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Leipziger City sortiert sich neu: Hainstraße im Aufwind, Leerstand in anderen Einkaufsstraßen

Innenstadt-Handel Leipziger City sortiert sich neu: Hainstraße im Aufwind, Leerstand in anderen Einkaufsstraßen

Der Ruf der Leipziger Innenstadt ist hervorragend, doch die Realität sieht stellenweise anders aus – hohe Ladenmieten stimmen oft nicht mit Umsatz und Kaufkraft überein. Die Folge: Geschäfte ziehen aus, für leer stehende Flächen werden neue Konzepte gesucht.

Leerstand in der Grimmaischen Straße: Die Geschäfte im Erdgeschoss von Motel One stehen bereits wieder zur Vermietung.

Quelle: André Kempner

Leipzig.

„Bei uns rennen die Leute nur noch durch“, heißt es in anderen Lagen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht sofort auffällt: Von Grimmaischer Straße bis Brühl, von Petersstraße bis Nikolaistraße – überall stehen Läden leer, manche wie der Adidas-Neo-Store in der Grimmaischen Straße haben keine zwei Jahre ausgehalten. Die City braucht nach Jahren des Flächenwachstums offenbar dringend eine Atempause, in der Kaufkraft und Umsatz wachsen können, so dass sich die hohen Ladenmieten von bis zu 130 Euro pro Quadratmeter auch erwirtschaften lassen. Perspektivisch stehen die Zeichen dafür allerdings gut, dank des Zuzugs und gesunkener Arbeitslosigkeit.

Zu den aktuellen Problemfällen gehört die Messehof-Passage. Seit Anfang des Jahres ziehen reihenweise Geschäfte aus. Nach dem Darboven-Café, dem Dessoushändler Calida oder dem mittlerweile insolventen Deko-Laden Butlers hat sich gerade die Parfümerie Catina verabschiedet – weitere Läden werden folgen. „Es war von Anfang an sehr schwierig, die hohe Miete zu bewältigen“, sagt Parfümerie-Inhaberin Catina Jäkel. „Die Messehof-Passage ist eine Durchgangsmeile, die Leute bleiben kaum stehen.“ Jäkel hat sich zwei Jahre um eine Mietanpassung beziehungsweise um Alternativen gekümmert. Nun ist sie, nach Auslaufen ihres Mietvertrages, an den Neumarkt umgezogen: „Dort zahle ich nur noch die halbe Miete, habe aber 20 Quadratmeter mehr.“

Tote Schaufenster machen die Passage unattraktiv – darunter leiden die verbliebenen Geschäfte umso mehr. Regina Kübler von der Boutique Perfect Style muss noch zwei Jahre ausharren, bis ihr Vertrag endet. Sie bräuchte das Fünf- bis Sechsfache an Umsatz und ist heilfroh, dass sie noch eine Filiale in der Waldstraße hat. Denn damit stützt sie das Geschäft in der Messehof-Passage. „Heute würde ich nicht mehr in die Innenstadt gehen. Die kleinen Läden haben es schwer, man kann hier keine Miete von über hundert Euro pro Quadratmeter erwirtschaften.“ Die Wirtschaftsförderer der Stadt sollten sich stärker darum kümmern, was in der Innenstadt passiert, findet Kübler. Ein städtisches Leerstandsmanagement wie in Stuttgart wäre für sie der richtige Weg.

Die von Immobilienmaklern oft beschworenen internationalen Labels strömen auch nicht gerade in Scharen nach Leipzig. Jedenfalls stehen sie nicht Schlange, um Handelsobjekte wie Petershof, Merkurhaus, Brühl-Arkade, Reichshof, Nikolaistraße oder Strohsack-Passage mit neuen attraktiven Läden zu füllen. Die Messehof-Passage setzt auf befristete Shops, um den Leerstand zu überbrücken, bis vielleicht hochkarätigere Interessenten kommen. „Pop-up-Stores sind eine gute Geschichte, sie bringen neue Farbtupfer, und der Händler hat Gelegenheit, sich auszuprobieren“, sagt Gunter Engelmann-Merkel vom Handelsverband Sachsen. Allerdings brauche ein neues Konzept auch Zeit, bis es Erfolg bringt. Der Handelsexperte ist überzeugt, dass die Immobilienwirtschaft flexibler werden muss – Mietpreise, Vertragslaufzeit oder Zuschnitt der Gewerbeflächen müssten stärker an die aktuelle Entwicklung angepasst werden. So geht der Trend wieder zu kleineren Ladenflächen, da sich ein spürbarer Teil des Geschäfts in den Onlinhandel verlagert hat. Doch in denkmalgeschützten Gebäuden wie in der Nikolaistraße oder auch in den früheren Messehöfen ist es nicht so einfach, Ladenflächen mal eben neu zuzuschneiden.

Eine Neuausrichtung soll sich bald in der seit langem ziemlich verwaisten Strohsack-Passage bemerkbar machen. Nach Auslaufen derzeitiger Mietverträge sollen Vermietungsfehler korrigiert werden, die vor etwa 15 Jahren gemacht wurden. „Wir wollen die kleinen Läden an den Ausgängen wieder stärker mit den großen Flächen im Innenbereich verbinden“, kündigt Kathrin Oldenburg vom Büro Immobilien Management an.

Auch im Reichshof – wo Salamander ansässig war – tut sich etwas: Die Immobilie wird nach rund 25 Jahren erneut saniert. Ein internationales Modelabel sowie ein Einrichtungshaus stehen danach als neue Mieter in den Startlöchern.

Von Kerstin Decker

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