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Leipziger Denkmalpfleger Hocquél: Buntgarnwerke-Brücke muss erhalten bleiben

Leipziger Denkmalpfleger Hocquél: Buntgarnwerke-Brücke muss erhalten bleiben

Den geplanten Abbruch der Buntgarnwerke-Brücke über die Weiße Elster hält Wolfgang Hocquél für "denkmalpflegerisch sehr problematisch". Der Geschäftsführer der Kulturstiftung Leipzig sagte gegenüber LVZ-Online: "Ich war sehr erschrocken.

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Die Buntgarnwerke-Brücke (1907) ist baufällig und wird im Herbst 2012 abgerissen.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Die Brücke ist ein integraler Bestandteil des Buntgarnwerke-Ensembles und muss unbedingt erhalten bleiben." Ein privater Eigentümer könne das aber nicht allein stemmen. Doch für Rettungsaktionen gibt es offenbar keinen Spielraum mehr.

Das Baudezernat hatte am Dienstag mitgeteilt, dass die ehemalige Eisenbahnbrücke von 1907 baulich in so schlechtem Zustand sei, dass sie abgerissen werden müsse. Die Verbindung, die zuletzt als Fuß- und Radweg zwischen Nonnenstraße und Holbeinstraße diente, wurde bereits vor zehn Jahren gesperrt. Im Sommer mussten Sicherungsnetze angebracht werden, damit keine Bauteile in die Weiße Elster stürzen und womöglich Bootsfahrer verletzen können.

Abbruchgenehmigung liegt schon vor

"Die Stadt muss sich hier engagieren. Was in den vergangenen Jahren nicht geschehen ist, kann der aktuelle Eigentümer nicht allein ausbaden", meinte Hocquél. Der Experte verweist auf die Fördermittelzuweisungen des Freistaats an die Stadt als mögliche Geldquelle. Laut Sächsischem Innenministerium als oberster Denkmalschutzbehörde erhält Leipzig für das laufende Jahr 620.000 Euro, 15.000 Euro mehr als 2011. Das Geld würde "weisungsfrei" bewilligt, hieß es aus dem Ministerium. Leipzig entscheidet also, wofür Geld ausgegeben wird.

Für Hilfsaktionen ist es zu spät: "Die Abbruchgenehmigung liegt vor", bestätigte GRK-Vorstand Andreas Rühle auf Anfrage von LVZ-Online. Die Leipziger GRK-Holding AG ist seit 2010 Miteigentümerin der Brücke. Das Unternehmen saniert bis Ende des Jahres einen letzten, am Wasser gelegenen Teil der Buntgarnwerke. 33 Millionen Euro werden für die Erhaltung des Baus investiert, in dem Lofts und Penthäuser entstehen.

"Die Brücke kann seit Jahren nicht betreten werden, wir müssen das pragmatisch betrachten", sagte Rühle. Vorrang habe die Sicherung von Leib und Leben, betonte er mit Hinweis auf die Baufälligkeit der Verbindung. Über die Summe der Sanierungskosten will die GRK keine Angaben machen.

Brücke ist seit Jahren Sorgenkind der Denkmalpflege

Seit Jahren ist die Brücke ein Sorgenkind der Denkmalpflege. Hocquél ist mit dem Thema schon mindestens ein Jahrzehnt vertraut, da war er noch im ehemaligen Regierungspräsidium Leipzig für den Bereich Denkmalschutz verantwortlich. "Die Eigentümer der Brücke haben mehrfach gewechselt. Wir haben ihnen immer wieder nahegelegt, Fördermittel zu beantragen", sagte Hocquél. Gesetzlich vorgeschrieben sei die Erhaltung eines Denkmals im privaten Bereich aber nur im Rahmen des wirtschaftlich Zumutbaren.

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Die Buntgarnwerke in der Plagwitzer Nonnenstraße in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Wieviel die Sanierung der Brücke heute kosten würde, darüber will der Architekturhistoriker nicht spekulieren. Ein älteres Gutachten sei von etwas weniger als einer halben Million Euro ausgegangen. Von der Bedeutung der Brücke her sieht er ein öffentliches Engagement unbedingt gerechtfertigt. Hocquél: "Das ist ein sehr prägendes Kulturdenkmal. Ohne die Brücke kann man das Ensemble gar nicht mehr verstehen."

Unterschätzte Industriekultur

Der Verein für Industriekultur Leipzig e.V. hält das ehemalige Eisenbahnnetz am einstigen Industriestandort Plagwitz für ein unterschätztes Alleinstellungsmerkmal in der Industriekulturszene. Heinrich Moritz Jähnig vom Vereinsvorstand sieht in dem Umgang mit der Brücke "einen Beleg, dass die Industriekultur hier nicht so geschätzt wird."

Die Buntgarnwerke-Brücke wird sehr bald verschwunden sein. Laut GRK wird das Bauwerk im Herbst abgerissen.

Evelyn ter Vehn

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