Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger Brieftaubenzüchter wehren sich gegen Peta
Leipzig Lokales Leipziger Brieftaubenzüchter wehren sich gegen Peta
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:01 25.09.2018
Brieftauben werden weit entfernt von ihrem Heimatort in die Lüfte entlassen. Den Weg zurück sollen sie selbst finden und dabei möglichst schnell fliegen. Quelle: Foto: Wolfgang Sens
Leipzig

Helle Aufregung bei den Leipziger Brieftaubenzüchtern: Sie sind von der Tierrechtsorganisation Peta angezeigt worden, wie insgesamt 22 Züchtervereinigungen in ganz Deutschland. Der Vorwurf lautet: Tierquälerei. Der Deutsche Brieftaubenzüchterverband ist entsetzt und spricht von „gezielter Verbreitung falscher Anschuldigungen“.

Die Besten gehen an den Start

Um die Sache zu verstehen, muss man wissen, wie Brieftaubensport funktioniert. Von April bis September können die Züchter ihre Tiere bei Wettflügen starten lassen. Dabei werden die Tauben bei jedem Flug in größerer Entfernung vom heimischen Schlag „aufgelassen“. Den Weg nach Hause sollen sie selbst finden und dabei schnell sein. Brieftauben orientieren sich am Magnetfeld der Erde. Die Züchter versuchen, die Besten an den Start zu bringen, indem sie die leistungsstärksten Tiere verpaaren, sie entsprechend trainieren und füttern.

Verlustrate von 71 Prozent?

Die Tierrechtsorganisation Peta behauptet in ihrer Strafanzeige, dass bei diesen Wettflügen hohe Verluste entstehen und viele Tiere sterben. Konkret wird der sogenannten Reisevereinigung Leipzig vorgeworfen, dass sie im Jahr 2017 mindestens 1207 Tauben verloren haben soll, was einer Verlustrate von 71 Prozent entspräche. Auf LVZ-Nachfrage sagt Peta, die Zahlen seien anhand der Veröffentlichungen der Züchter auf ihren eigenen Webseiten ermittelt worden.

„Peta hat Zahlen falsch interpretiert“

„Ich distanziere mich von diesem Vorwurf. Peta hat die Zahlen falsch interpretiert“, entgegnet Rüdiger Zeckert, Vorsitzender der Reisevereinigung Leipzig. Der 68-Jährige erklärt es so: „Beim ersten unserer elf Preisflüge im vergangenen Jahr waren 30 Züchter mit 1200 Tauben am Start. Beim letzten und weitesten Flug haben nur noch 15 Züchter mit 228 Tauben mitgemacht. Peta schlussfolgert daraus, dass alle anderen Tauben gestorben seien, aber das ist falsch.“

Nicht alle Tauben werden losgelassen

Tatsächlich würden die Züchter nur solche Tauben losschicken, die sportlich eine Chance haben das Ziel zu erreichen. „Alle anderen werden zu Hause gelassen.“

Verband schätzt Verlustrate auf 20 bis 25 Prozent

Dass es immer wieder Tiere gibt, die von Wettflügen nicht nach Hause kommen, sei allerdings eine Tatsache, die sich nicht von der Hand weisen lässt. Zeckert schätzt, dass es sich um 20 bis 25 Prozent der gestarteten Brieftauben handelt. Manche Vögel kehren mit Verspätung noch heim. Gründe, warum die beringten und mit Transpondern versehenen Tiere auf der Strecke bleiben, gebe es verschiedene: Einige werden Opfer von Greifvögeln, andere kollidieren mit Fahrzeugen, bei wieder anderen könnte es der Elektrosmog sein, der ihr Orientierungsvermögen beeinträchtigt.

Leipziger Vereinschef kümmert sich auch um kranke Tiere

Er selbst, berichtet der Vorsitzende der Reisevereinigung Leipzig, nehme ab und zu kranke und geschwächte Brieftauben auf und pflege sie gesund, um sie später wieder ihren Besitzern zu übergeben. Eine Darstellung, die der Leipziger Tierarzt Volker Jähnig bestätigt: Er sieht in Zeckert einen Vertrauensmann, dem er gestrandete Tiere zur Pflege übergibt, die ihm in die Praxis gebracht worden sind.

Uni-Klinik: In den wenigsten Fällen sind Tiere völlig entkräftet

Auch in der Uni-Klinik für Vögel und Reptilien werden immer wieder verletzte Brieftauben abgegeben. Laut Klinikdirektorin Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns handelt es sich eher um Verletzungen durch Greifvögel oder Aufprall. „In den wenigsten Fällen sind die Tiere vollkommen entkräftet.“ Die Tauben werden kostenlos behandelt und wieder fliegen gelassen. Anhand der Beringung kann der Besitzer ermittelt werden. Wahr sei aber, dass nicht alle Züchter gestrandete Tauben zurück wollen.

Immer weniger Züchter

Ohnehin ist Brieftaubensport ein Hobby, das immer seltener wird: Gab es nach der Wende in Deutschland 90 000 Züchter, sind es jetzt nur noch um die 32 000, und der Altersdurchschnitt ist hoch.

Von Kerstin Decker

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im kommenden Jahr sind Kommunalwahlen in Leipzig. Wir sagen, welche Themen die Freibeuter-Fraktion im Stadtrat in den verbleibenden Monaten noch auf der To-do-Liste hat

25.09.2018

In wenigen Tagen stattet Königin Silvia von Schweden der Messestadt einen Besuch ab, um unter anderem das bundesweit erste sogenannte Childhood-Haus zur Betreuung junger Missbrauchsopfer zu eröffnen. Das wäre eine gute Gelegenheit, einfach mal im „Schwedenhaus“ im Leipziger Süden vorbeizuschauen, findet Bauherr Christoph von Berg.

25.09.2018
Lokales Workshop in der LVZ-Kuppel - Leipzig tanzt beim Super-Grand-Prix

Am 27. Oktober treffen sich die weltbesten Tanzpaare in Leipzig beim Super Grand Prix auf der Neuen Messe. Für die Leser gibt es wieder etwas zu gewinnen: Die Tanzschule Oli & Tina lädt am 7. Oktober zum Workshop in die LVZ-Kuppel ein. Bewerben Sie sich jetzt!

28.09.2018