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Lokales Leipziger Firma quapona technologies tüftelt an ganz neuem Prozessor
Leipzig Lokales Leipziger Firma quapona technologies tüftelt an ganz neuem Prozessor
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00:17 06.01.2017
Jörn Hoffmann, Frank Güttler und Falk Lehmann (von links) sind im Internet-der-Dinge genauso zu Hause wie im Zukunftsprojekt Industrie-4.0. Quelle: Frank Schütze
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Leipzig

Erst im Dezember bekam die Leipziger Firma quapona technologies eine Plakette vom deutschen Stifterverband verliehen, auf welche die drei Chefs des Unternehmens besonders stolz sind. „In der Bundesrepublik gibt es 3,5 Millionen Unternehmen“, erläutert Frank Güttler (36). „Aber weniger als ein Prozent von ihnen forscht selbst.“ Mit dem Siegel „Innovativ durch Forschung“ habe der Stifterverband nun das Engagement der Leipziger auf diesem Gebiet gewürdigt.

Dabei trauen sich Güttler und seine Mitstreiter durchaus auch an die großen Themen heran. „Zurzeit entwickeln wir einen ganz neuen Prozessor, der die Sicherheit von Computern und vielen anderen Geräten revolutionieren könnte“, erzählt der Informatiker, der sein Diplom an der Universität Leipzig zu realitätsnahen Simulationsumgebungen für eine selbstorganisierende Roboterwelt erwarb. „Als junge Firma haben wir im Forschungsbereich nur eine Chance, wenn es um etwas völlig Neues geht“, pflichtet Jörn Hoffmann (34) bei. Der gebürtige Wolfener schreibt neben dem Job bei quapona technologies noch an der hiesigen Uni seine Doktorarbeit. Auch dabei geht es um sogenannte RISP-Prozessoren (englisch für Rechner mit rekonfigurierbarem Befehlssatz). Im Grunde wollen Hoffmann und Güttler einen Prozessor etablieren, der für jeden aufkommenden Anwendungszweck optimiert und durch eine Software neu verschaltet wird. So wird aus einem Alleskönner ein Spezialist. „Man könnte keinen Prozessor mehr mit einem anderen vergleichen – dadurch wird er gegen Störungen geschützt und hochsicher“, erklärt Hoffmann. Die Entwicklung solcher Architekturen sei vor fünf Jahren verebbt. „Wir haben die damals aufgetretenen Probleme analysiert und Lösungen gefunden.“

Finanziert wird die Grundlagenforschung bei quapona technologies keineswegs durch einen superreichen Mäzen oder Hochtechnologie-Konzern. „Unser Ziel ist eher, eines Tages selbst der Bill Gates zu sein“, sagt mit einem Augenzwinkern Geschäftsführer Falk Lehmann (48), der einst in Leipzig Technische Kybernetik studierte, nach leitenden Funktionen in Werbeagenturen und Öffentlichkeitsarbeit für das Startup zu seinen beruflichen Wurzeln zurückkehrte. Das Unternehmen, welches jüngst deutlich größere Geschäftsräume in der Chopinstraße 4 bezogen hat, nutze zum Teil Fördermittel, arbeite aber vor allem als Entwickler für verschiedenste Auftraggeber. „Von smarten Applikationen über eingebettete elektronische Systeme bis hin zur selbstorganisierenden Robotik – wir sind im Internet-der-Dinge genauso zu Hause wie im Zukunftsprojekt Industrie-4.0“, so Lehmann. Immerhin: Neben Industriefirmen gehört zu den Auftraggebern inzwischen auch die Bundesregierung. Gemeinsam mit anderen Partnern erhielt quapona technologies 2016 den Zuschlag für ein Projekt mit dem Namen Exploids (Explicit Privacy-Preserving Host Intrusion Detection System). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BmBF) stellt dabei über drei Millionen Euro bereit, um ein System zu entwerfen und zu realisieren, das Angriffe auf Computer erkennt und verhindert. Für den Angreifer soll es unmöglich sein, das Erkennungssystem selbst zu manipulieren.

Anlass hierfür war auch ein Hackerangriff auf die IT-Systeme des Deutschen Bundestags im Jahr 2015. Quapona technologies entwickle jetzt ein Schutzmodul, das in die Computer und Netze eingesetzt werden kann, sagt Lehmann. „Warum soll so eine Spitzentechnologie eigentlich nicht aus Leipzig kommen?“ Allerdings suche das Unternehmen dringend Fachleute, um die Zahl der aktuell zwölf Mitarbeiter schnell und deutlich zu erhöhen.

Von Jens Rometsch

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