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Lokales Feuerwehr startet Spendenaktion für Kalifornien
Leipzig Lokales Feuerwehr startet Spendenaktion für Kalifornien
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08:03 18.11.2018
Löscheinsatz bei Waldbränden in Kalifornien. Quelle: Eurofire
Leipzig

Schon auf dem Hinflug nach San Francisco zeigten sich die zehn Leipziger Feuerwehrleute und ihre sächsischen Kollegen hilfsbereit. Die Kameraden versorgten einen medizinischen Notfall und sorgten dafür, dass ihre Maschine nicht notlanden musste. Eine weitaus größere Hilfsaktion initiierten sie nach der Rückkehr von ihrer Ausbildungsreise: Die Leipziger Feuerwehr startet eine Spendenaktion für die Opfer der verheerenden Waldbrände in Kalifornien.

Viele werden nicht mehr versichert

„Wir haben exakt an den Stellen trainiert, an denen wenig später diese schlimmen Brände ausbrachen“, sagt Matthias Dünkel, Vorsitzender des Verbands Eurofire, der seit 25 Jahren den Feuerwehraustausch mit den USA organisiert. „Beispielsweise waren wir in einem Feuerwehrcamp in Malibu, haben einen Stützpunkt für Löschangriffe aus der Luft besichtigt und sind an der Villa von Thomas Gottschalk vorbeigefahren. Und eine Woche später steht von alledem überhaupt nichts mehr, alles ist weg.“ Der Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr Leipzig-Ost lebte selbst drei Jahre in Los Angeles, voriges Jahr brannten zwei Häuser von Familienmitgliedern in Santa Rosa bei Waldbränden komplett ab. „Dort leben nicht nur reiche Leute“, berichtet er. „Viele Menschen werden gar nicht mehr gegen solche Katastrophenfälle versichert.“

Training in San Francisco

Hautnah bekam die sächsische Delegation die schlimmsten Feuersbrünste nicht mit. „Zu dem Zeitpunkt waren zwar schon zwei Waldbrände ausgebrochen“, so der Eurofire-Chef, „doch so richtig katastrophal wurde die Lage erst nach unserer Rückkehr.“ Mithin konnten die Kameraden – neben zehn Leipzigern aus Berufs- und freiwilliger Wehr waren zwei Dresdner und ein Chemnitzer dabei – zwei Wochen lang ihr geplantes Programm abspulen. Mit den Kollegen von der Feuerwehr San Francisco standen diverse Trainingsszenarien auf dem Programm, etwa ein Katastropheneinsatz nach Erdbeben und Brände in Hochhäusern. „Besonders die Hilfsfristen haben mir sehr imponiert“, sagte Dünkel. „Wir müssen in Sachsen in Notfällen innerhalb von zwölf Minuten vor Ort sein, in San Francisco gibt es im Kerngebiet mit rund 700 000 Einwohnern 46 kleinere Feuerwachen und die Einsatzkräfte sind in viereinhalb Minuten da.“

Feuerwalzen sind die Hölle

Vor zwölf Monaten waren die sächsischen Feuerwehrleute hingegen mitten drin im harten Einsatz, beteiligten sich selbst an Löscheinsätzen, als die Wälder brannten. Größtenteils besetzten sie Feuerwachen, während ihre amerikanischen Kameraden zum Katastropheneinsatz abkommandiert waren. „Diese Feuerwalzen, die dort auf einen zukommen, das ist die Hölle“, erinnert sich Dünkel. „Man wird beispielsweise von einem Helikopter abgesetzt und versucht, eine Schneise zu schlagen, da ist man ganz auf sich allein gestellt. Man hat nur ein Schutz-Zelt, das man über sich drüber wirft, wenn eine solche Feuerwalze kommt. Da gibt es kein Entkommen, das Feuer ist schneller. Man kann sich nur auf den Boden werfen, ein Luftloch für Nase und Mund graben und hoffen, dass das Feuer in zwei, drei Sekunden über einen rollt. Eine solche Situation ist mit das Schlimmste, was man sich als Feuerwehrmann vorstellen kann.“

Kameraden sind selbst in großer Gefahr

Auch aufgrund der eigenen Erfahrungen war es für die Leipziger Feuerwehrleute keine Frage, in der aktuellen Notlage den Opfern der Waldbrände beizustehen. „Wir sollten Menschlichkeit und Herz zeigen“, so Dünkel. Spendengelder können auf das Konto des Leipziger Feuerwehrverbands überwiesen werden, der sich ebenfalls an der Aktion beteiligt. „Die gesammelte Spendensumme wird nach Abschluss der Aktion den kalifornischen Verbandskollegen übergeben, die die Mittelverteilung besser einschätzen können, wenn zum Beispiel Kameraden zu Schaden gekommen sind oder selbst Hab und Gut verloren haben“, erklärt Verbandsvize Torsten Kolbe. Auch er ist in Sachen Waldbrände durchaus erfahren: Als 1992 bei Weißwasser eine gewaltige Waldbrandkatastrophe ausbrach, war er unter den Einsatzkräften. „Gerade bei solchen Bränden sind die Kameraden selbst in großer Gefahr.“

 Spendenkonto: IBAN DE 18860555921180827445 Stichwort: Hilfe für Kalifornien

So erlebten die Leipziger Feuerwehrleute die Brände in Kalifornien vor zwölf Monaten:

Von Frank Döring

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