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Leipziger Bürgerinitiative bleibt dran: Rettet das Kino der Jugend!

Tag der Industriekultur Leipziger Bürgerinitiative bleibt dran: Rettet das Kino der Jugend!

Die Interessengemeinschaft Fortuna bleibt am Ball: Sie will das ehemalige Kino der Jugend in der Eisenbahnstraße retten und als multifunktionalen Kulturort wiederbeleben. Die Stadt sieht dafür wenig Chancen.

Kämpfen für das Kino der Jugend: Roman Grabolle, Andreas Bernatschek, Gabriele Sergel und Ina Prutzer (von links) von der IG Fortuna.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der Rettungsplan für das akut vom Verfall bedrohte Gebäude, den das Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) mit der IG Fortuna erarbeitete, sieht zunächst einmal eine Notsicherung des Daches vor, wofür rund 120000 Euro bereitgestellt werden sollten. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Die Zuständigkeit wurde unterdessen auf das kommunale Liegenschaftsamt übertragen. Die IG Fortuna befürchtet nun, dass ein Verkauf oder gar Abriss droht.

Das Kino mit seiner Art-déco-Fassade steht unter Denkmalschutz, wegen erheblicher Baumängel darf es aber nicht betreten werden. Deshalb war es auch beim Tag der Industriekultur nur von außen zu besichtigen. „Wir haben aber die Zusage, mit einem Architekten aus unserem Umfeld hineinzudürfen“, sagt Vereinsmitglied Andreas Bernatschek, der dem Bürgerverein Volkmarsdorf vorsteht. Erst dann könne prognostiziert werden, was eine Sanierung überhaupt kostet. „Ein größerer Saal für Kino, Konzerte, Tanz, Theater, aber auch private Veranstaltungen fehlt hier einfach“, ergänzt Mitstreiter Roman Grabolle. Gabriele Sergel, die ehemalige Kinoleiterin, bricht für die verfallene Kulturstätte eine Lanze: „Das ganze Viertel hat Interesse, dass hier wieder Leben einzieht.“

Im Rathaus werden derweil die Hände gehoben. „Der Abstimmungsprozess ist intern noch nicht abgeschlossen“, betont Thorsten Vollstädt von der Abteilung Kommunikation auf LVZ-Anfrage. Die Stadt Leipzig sieht für sich selbst „keine wirtschaftlich darstellbare Nutzungsmöglichkeit“, die notwendigen Finanzmittel für eine Sanierung seien nicht da, Schul- und Kita-Bau hätten Vorrang. Geprüft werde auch ein Verkauf zur Verwirklichung eines Nutzungskonzepts, so Vollstädt.

Die IG Fortuna lässt sich davon nicht entmutigen. Sie sammelt weiter Unterschriften – 2000 liegen bereits vor. Daniel Schade & Co. bemühen sich um eine Ausschreibung der Immobilie im Konzeptverfahren – dann kann die Stadt über die konkrete Nutzung mitbestimmen. „Einem Abriss steht ohnehin der Denkmalschutz entgegen. Und dem weiteren Verfall des Gebäudes einfach zuzusehen, käme einer bewussten Pflichtverletzung gleich“, findet Schade. Schließlich habe die Politik den Auftrag, Substanz und Vermögen der Kommune zu erhalten.

 Das Areal ist auch als Industriedenkmal interessant: Bis 1862 wurde dort Gas aus Knochen und Schlachtabfällen produziert. Wegen Geruchsbelästigung und verstärkter Wohnbebauung wurde dies eingestellt. 1928 zogen die „Fortuna Lichtspiele“ in die ehemalige Generatorhalle. Mittlerweile wird das Gelände durch die Stadtbeleuchtung
(etwa 60 Mitarbeiter) bevölkert. Abteilungsleiter Rainer Barth: „Diese Geschichte, vor allem die der Gasbeleuchtung, aufzuarbeiten, wäre eine reizvolle Aufgabe.“

Von Mathias Orbeck

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