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Lokales Leipziger Bürgerrechtler fordern Erinnerungstafel
Leipzig Lokales Leipziger Bürgerrechtler fordern Erinnerungstafel
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22:00 05.09.2016
Matthias Klemm hatte 1999 spontan eine fiktive Gedenktafel entworfen, um gegen den Abriss zu protestieren. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Eine späte Genugtuung verspüren derzeit viele Leipziger, die sich vor 17 Jahren an einer bürgerlichen Protestbewegung gegen den Abriss des Henriette-Goldschmidt-Hauses in der Friedrich-Ebert-Straße 16 beteiligt haben. Denn Investoren wollen jetzt in der Nähe des alten Standortes einen Neubau errichten, der alle wesentlichen Elemente der alten Fassade erhalten soll (die LVZ berichtete). Die Gründerin der ersten deutschen Frauenhochschule Henriette Goldschmidt hatte dort 31 Jahre gelebt und gearbeitet. „Ich wusste, dass so ein Abriss Wunden hinterlässt, die auch nach Jahrzehnten nicht heilen“, erklärt zum Beispiel Ruheständlerin Elke Urban, die das Leipziger Schulmuseum leitete und im Jahr 1999 zu jenen gehörte, die vehement gegen den Abbruch protestierten.

Sie und andere sehen den Neubau als Chance, an die Geschichte des Vorgängerbaus zu erinnern. „Es muss ein Erinnerungsmerkmal geben, das sind wir der Geschichte schuldig“, meint die Bürgerrechtlerin Urban. „Hier ging die gesamte geistige Elite der Stadt ein und aus. So viele Zeugnisse des jüdischen Geisteslebens gibt es nicht mehr in unserer Stadt.“ Sie freue sich heute über jeden authentischen Ort. „Wenn es das Ursprungshaus noch gäbe, wäre das heute Klasse“, so Urban. „Deshalb sollte es am Neubau wenigstens eine Erinnerungstafel geben.“

Wie diese aussehen könnte, war schon im Jahr 1999 überlegt worden, als das historische Gebäude abgebrochen wurde. Damals hatte der Leipziger Künstler und Bürgerrechtler Matthias Klemm spontan eine fiktive Gedenktafel skizziert, um die Stimmung der Protestierer festzuhalten und ein Zeichen zu setzen. Denn kurz vor dem Abriss hatte sich herausgestellt, dass das Grundstück doch nicht für die Erweiterung der Friedrich-Ebert-Straße benötigt wurde, wie es ursprünglich hieß.

„Ich habe damals die Grafik mit der Überschrift ,Entwurf als fiktive Gedenktafel in zehn Jahren“ gezeichnet, um die Erinnerung wach zu halten“, so der heute 75-Jährige Klemm, der selbst gegen den Abriss Sturm gelaufen war. Dass diese Tafel vielleicht tatsächlich einmal erstellt und angebracht werden könnte, hatte er aber nicht erwartet. „Dass dies jetzt vielleicht möglich sein könnte, überrascht mich selbst“, sagt er.

Auf der Grafik ist zu lesen: „An dieser Stelle stand das Henriette-Goldschmidt-Haus. Als authentischer Ort jüdischen Geisteslebens gehörte es zum nationalen Kulturerbe. 1999 wurde dieses Haus abgerissen obwohl ein Stadtratsbeschluss unter neuen Gesichtspunkten nicht mehr trug, hielten die Stadtverordneten an dieser Maßnahme fest.“ Quer über die Zeichnung ist eine rote Farbspur zu sehen, die die Form einer Blutlache hat. Darunter steht rot „Wundmal“.

Von Andreas Tappert

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