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Leipziger Bürgersolaranlagen in Gefahr: Bund will Vergütung im März halbieren

Leipziger Bürgersolaranlagen in Gefahr: Bund will Vergütung im März halbieren

Das System klingt einfach: Bürger schließen sich zusammen, um Betreiber von Solarstrom zu werden. Sie erhalten die Einspeisevergütung und die Sonne erledigt den Rest.

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Die Solarenergie steht derzeit in der Kritik - zurecht? (

Quelle: Patrick Pleul)

Leipzig. In Sachsen gibt es mittlerweile zwölf Bürgersolaranlagen, drei davon in Leipzig. Meistens sind es jedoch Unternehmen, die gemeinsam Solarstrom auf öffentlichen Dächern betreiben.

Der Leipziger Energieexperte Martin Maslaton erklärt, warum das System doch nicht so einfach ist, wie es klingt. Ob sich Solarstrom in Zukunft lohnt, ist ebenfalls fraglich: Am Donnerstag hat die Regierung die Pläne zur Kürzung der Solarförderung vorgestellt.

Im Jahr 2009 wurde die erste Bürgersolaranlage in Leipzig auf einem Wohngebäude in Mockau errichtet. Etwa ein Jahr darauf stand eine weitere auf dem Dach der Fakultät der Geisteswissenschaften der Universität Leipzig. Auf dem Dach des Wohnhauses in Mockau werden jährlich rund 30.000 Kilowattstunden Strom erzeugt, die Solarmodule auf der Universität Leipzig produzieren etwa 25.000 Kilowattstunden Strom.

Seit vergangenem Jahr hat auch die Arwed-Rossbach-Schule in Grünau ein Solardach. Das Solardach der Schule in Grünau wird von „echten Bürgern“ betrieben, und zwar von einer Familie, die neben dem Energiegeschäft, ihren alltäglichen Arbeiten nachgeht.

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Am Donnerstag haben Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) eine gemeinsame Position zur Kürzung der Solarförderung und zur Energieeffizienz-Richtlinie der EU vorgelegt.

Quelle: dpa

Bald könnten Bürgersolaranlagen aber Geschichte sein: Am Donnerstag haben Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und  Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) eine  gemeinsame Position zur Kürzung der Solarförderung und zur  Energieeffizienz-Richtlinie der EU vorgelegt. Die Vergütung für  Solarstrom soll bereits ab 9. März erneut deutlich gekürzt  werden.

Im Vergleich zum Jahr 2009 werden die Vergütungssätze demnach  halbiert. Konkret sollen die Fördersätze für ab dem 9. März neu  installierte Anlagen - je nach Größe - um 20,2 Prozent bis 29  Prozent sinken. Zudem soll die Förderung ab 1. Mai monatlich weiter  um 0,15 Cent pro Kilowattstunde sinken. Dies könnte auch dazu führen, dass sich weniger Menschen für das Betreiben einer Bürgersolaranlage interessieren.

Diese Art des gemeinsamen Solarstrombetriebes dürfe aber nicht mit einer privaten Photovoltaikanlage verwechselt werden, die sich jeder auf sein Hausdach stellen kann, erklärte Maslaton im LVZ-Online-Interview. Bürgersolaranlage bedeutet, mehrere Personen oder in häufigeren Fällen Unternehmen, schließen sich zusammen und gründen gemeinsam rechtlich ein Unternehmen, um Photovoltaikanlagen betreiben zu dürfen.

„Das Betreiben von Solaranlagen lohnt sich, da man die Kosten bei hohen Steuern gegen rechnen und so als Steuersparmodell nutzen kann“; erklärte Matthias Wolf, Mitglied des Fördervereins Solar City Leipzig.

„Die Höhe der Einspeisevergütung hängt von den Investitionskosten ab. Das bedeutet, je günstiger ich eine qualitativ gute Anlage kaufen und je mehr ich damit einspeisen kann, desto eher komme ich zu dem Punkt, dass sich das Betreiben überhaupt erst rechnet“, so Wolf. In den Anfangsjahren der Solarenergie haben Betreiber eher aus idealistischen Gründen Solarstrom betrieben, mittlerweile beginne es sich langsam zu rechnen, erklärte der Experte.

„Scharlatane unter den Installateuren“

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Zum einen seien die Kosten entscheidend, zum anderen auch die Qualität der Installation, da es „sehr viele Scharlatane gibt, die Module schlecht installieren“, sagte Wolf. Daher solle man sich unbedingt die Referenzen ansehen, denn die Produzenten mit wenig Referenzen seien mit Vorsicht zu genießen.

Als die Solarbranche noch in den Kinderschuhen steckte, hat es bundesweit öfter wegen mangelhafter Installation gebrannt. „Meistens sind nicht die Solarmodule an sich schadhaft, sondern vielfach wird die stromableitende Verkabelung nicht fachgerecht installiert, oder es kommt zu Kabelbrüchen, die wiederum zu Hot-Spots führen“ erklärte Maslaton. Die Feuerwehr ist auf solche Brände vorbereitet.

„Wir werden jährlich für Brände bei Starkstromanlagen ausgebildet. Hier diskutieren wir die verschiedenen Löschmittel wie Sprühstrahl, Pulver oder Löschgas“, sagte Joachim Petrasch, Sprecher der Leipziger Feuerwehr. „Außerdem werden wir in praxisnahen Situationen darauf vorbereitet wie viel Sicherheitsabstand genommen werden muss und welche weiteren Richtlinien bei solchen Bränden zu beachten sind“. Ob Bürgersolaranlage oder privates Solardach: In Leipzig hat es solche Brandfälle noch nie gegeben, erklärte er. 

Der Energieexperte Maslaton betonte, dass sich jeder künftige Solarstrombetreiber im Vorhinein genauestens über die rechtlichen Vorgaben informieren solle: „Man durchläuft eine komplette Unternehmensgründung, rechtlich bewegt man sich in einem Minenfeld“. Die Überprüfung vor der Installation sei ein weiterer wichtiger Punkt.

Da das Baugenehmigungsverfahren für Photovoltaikanlagen vergangenes Jahr abgeschafft wurde, könne sich jeder ohne behördliche Zustimmung Solarmodule auf sein Dach stellen, so Maslaton. Das habe zur Folge, dass sich Privatpersonen häufig keinen fachlichen Rat holen. Bei der Errichtung müssen aber trotzdem alle Regeln eingehalten werden. Nicht jeder denke sofort daran, ob die Installation den Denkmalschutz gefährdet oder die Rechte des Nachbarn verletzt werden. „Wichtig ist auch, sich vorher zu erkundigen, ob ein Objekt Schatten auf die Solarmodule werfen könnte, denn wenn man das nicht tut, hat man am Ende einfach Pech gehabt“, so Wolf.

Leipzig bei Solaranlagen auf Platz 41

Vergangenes Jahr wurde Leipzig als erster Großstadt Sachsens für ihre Klimaschutzpolitik der European Energy Award verliehen. Leipzig steht bei der Produktion von Solarstrom in der Kategorie Großstädte deutschlandweit auf Rang 41.

In Sachsen sind weitere Solarinstallationen geplant: Von März an sollen Solarmodule auf dem Dach der Landespolizeidirektion Zentrale Dienste in Dommitzsch im Landkreis Nordsachsen, Strom erzeugen. Die Sächsische Naturenergie GbR hat auf einer Fläche von rund 660 Quadratmetern eine Anlage mit einer Höchstleistung von 67,3 Kilowatt errichtet. Damit sollen pro Jahr rund 57 900 Kilowattstunden umweltfreundlicher Strom erzeugt werden.

Weitere Bürgersolaranlagen gibt es etwa in Dresden auf dem Fachgerichtszentrum, auf der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Pillnitz und auf dem Behördenzentrum in Dresden-Klotzsche. Auch in Plauen, Löbau und Bautzen befinden sich auf Dächern öffentlicher Gebäuden Solarmodule.

Manuela Tomic/dpa

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