel?

Ehrhardt Hake

: Ich bin eher Quereinsteiger. Als Diplomingenieur für Nachrichtentechnik-Geräte und -Anlagen arbeitete ich erst Jahre an der Akademie der Wissenschaften. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass etwas fehlt. Die Arbeit mit Menschen. Und für Menschen. Und zufällig bot sich mir da 1988 der Heimleiter-Posten im Seniorenpark Dölitz an, damals Fritz-Austel-Heim. Mental und fachlich eine totale Umstellung!

Sie kannten also noch das klassische DDR-Altenheim - welches Bild haben Sie davon noch im Kopf?

Im Kopf habe ich Bilder von bettlägerigen Bewohnern, die so gut wie nicht mehr ins Freie kamen, mit blassen Gesichtern, aber liebevoll gepflegt und betreut. Kleine Zimmer, fehlende technische, vor allem sanitäre Voraussetzungen für eine menschenwürdige Versorgung. Zerschlissene Baumwollwindeln, die zum Trocknen auf den Wäscheleinen hingen. Ein ganzer Park voller Kohlehaufen - in den Wintermonaten als Reserve vor Ort, man wusste ja nie, wie der Nachschub klappt. Aber ich sehe auch noch viele aktive Senioren vor mir, die sich durchaus wohl fühlten, sogar ab und an Sonderzuteilungen an Südfrüchten und Rosenthaler Kadarka bekamen.

Bekam man ohne Weiteres so ein Heim-Plätzchen?

Die Altenheime, damals Feierabendheime genannt, waren dem Stadtbezirksarzt unterstellt. Anspruch auf einen Platz hatte man mit Erreichen des Rentenalters - soweit ein Platz verfügbar war! Pflegebedürftigkeit war nicht Voraussetzung. Die Pflege war grundsätzlich nur eine nicht priorisierte Begleiterscheinung, nahm aber dann auch immer stärkere Ausmaße an. Die Heimkosten waren an die niedrigen Renten angepasst. Ein Heimplatz kostete 105 DDR-Mark im Monat, bei Pflegebedürftigkeit 120.

Dann kam die politische Wende, es ging vielerorts in den Rathäusern ein bisschen drunter und drüber - wie haben Sie das im Hinblick auf die Altenheimsituation hier in der Stadt erlebt?

"Mit der ,Wende' wird alles anders" - dachte man. Aber außer sich überschlagenden Hilfsangeboten aus der "neuen Welt" geschah erst mal nicht viel. Die Leiter der Altenpflegeeinrichtungen waren für eine gefühlt endlose Zeit auf sich selbst gestellt. Ich nutzte das, um mich zu qualifizieren. Das ganze Sozialsystem wurde ja auf den Kopf gestellt! Die Stadt verabschiedete schon bald ihren ersten Altenhilfeplan - darin inbegriffen waren natürlich die Heime. 1992 rief mich der damalige Sozialamtsleiter Walther Köhl ins Rathaus, übertrug mir Verantwortung bei der Umsetzung solcher Fragen wie: Welche Heime bleiben kommunal? Welche sind infolge von Restitionsansprüchen rückzuübertragen? Welche zu verkaufen? Welche waren für die Pflege überhaupt noch geeignet?

Mit Blick auf inhaltliche Konzepte und bauliche Hüllen brach also eine völlig neue Zeit an ...

Wir haben in sieben Jahren erst mal acht neue Häuser gebaut oder grundsaniert. Nach dem neuen Pflegeversicherungsgesetz wurde es zudem erforderlich, die sogenannte kameralistische Buchführung in die kaufmännische zu wandeln. Vor diesem Hintergrund kam es 1997 zur Gründung des Eigenbetriebs Städtische Altenpflegeheime. Neben Walther Köhl wurde ich "nebenamtlicher Betriebsleiter". Und "alleiniger Betriebsleiter", als der Betrieb 1999 aus der Stadtverwaltung herausgelöst wurde. Doch diese Umstrukturierung hinterließ Spuren: Heime waren zu schließen, vorübergehend zu verlegen, Ersatzbauten zu errichten oder anzumieten. Die Kapazität war von weit über 2000 Plätzen auf die Hälfte zu reduzieren - was natürlich Personalabbau bedeutete. Dazu kamen laufend neue Anforderungen an Brandschutz oder Hygiene.

In der Folge rasselte der Eigenbetrieb tief in die roten Zahlen. Mehr als fünf Millionen Euro Minus standen 2000 und 2001 zu Buche - wie war Ihnen als Chef da zumute?

Das waren die schwierigsten Jahre meiner beruflichen Tätigkeit! Die haben mich altern und mir viele graue Haare wachsen lassen. Für Stefan Eckner - er war inzwischen zum Leitungsteam gestoßen - und mich war auch erkennbar, dass der Eigenbetrieb in seiner Rechtsform nicht wettbewerbsfähig sein konnte. Wir strebten die Gründung einer gemeinnützigen GmbH an - und das sollte sich lohnen: Das jährliche Betriebsergebnis ist seither wieder positiv. Von damals 735 Mitarbeitern folgten 730 dem Betriebsübergang. Wir haben soviel wie machbar konsolidiert, zentralisiert, gestrafft, neu gestaltet. Die Gewerkschaft Verdi war mit im Boot. 2004 wurde ein umfangreiches Investitionsprogramm vorläufig abgeschlossen, die Lage stabilisierte sich.

Dabei gelang Ihnen, Ihren Mitstreitern und Partnern manch großer Wurf - siehe das neue Pflegeheim Naunhofer Straße oder der sanierte Plattenbau "Heiterblick".

Stimmt. Wir hatten uns mit diesen Objekten die Teilnahme an lokalen, bundes- und europaweiten Wettbewerben gegönnt, unter anderem drei Mal den "Gestaltungspreis" gewonnen, einmal den "Architekturpreis Sachsen" und den "Deutschen Bauherrenpreis".

Im Rückblick - hatten Sie mal so richtig Wut im Bauch? Etwa seinerzeit, als es ziemlich heftige Anwohnereinwände gegen den Bau des Heims Naunhofer Straße hagelte?

Ehrlich gesagt, "Wut im Bauch" kenne ich weniger. Eher Unzufriedenheit, Enttäuschung und ein Quäntchen Traurigkeit habe ich gespürt, wenn Dinge nicht so schnell, nicht so reibungslos und nicht so wie aus meiner Sicht notwendig, umsetzbar waren. Doch angesichts dessen, was dann doch geschafft wurde, möchte ich auch sagen: Der Erfolg hat viele Väter.

Was freut Sie am meisten, noch so kurz vor der Rente gepackt zu haben?

Dass das Mehrgenerationenprojekt Goyastraße, über das Sie ja auch schon viel berichteten, auf einem guten Weg ist. Ich wollte es eigentlich bis dato abgeschlossen haben - aber da zeigt sich wieder die Ungeduld! Stolz bin ich trotzdem, denn das Unternehmen wächst, nicht nur mit der Goyastraße. Unsere Seniorenwohnungen in der Brandvorwerkstraße sind fast fertig, die Kita Kregelstraße zeigt ihr Fundament. Wir mehren also kommunales Eigentum!

Wird es jetzt ein "Unruhe-" oder ein "Ruhestand"?

Definitiv ein "Ruhestand". Mit 25 Jahren intensiver Arbeit, mit der Chance etwas gestalten zu können, hatte ich ein erfülltes Arbeitsleben. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Ich werde nicht gelangweilt zu Hause sitzen, Kinder und Enkel werden mich davon abhalten. Mit meiner Frau werde ich das Wohnmobil besteigen und reisen. Darauf freuen wir uns.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.03.2014

Angelika Raulien

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