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Lokales Leipziger Bluttest für Neugeborene wird bundesweit eingeführt
Leipzig Lokales Leipziger Bluttest für Neugeborene wird bundesweit eingeführt
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05:56 12.03.2019
Blutspur: Gesundheitsministerin Barbara Klepsch und St.-Georg-Geschäftsführerin Iris Minde mit Mediziner Stephan Borte im Labor. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Mediziner des Klinikums St. Georg haben eine Früherkennung entwickelt, mit der künftig die in Deutschland zur Welt kommenden Kinder auf angeborene Immundefekte untersucht werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA), der über den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen entscheidet, nimmt den Test aus Leipzig ab 1. August in die Richtlinie auf, nach der das Blut von bundesweit jährlich rund 700 000 Neugeborenen vom jeweils dritten bis fünften Lebenstag im Labor überprüft wird. Die Kosten dafür betragen pro Kind etwa zwei Euro. Die Blutprobe per Pieks in die Ferse ist ohnehin vorgesehen.

Von einer „wegweisenden Methode von unschätzbarem Wert“, sprach Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch am Montag im St.-Georg-Krankenhaus. Im Immun-Defekt-Centrum Leipzig (IDCL) schaute sich die CDU-Politikerin das Laborgerät an, mit dem die Ärzte das Verfahren seit 2012 entwickelt haben. Mit 60 000 Euro hat der Freistaat die Technik seinerzeit finanziert, damals noch unter Amtsvorgängerin Christine Clauß.

Im Fokus steht eine kleine Gruppe von Menschen: Nach Schätzungen leidet eines von 35 000 Neugeborenen an einer „T-Zell-Lymphopenie“. Das körpereigene Abwehrsystem kann die entsprechenden weißen Blutkörperchen nicht herstellen. Rechnerisch sind es pro Jahr deutschlandweit etwa 20 Babys. Unter den 9000 im St. Georg geborenen Säuglingen, deren Blut man seit Beginn der Studien getestet hat, war kein Kind betroffen.

„Ein Meilenstein“

„Der Knackpunkt ist“, sagt IDCL-Direktor Michael Borte, 66, „dass ein katastrophaler Verlauf zu erwarten ist, wenn man den Immundefekt zu spät erkennt“. Zahlreiche schwere Infektionen sind die Folge. Das Sterberisiko ist hoch. Bei frühzeitiger Diagnose hingegen führt eine Stammzellentherapie bei 90 Prozent der jungen Patienten zur Heilung. Bortes Sohn Stephan, 34 und ebenfalls Arzt am St. Georg, hatte bei beruflichen Stationen am Translationszentrum für regenerative Medizin der Uni Leipzig und am Karolinska-Institut Stockholm weiter am Bluttest geforscht, weshalb die beiden Einrichtungen als Kooperationspartner fungieren.

Für Gabriele Gründl, Bundesvorsitzende der Deutschen Selbsthilfe für angeborene Immundefekte, sind das neue Verfahren und die Kostenübernahme „ein Meilenstein“: „Eine frühe Diagnose ermöglicht den betroffenen Kindern und Eltern ein Leben ohne zahlreiche Krankenhaus-Aufenthalte, unzureichende Behandlung und die ständige Gefahr eines frühzeitigen Todes“, sagt sie.

„Mehrkosten im Cent-Bereich“

Ohne eine Tortur also, wie sie Christoph Mählmann nach seiner Geburt überlebte: Der heute 24-jährige Programmierer aus Doberschütz bei Eilenburg leidet an einem anderen Immundefekt, einer B-Zell-Lymphopenie. Bei schätzungsweise einem von 20 000 Menschen stellt das Abwehrsystem keine solchen weißen Blutzellen her. Als Mählmann neun Monate alt war, kam er wegen mehrerer Infektionen für ein halbes Jahr ins Krankenhaus – bis seine Eltern bei Borte senior die richtige Diagnose erhielten.

In den ersten sieben Lebensjahren musste Mählmann dann alle drei bis vier Wochen für einen Tag an den Tropf, um fremde B-Zellen aufzunehmen. Seit 2002 kann er sich die Ration einmal pro Woche in fünf bis sechs Stunden selbst injizieren. „Damit lebe ich“, sagt er, „ich kenne es ja nicht anders“. Die neue Methode hätte seinen Eltern und ihm aber viel Leid erspart, ist er sicher. Das Verfahren hilft auch, die B-Zellen-Variante zu entdecken. Allerdings nimmt der GBA diese Form des Immundefekts bislang nicht in die Richtlinie auf. „Die Mehrkosten liegen im Cent-Bereich“, sagt Michael Borte. „Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass auch sie irgendwann bezahlt werden.“

Von Mathias Wöbking

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