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Lokales Leipziger Einheitsdenkmal: Verfahren gestoppt, Termin für die Grundsteinlegung wackelt!
Leipzig Lokales Leipziger Einheitsdenkmal: Verfahren gestoppt, Termin für die Grundsteinlegung wackelt!
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15:40 19.05.2015
Aktueller Favorit: der Herbstgarten. Quelle: Entwurf Tina BaraAlba DUrbano

Die Arbeitsgemeinschaft der Architekturbüros M+M sowie Annabau habe einen Antrag auf Nachprüfung des Verfahrens bei der Vergabekammer des Freistaates Sachsen gestellt. Darüber informierte gestern Kulturamtsleiterin Susanne Kucharski-Huniat. Wie berichtet, hatten M+M sowie Annabau mit ihrem Entwurf "Siebzigtausend" bei der Jury-Entscheidung im Herbst 2012 den ersten Preis errungen. Nach einer Überarbeitungsphase wurde "Siebzigtausend" im Juli 2013 jedoch durch ein Bewertungsgremium auf Platz 3 herabgestuft. Am Vorgehen des Bewertungsgremiums entzündete sich sofort heftige Kritik.

M+M sowie Annabau würden nun bei der Vergabekammer "die Wiederherstellung des Status der Juryentscheidung" begehren, erläuterte Kucharski-Huniat. Die Stadt habe für die dort anstehende Überprüfung bereits die gesamte Vergabeakte zur Verfügung gestellt. Die eigentlich für den 16. Oktober geplante Abstimmung im Stadtrat, ob mit allen drei Preisträgern konkrete Umsetzungsverhandlungen begonnen werden, könne nicht stattfinden, so die Amtsleiterin. Nach LVZ-Informationen hat die seit Langem versprochene Beschlussvorlage zu diesem Thema noch nicht mal die Dienstberatung beim Oberbürgermeister erreicht. Kucharski-Huniat teilte gestern hierzu mit: "Erst nach einer Entscheidung der Vergabekammer wird die Vorlage für den Stadtrat in das Verfahren gegeben."

Nach Auskunft von Architekten, die mit dem Denkmalsstreit nichts zu tun haben, entscheidet die bei der Landesdirektion angesiedelte Vergabekammer oft binnen weniger Wochen. Dennoch könne nun eine längere Pause eintreten: Denn falls die Behörde den Antrag von M+M/Annabau ablehnt, könnten beide Büros dagegen Klage einreichen. Auch dies hätte aufschiebende Wirkung für den Wettbewerb - vielleicht für Jahre.

Damit wird noch ungewisser, ob der von der Stadt mehrfach postulierte Termin für den Baustart des Denkmals (zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution am 9. Oktober 2014) noch zu halten ist. Die besten Chancen für eine Umsetzung hat gegenwärtig der Entwurf "Keine Gewalt - Herbstgarten" von Anna Dilengite, Tina Bara und Alba D'Urbano. Allerdings mehren sich gerade wieder die Stimmen derjenigen, die keinen der drei Wettbewerbssieger, sondern lieber einen neuen Anlauf für eine würdigere Erinnerung an dieses weltgeschichtlich bedeutsame Ereignis in Leipzig wollen.

Nach Angaben des früheren Leipziger Baubürgermeisters Niels Gormsen hat sich Anfang dieser Woche sogar Ex-Gewandhauskappelmeister Kurt Masur mit einem Brief an Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) gewandt. In dem Schreiben bittet Masur, der am 9. Oktober 1989 einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Gewalt durch die DDR-Staatsorgane geleistet hatte, eindringlich darum, keinen der drei Preisträger-Entwürfe zu verwirklichen. Vielmehr plädiert der Star-Dirigent für "einen Entwurf, der es nicht bis nach vorn geschafft, mich aber beeindruckt hat. Das ist ein Obelisk." Die Texte auf der Spitzsäule sollten "in würdiger Form die vielen Gedanken wiedergeben, die durch die Köpfe der Demonstranten gingen", schreibt Masur weiter. Obelisken hätten immer einen Mahnmal-Charakter. Eine "abstrakte Kunstform" sei nicht geeignet, "dieser mutigen Zeit in ehrender Weise" zu gedenken.

Johannes Hähle, der viele Jahre die CDU-Stadtratsfraktion leitete und nicht als Mann unbedachter Worte gilt, sagte der LVZ, er wolle gegen eine Umsetzung der Preisträger-Arbeiten kämpfen: "Das sind lediglich Platzgestaltungen, aus denen künftige Generationen nicht die Dimension der Friedlichen Revolution ablesen können." Leipzigs FDP hielt in der vergangenen Woche ein Forum ab, bei dem es ebenfalls Kritik an den Entwürfen hagelte.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.09.2013

Jens Rometsch

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