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Leipziger Fernwärme-Kunde zählt Stadtwerke an

Preise und Kosten Leipziger Fernwärme-Kunde zählt Stadtwerke an

Ein Stadtwerke-Kunde kritisiert: Die Preisgestaltung bei der Fernwärme sei intransparent, die berechneten Kosten zu hoch. Das Unternehmen weist die Kritik zurück und macht eine andere Rechnung auf.

Die Energiekosten steigen – ein Leipziger Fernwärme-Kunde erhebt Vorwürfe gegen die Stadtwerke.

Quelle: dpa

Leipzig. Zu Jahresbeginn mussten die Stadtwerke ihre Fernwärmepreise für 120 000 Fernwärmekunden senken, weil das Bundeskartellamt dies gefordert hatte (die LVZ berichtete). Jetzt rebelliert erneut ein Fernwärmekunde gegen die Preise. Der Vorwurf: Die Preisgestaltung sei intransparent und die berechneten Kosten zu hoch.

Ingo Werthmann ist vor sieben Jahren in ein Mehrfamilienhaus in der Ehrensteinstraße gezogen. „Zuerst fiel mir gar nicht auf, dass unsere Heizkosten ziemlich hoch sind“, erzählt der 56-jährige Standortentwickler einer bundesweiten Tankstellenkette. Aber dann habe er sie mit denen eines etwa gleich großen Mehrfamilienhauses in der Heinrich-Budde-Straße verglichen, das er selber verwaltet.

„Während für das 990 Quadratmeter große Haus in der Buddestraße im vergangenen Jahr 6122 Euro für Heizung gezahlt werden mussten, sind es in dem 1005 Quadratmeter großen Haus in der Ehrensteinstraße mit 13 463 Euro mehr als doppelt so viel“, ärgert er sich. „Und das obwohl in der Buddestraße mit 92 000 Kilowattstunden deutlich mehr Energie verbraucht wurde als in der Ehrensteinstraße mit 81 000 Kilowattstunden.“ Der Hauptunterschied zwischen beiden Objekten: Die preiswerte Buddestraße wird mit Erdgas beheizt, die teure Ehrensteinstraße mit Fernwärme. Außerdem gehört in der Buddestraße die Heizungsanlage dem Hauseigentümer, in der Ehrensteinstraße ist sie im Besitz der Stadtwerke.

Das stadteigene Unternehmen stellte den Eigentümern der Ehrensteinstraße 2015 einen „Basisgrundpreis“ von 512 Euro netto im Monat in Rechnung. „Dieser Posten taucht in der offiziellen Preisliste gar nicht auf, sondern nur im Vertrag“, kritisiert Werthmann und nennt dies intransparent. Außerdem hat er in der Rechnung noch eine Pauschale für Serviceleistungen von 145 Euro netto im Monat entdeckt, die für Reparatur- und Wartungskosten an der Fernwärmestation gefordert werden.

Die Stadtwerke begründen ihre Forderungen mit Kosten, die „eine verlässliche Belieferung“ der Kunden sichern. „Allein 2014 und 2015 haben wir über zehn Millionen Euro in die Besicherung der Fernwärme investiert“, sagt Sprecherin Nicole Rühl. „Beispielsweise in die Heizwerke Heiterblick 2,5 Millionen Euro und auf dem Gelände der Gas- und Dampfturbinenanlage 4,7 Millionen Euro sowie in die Wärmespeicher 3,5 Millionen Euro.“

Der angeführte Basisgrundpreis werde für Messung, Ablesung und Abrechnung sowie die Bereitstellung der Stadtwerke-Infrastruktur erhoben; die darin enthaltene 145-Euro-Pauschale für Serviceleistungen falle nicht zusätzlich an, sondern sei bereits im Grundpreis enthalten. Erhoben werde die Pauschale für der Bereitstellung, Wartung und Betriebsführung der Fernwärmestation im Keller der Ehrensteinstraße. Kunden, die sich gleich bei Anschluss an das Fernwärmenetz entscheiden, dass sie die Station selber stell, könnten sich die monatlich 145 Euro sparen. „Aber wenn wir die Station stellen, tragen wir das Risiko eines Austausches, gegebenenfalls auch schon während der Erstvertragslaufzeit, oder von Reparaturen“, begründet Rühl diesen Kostenblock.

Auch der Fernwärmeliefervertrag für die Ehrensteinstraße sei nicht typisch für alle Fernwärmekunden. „Dieses Vertragsmodell wurde für sogenannte Leerstandhäuser entwickelt, in denen früher lange Zeit viele Wohnungen leer standen“, so die Sprecherin. Wegen der geringen Abnahmemengen seien die Grundgebühren relativ hoch. „Solche Verträge stellen wir jetzt um.“

Wegen der Kritik der Kartellwächter hatten die Stadtwerke in diesem Jahr auch ein einfacheres Preismodell eingeführt. „Künftig setzt sich der Fernwärmepreis nur noch aus dem Wärmearbeitspreis je verbrauchter Kilowattstunde und dem Grundpreis zusammen“, so Rühl. Auch der Eigentümergemeinschaft des Mehrfamilienhauses in der Ehrensteinstraße sei ein solcher neuer Vertrag angeboten worden, der deutlich günstiger sei als der alte.

Werthmann bestätigt das neue Preisangebot. Dieses sei aber in der Summe nur rund 1000 Euro im Jahr günstiger – die Fernwärme mithin immer noch deutlich teurer als der Bezug von Gas. Die Eigentümergemeinschaft in der Ehrensteinstraße hat deshalb geprüft, was eine Umstellung auf Gas kosten würde. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Die Netz-Tochter der Stadtwerke müsste eine rund 100 Meter entfernte Gasleitung heranführen – für 12 683 Euro. Hinzu kämen Installationen im Haus, der Kauf einer modernen Erdgasheizung und das Einziehen eines Schornsteines – überschlägig wird von Gesamtkosten von 30 000 bis 40 000 Euro ausgegangen. „Aber in zehn Jahren wären diese Summen abgeschrieben – und wir hätten keine Abschreibungen mehr und auch deutlich geringere Wartungskosten“, denkt Werthmann laut nach. In dem Vergleichshaus in der Budde-Straße würden die Kosten für die normale Wartung der inzwischen vollständig abgeschriebenen Gasheizung plus Schornsteinfegerkosten nur rund 180 Euro brutto betragen – im Jahr und nicht im Monat.

Von Andreas Tappert

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