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Leipziger Expertin: Bei Kinder- und Familienzentren geht es um Professionalisierung

Leipziger Expertin: Bei Kinder- und Familienzentren geht es um Professionalisierung

Das Projekt „Weiterentwicklung von Kindertagesstätten (Kitas) zu Kinder- und Familienzentren (KiFaZ)“ ist nach drei Jahren abgeschlossen. Petra Supplies ist Mitentwicklerin des Projekts.

Leipzig. Im LVZ-Online-Interview erklärt sie den Unterschied zwischen Kita und KiFaZ und spricht über die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund durch Sprach- und Kulturmittler.

Frage:

Drei Jahre lang wurden zehn Leipziger Kitas in Familienzentren umgewandelt. Wodurch unterscheiden sich die neuen Zentren von gewöhnlichen Kindertagesstätten?

Petra Supplies:

Kinder- und Familienzentren haben eine neue Herangehensweise an die Zusammenarbeit mit den Familien. Die Erzieher fokussieren sich nicht mehr nur auf das Kind, das tatsächlich in der Kita betreut wird, sondern auf dessen gesamte Familie. Ziel der KiFaZ ist es unter anderem die Familie kennenzulernen, von den Eltern über die Geschwister bis hin zu Oma und Opa. Das ist für die Arbeit der Erzieher von Vorteil, da sie sich so ein besseres Bild von der Lebenssituation des Kindes machen können. 

Wie soll die gesamte Familie erreicht werden?

Anfangs haben wir Info-Abende für Eltern veranstaltet, zu einem Thema wie: Mein Kind hat Schlafstörungen, was kann ich dagegen tun? Zu dieser Art von Treffen sind im Schnitt drei Personen gekommen, die sich den Rat ohnehin auch wo anders holen würden. Da haben wir gemerkt, dass die Veranstaltungen anders aufgebaut werden müssen. Jetzt gibt es Eltern- und Familiencafés, Werkstatt- und Vorlesungsnachmittage, Babytreffen, offene Elterntreffs oder Elternfrühstücke. Hier haben wir mehr Erfolg.

Neu an den Kinder- und Familienzentren ist der Einsatz von Sprach- und Kulturmittlern für Einwandererkinder. Wie sieht die Arbeit der Mittler aus?

Sprach- und Kulturmittler werden ab einer Anzahl von 25 Kindern mit Migrationshintergrund in den jeweiligen KiFaZ eingesetzt. Sie sprechen die Muttersprache einer bestimmten Gruppe von Kindern und begleiten sie in der Phase, wenn sie neu in das Familienzentrum kommen. Die Kinder sollen sich so leichter eingewöhnen und Zugang zu den anderen Kindern und Erziehern bekommen.

Werden neben der Sprache auch die kulturellen Eigenheiten der Kinder berücksichtigt?

Selbstverständlich. Die Berücksichtigung von religiösen Besonderheiten, beispielsweise beim Essen, ist ein Grundsatz, dem sich jede Kita verpflichtet fühlen sollte. Kinder islamischer Glaubensrichtung  bekommen in den KiFaZ statt Schweinefleisch ein alternatives Gericht auf den Teller. Das ist aber auch in jeder anderen Kita so. Vielmehr geht es darum, den kulturellen Reichtum, den die Kinder mitbringen für alle zu nutzen.

Elternabende, Sprachmittler, intensivere Betreuung: Bedeutet das Modell KiFaZ für Erzieherinnen mehr Arbeit für den gleichen Lohn?

Jedes Kinder- und Familienzentrum hat zehn Wochenstunden Projektkoordination erhalten. Mit dieser Ressource kann die Leitung der Kita den Prozess entwickeln und steuern. Für die Erzieher bedeutet es auf jeden Fall einen höheren Anspruch an Abstimmung und Kooperation im Team. Bei Kinder- und Familienzentren geht um Professionalisierung des Bildungs- und Erziehungsprozesses, nicht um Mehrarbeit.

2013 werden vier neue Kitas per Ausschreibungsverfahren ausgesucht, die zu Kinder- und Familienzentren weiterentwickelt werden sollen. Was sind die Grundvoraussetzungen für die Bewerber?

Bis zu den Sommerferien werden wir ein Ausschreibungsverfahren entwickeln, die Bewerbung ist ab Herbst eröffnet. Für die Kitaträger gelten unter anderem drei Grundvoraussetzungen: Die Bereitschaft aller Teammitglieder, zur ständigen Qualitätssteigerung beizutragen, die Zustimmung des Elternrates per Unterschrift und eine personelle Kontinuität. Letzteres bedeutet, dass sich die Fachkräfte der Verantwortung im Voraus bewusst sind, sich über mehrere Jahre auf einen intensiven Prozess einzulassen.

Manuela Tomic

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