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Leipziger Bürger tüfteln an Verkehrsideen – Stadtplaner: Wettbewerb schon jetzt ein Erfolg

Leipziger Bürger tüfteln an Verkehrsideen – Stadtplaner: Wettbewerb schon jetzt ein Erfolg

Ob es um eine Tempo-30-Zone vor der Schule, den Parkplatz vor der Haustür oder den Radweg ins Grüne geht – die Anwohner vor Ort wissen oft am besten, was im Stadtverkehr verbessert werden könnte.

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Logo des Bürgerwettbewerbs "Ideen für den Stadtverkehr"

Quelle: Planungsbüro Stadtlabor

Leipzig. Auf dieses Potenzial setzt der Bürgerwettbewerb „Ideen für den Stadtverkehr“. Manchmal können kleinere Probleme wie in Grünau bereits im Vorfeld geklärt werden.

Die Vorschläge der Leipziger sollen in den neuen Stadtentwicklungsplan „Verkehr und öffentlicher Raum“ einfließen. In diesem wird festgelegt, nach welchen Grundsätzen der Verkehr in der Stadt in den nächsten zehn bis 15 Jahren organisiert sein soll, wie Straßen und Plätze gestaltet werden. Das aktuelle Konzept von 2003 bedarf einer Überarbeitung.

Ein Bestandteil der Vorbereitungen des neuen Plans ist der Bürgerwettbewerb. Er wird im Auftrag der Stadtverwaltung Fritjof Mothes’ Planungsbüro Stadtlabor begleitet. Mothes sagt: Auch wenn noch bis zum 31. Oktober dieses Jahres Ideen eingereicht werden können, habe der Wettbewerb bereits vieles in Bewegung gesetzt.

Seit einigen Wochen gibt es regelmäßig Veranstaltungen zum Ideenwettbewerb in den Stadtteilen. „Seitdem ist das Interesse stark gestiegen“, so der Stadtplaner. Anstatt nur zu meckern und Zustände zu beklagen, bringen die Teilnehmer konkrete Vorschläge ein, wie Probleme zu lösen sind. „Gruppen finden sich zusammen und tauschen sich aus“, berichtet Mothes.

Manchmal könnten allein dadurch kleinere Ärgernisse geklärt werden – wie bei einem Treffen in Grünau. Hier sei die Frage aufgekommen, wie Fahrradfahrer besser in die Innenstadt und zum Kulkwitzer See kommen könnten. Schnell sei klar geworden, dass Ortskundige längst geeignete Wege kennen, dass an einigen Stellen aber entsprechende Schilder fehlen. „Durch kleinere Maßnahmen, die nicht viel Geld kosten, kann unter Umständen viel bewirkt werden“, sagt Mothes.

Plagwitzer Karl-Heine-Straße kann als Vorbild dienen

Über andere konkrete Vorschläge wollte der Stadtplaner nicht viel verraten, da die Teilnehmer im Wettbewerb zueinander stehen. Die besten Vorschläge werden von einer Jury, bestehend aus Verkehrsexperten und Vertretern der Bürgerschaft, mit dem „Leipziger Bürgerpreis Stadtverkehr“ prämiert. Beispielhaft sei jedoch die Debatte um eine Aufwertung der Zschocherschen Straße in Plagwitz. Vorschläge umfassten bessere Fuß- und Radwege, Stadtteilfeste und Geschwindigkeitsbeschränkungen. „Als Vorbild könnte hier die Karl-Heine-Straße dienen“, sagt der Stadtplaner.

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In den Stadtteilen wie hier in Grünau wird über die Vorschläge zum Bürgerwettbewerb "Ideen für den Stadtverkehr" beraten. (Archivfoto)

Quelle: Planungsbüro Stadtlabor

Gleichzeitig müsse überlegt werden, wie das Verhältnis zur parallel verlaufenden Erich-Zeigner-Allee ist. „Welche Straße übernimmt welche Rolle?“, fragt Mothes. In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass ein wichtiger Aspekt des Wettbewerbs auch ist, Verständnis für die Situation anderer zu schaffen. „Es bringt schließlich nichts, wenn der Verkehr, den ich aus meiner Straße verbanne, dann eine Straße weiter zu Problemen führt.“

Generell sei die Resonanz auf das Projekt positiv, sagt Mothes. Viele Bürger begrüßten, dass sie schon so früh, noch bevor es ein Konzept der Stadt gibt, in den Prozess eingebunden werden. „Diese Art der Beteiligung ist bundesweit einmalig“, betont der Stadtplaner.

Jeder Vorschlag wird dokumentiert

Natürlich bestehe bei den Teilnehmern auch eine gewisse Skepsis: Werden die Vorschläge auch wirklich in den neuen Stadtentwicklungsplan „Verkehr und öffentlicher Raum“ aufgenommen? Versprechen kann Mothes das nicht, dafür macht er die Zusage: „Alle Beiträge, egal ob groß oder klein, realisierbar oder utopisch, werden im Internet und in einer Broschüre dokumentiert, so dass nichts verloren geht.“ Auch eine kurze Einschätzung jeder Idee sei geplant.

Laut Mothes beteiligen sich Leipziger aller Altersschichten im gesamten Stadtgebiet an den Debatten zur künftigen Verkehrssituation. „Für einzelne Leipziger ist vor allem interessant, was in ihrer unmittelbaren Umgebung geschieht“, sagt Mothes. Vereine, Bürgerinitiativen und Verbände blickten hingegen eher auf das größere Ganze. Neben dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) erarbeiten derzeit unter anderem auch Umweltverbände und das Leipziger Kinderbüro als Interessensvertretung des Nachwuchses Vorschläge für den Wettbewerb.

Planer vom Stadtlabor geben fachliche Unterstützung

Fachliche Unterstützung erhalten die Teilnehmer bei Bedarf vom Stadtlabor. Mothes: „Wer Fragen hat, kann sich gerne an uns wenden. Wir stehen mit Rat und Tat zur Seite.“ Eingereicht werden können Vorschläge direkt im Stadtbüro, in den Stadtteilzentren, postalisch oder via Internet. Ob in reiner Textform, mit Videos, Zeichnungen, Modellen und Fotos – auch der Grad der Professionalität sei nicht entscheidend, sagt der Stadtplaner. „Wir wollten bewusst wenige Vorgaben machen, um niemanden auszuschließen.“

Wie viele Ideen am Ende zusammenkommen werden, kann selbst Mothes nicht abschätzen. „Derzeit köchelt es überall. In den kommenden Wochen werden aus etlichen Spinnereien konkrete Vorschläge entstehen.“ Auch wenn er in der Schlussphase noch mit vielen Einsendungen rechnet: Wichtiger als die Anzahl der Beiträge sei sowieso deren Qualität.

Weitere Informationen zur Stadtplanung und zum Wettbewerb gibt es hier .

Robert Berlin

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