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Leipziger Bürgerrechtler gründen Hilfsverein für die Ukraine

Leipziger Bürgerrechtler gründen Hilfsverein für die Ukraine

Eine Gruppe von Leipziger Bürgern gründet derzeit einen Verein, der die psychologische Betreuung von Opfern und Angehörigen des Konflikts in der Ukraine zum Ziel hat.

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Dramatische Szenen wie diese hat Maidan-Fotograf Vladyslav Musienko in den vergangenen Monaten in Leipzigs Partnerstadt Kiew festgehalten.

Quelle: Vladyslav Musienko

Leipzig. Der Verein nennt sich zwar "Euro-Maidan-Leipzig e.V."; sein Wirkungsbereich geht aber weit über die Partnerstadt Kiew hinaus und erstreckt sich auch auf die Betreuung von Menschen aus der Ost-Ukraine.

Bei ihrer Reise mit einer Delegation von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) im März hatten die Leipziger Bürgerrechtler Gesine Oltmanns und Uwe Schwabe bereits erste Kontakte zu Psychologen vor Ort geknüpft - über Pfarrer Ralf Haska von der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde St. Katharina in Kiew. Damals stand die Reise noch unter dem Eindruck der Ereignisse rund um den Kiewer Maidan und der Besetzung der Halbinsel Krim durch Russland.

"Es ist wichtig, dass es eine Aufarbeitung des Prozesses des Gewalt gibt", sagt Oltmanns. "Die meisten Leute verstehen noch gar nicht, wie tief das alles geht, wie wichtig diese Hilfe ist", meint Uwe Schwabe. Vor allem für den Aufbau der Zivilgesellschaft sei es von Bedeutung, diese Wunden zu heilen. Dabei würden eigentlich auch die ukrainischen Psychologen selbst Hilfe benötigen. "Viele haben selbst auf dem Maidan gestanden, bräuchten eine Auszeit, sind selber am Limit", berichtet Schwabe. Die Helfer für die geschundenen ukrainischen Seelen arbeiten ehrenamtlich, auf eigene Kosten, neben Beruf und Familie.

Anfrage zur Unterstützung der Reisekosten wurde abgelehnt

Erst vor kurzem war Schwabe in Kiew, um konkrete Ansätze für die Leipziger Hilfe auszuloten - zusammen mit Gesine Oltmanns und mit Ronald Scherzer-Heidenberger. Der Professor für Regionalplanung und Städtebau an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) fuhr als Verwaltungsexperte mit. Eigentlich hatte der OBM im März in Kiew gegenüber seinem damaligen Amtskollegen die Entsendung von Verwaltungsexperten angekündigt. Dieses Versprechen müsse noch umgesetzt werden, fordern Schwabe und Oltmanns, die es auch begrüßen würden, wenn Jung ihren neuen Verein fördert. Eine Anfrage zur Unterstützung der Reisekosten von Scherzer-Heidenberger sei abgelehnt worden. Wann, wenn nicht jetzt, sei die angebotene Hilfe der Leipziger Partner nötig, fragt Schwabe mit Blick auf den neuen Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko, der bis zur nächsten Wahl nur anderthalb Jahre Zeit hat, um seine Verwaltung neu aufzustellen.

Bis auf weiteres helfen sich die Leipziger Bürgerrechtler selbst. Langfristig wollen sie mit ihrem Verein vor allem Geld aus einem Förderprogramm des Bundes gewinnen sowie aus einem Sondertopf der Hilfsorganisation "Brot für die Welt". Bislang bestreiten die Leipziger ihre Kosten aber aus eigener Tasche und aus Spenden. Für ihren Verein benötigen sie weitere Mitglieder und finanzielle Förderer. Ganz konkret: "Wir suchen 20 Leute, die acht mal 50 Euro im Monat spenden", erklärt Oltmanns. Dann könnte die erste der geplanten Hilfen möglich werden - ein Fahrzeug für die psychologische Hilfe. "Vielleicht gibt es ja auch ein Autohaus, dessen Geschäftsführer einen gebrauchten Kleinbus spendiert", hofft Schwabe.

Neben dieser konkreten Hilfe geht es um die Weiterbildung der Psychologen in Trauma-Therapie sowie um den Aufbau eines Beratungszentrums als Anlaufstelle. Rund 30 Psychologen sind organisiert im "Krisenpsychologischen Dienst des Maidan". Sie sind der direkte Adressat der Hilfe aus Leipzig, sie betreuen neben den Kiewern auch Opfer und Angehörige aus der Ost-Ukraine, die teils in einem Kiewer Militärhospital untergebracht sind, teils an neun verschiedenen Flüchtlingsheimen in der Region.

Schmerz des Verlustes und Existenz-Ängste

Vor allem die Familien von getöteten Vätern hätten viel Beistand nötig, berichten Oltmanns und Schwabe. Denn zum tiefen Schmerz des Verlustes kommen oft Existenz-Ängste: Weil offiziell kein Krieg herrscht, gelten die Familien nicht als Kriegsopfer - mit erheblichen Konsequenzen für Sozialleistungen wie Witwen- und Waisenrenten.

Vielen Ukrainern fehlt mit Blick auf die Vorgänge im Osten des Landes die Perspektive, haben Schwabe und Oltmanns auf ihrer Reise registriert. "Es ist kein Ende in Sicht, umso mehr hoffen die Menschen auf Europa." Die Unterstützung und die Hilfe des Westens sei unerlässlich, sagt Uwe Schwabe, der trotz aller aktuellen Dramatik optimistisch bleibt. "Sonst würden wir diesen Verein nicht gründen."

Gründungsmitglieder des Vereins sind neben Gesine Oltmanns (1. Vorsitzende) und Uwe Schwabe der Polizei-Pfarrer Stephan Bickhardt (2. Vorsitzender), HTWK-Professor Ronald Scherzer-Heidenberger, Beate Mitzscherlich (Psychologie-Expertin und Professorin an der Westsächsischen Hochschule Zwickau), die OSZE-Wahlbeobachterin in der Ukraine Annabelle Gambe sowie Marius Bickhardt und Stefan Walter.

Kontakt: Christian.oltmanns@web.de oder Schwabe.u@web.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.07.2014

Björn Meine

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