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Leipziger Flüchtling aufgrund falscher Angaben abgeschoben

Integration Leipziger Flüchtling aufgrund falscher Angaben abgeschoben

Er war gut integriert und hatte einen Ausbildungsplatz. Der Inder Dhruv Patel wurde am vergangenen Dienstag dennoch abgeschoben. Grund: Er hat gegenüber Behörden falsche Angaben gemacht. Sein Arbeitgeber zeigt sich erschüttert.

In der Werkstatt von „Auto Saxe“: Dhruv Patel mit Autohaus-Chef Michael Franz und Ausbilder Andreas Keilwerth.

Quelle: Auto Saxe

Leipzig. „Dafür habe ich nur Unverständnis“, sagt Michael Franz, Chef des Autohauses „Auto Saxe“ in Leipzig-Burghausen. Sein Auszubildender, der Inder Dhruv Lalbhai Patel, sitzt seit einer Woche in Indien. Der 24-Jährige wurde am vergangenen Dienstag aufgrund falscher Angabe seines Namens, Geburtsdatums und Herkunftsortes gegenüber dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) abgeschoben. Wäre das Autohaus früher informiert worden, hätte es alles dafür getan, um den Fall aufzuklären und Patels Abschiebung zu verhindern, sagt Franz.

In Indien zum Ingenieur ausgebildet

Die Vorgeschichte war vielversprechend: Das Leipziger Autohaus sucht Anfang 2016 KFZ-affine Auszubildende und wendet sich mit dem Anliegen an die Agentur für Arbeit. Diese vermittelt den seit 2014 in Deutschland lebenden Inder. Patel habe in seiner Heimat bereits eine Ausbildung zum Ingenieur für Verfahrenstechnik abgeschlossen und während des Praktikums bei Auto Saxe Sachverstand und Motivation gezeigt, sagt Franz. Da Patel Englisch gesprochen habe, konnten die Mitarbeiter von Beginn an mit ihm kommunizieren. Nach einem Einstiegs-Qualifizierungsjahr habe Patel am 1. August 2017 eine Ausbildung im Unternehmen beginnen können und daraufhin einen Deutschkurs absolviert. Am 5. September wird der Inder dann von der Polizei im Autohaus abgeholt und am gleichen Abend in ein Flugzeug nach Indien gesetzt.

Der Pressesprecher der Landesdirektion Sachsen Holm Felber erklärt dazu: „Herr Patel hat im Zusammenhang mit der Prüfung seine Asylantrages das BAMF über seine Identität getäuscht.“ Seit Februar 2017 habe die Behörde Kenntnis darüber gehabt. Zu diesem Zeitpunkt habe Patel seine bis dahin mitgeteilten Personaldaten unter Vorlage von Dokumentenkopien geändert. Im Mai 2017 habe er schließlich auch das Passoriginal vorgelegt. „Nach diesem Zeitpunkt war eine sogenannte ‚Ausbildungsduldung‘ nicht mehr möglich“, sagt Felber. Ab Ende 2016 war Patel zur Ausreise verpflichtet.

Rückkehr nur nach Einreisesperre möglich

Um Patel die Chance zu geben, sich zu äußern, blieb Franz mit ihm seit seiner Abschiebung in Kontakt. Franz: „Mein subjektiver Eindruck: Er ist am Boden zerstört und todtraurig. Er hat begriffen, dass der Weg nach Deutschland zu ist.“ Patel habe eingesehen, die ein oder andere Fehlentscheidung aus Angst und Unsicherheit getroffen zu haben. Das Autohaus wolle mit der Bekanntmachung des Falls weiteren jungen Menschen ein ähnliches Schicksal ersparen. Franz könne nicht verstehen, wie ein gut integrierter und fachlich geeigneter Auszubildender abgeschoben werden kann. Mit Blick auf den Fachkräftemangel sagt er: „Wir brauchen diese Menschen dringend.“

In einer Erklärung schreibt Dhruv Patel an seinen ehemaligen Leipziger Chef, dass er im April 2014 seinen Namen als Patidar Dhruv angegeben habe, die beiden Nachnamen jedoch die gleichen seien. Weiter habe er auch sein Geburtsdatum „nicht 100 Prozent richtig geschrieben“ und zu dieser Zeit auch keine Dokumente besessen. Zudem hätten ihm Bekannte und Freunde gesagt, dass ihn Deutschland ohne Grund sofort zurückschicken könne, wenn er alle Daten korrekt angäbe. Das war für den Inder offenbar Motivation genug, nicht seine wahre Identität preiszugeben.

Franz hat nun Einsicht in die Akten der Ausländerbehörde beantragen lassen. „Ausgang offen“, so der Autohaus-Chef. Der Weg zurück wird für Dhruv Patel schwer: „Abgeschobene Personen haben grundsätzlich eine Wiedereinreisesperre für das Bundesgebiet. Herr Patel hat die Möglichkeit, eine Verkürzung oder Aufhebung dieser Einreisesperre zu beantragen und anschließend über ein Visumverfahren wieder in das Bundesgebiet einzureisen“, sagt Felber.

Von Mathias Schönknecht

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