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Leipziger Flüchtlingsrat kämpft ums Überleben

Schwierige Finanzierung Leipziger Flüchtlingsrat kämpft ums Überleben

Ein bisschen ist es wie mit den hilflosen Helfern: Da bemüht sich der Flüchtlingsrat Leipzig seit 25 Jahren (!) dank der Unterstützung hunderter Messestädter um ein menschenwürdiges Dasein für die vielen Vertriebenen in der Region, denen in ihren Heimatländern Gefahren für Leib und Leben drohen, und muss doch selber permanent um die Existenz bangen.

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Es gibt schönere Unterrichtsräume, viel schönere. Der Flüchtlingsrat würde den Fußbodenbelag gern austauschen. Doch dazu braucht es Hilfe von außen.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Der Grund: Der gemeinnützige Verein besitzt keine dauerhafte Geldquelle, die ihn speist. Er finanziert sich nahezu ausschließlich durch Spenden. Sonja Brogiato, Vorsitzende des Flüchtlingsrates, nennt den täglichen Kampf um den eigenen Fortbestand deshalb "eine äußerst sportliche Herausforderung". Die gebürtige Oberösterreicherin, die seit 1990 in Leipzig lebt, denkt dabei an Miete und Nebenkosten für das halbe Dutzend Flüchtlingsratsräume samt kleinem Saal in der zweiten Etage der Sternwartenstraße 4 und an die zahlreichen Projekte des Vereins. Wobei es für einige Vorhaben Zuschüsse von der Stadt gibt. "Unterm Strich ist und bleibt es ein hartes Ringen, alles am Laufen zu halten. Der Vorteil in dieser Situation: Wir sind absolut unabhängig", sagt die 55-Jährige. Wenn es also darum geht, die Interessen von Flüchtlingen gegenüber Behörden oder Gesundheitseinrichtungen zu vertreten, wird mit Nachdruck gearbeitet. Faule Kompromisse soll es nach Möglichkeit nicht geben.

Fünf Mitarbeiter, für die teilweise das Sozialamt aufkommt, sind in der Sternwartenstraße zusammen mit den Mitgliedern der Vereinsführung die ersten Ansprechpartner für die vielen Fremden, die Tag für Tag auf Beistand hoffen. Es kommen Menschen, deren Asylantrag läuft, die bürokratische Probleme quälen. Beim Flüchtlingsrat treffen sie auf Muttersprachler. Es kommen aber auch solche, deren Einbürgerung längst beschlossene Sache ist, die geeigneten Wohnraum suchen oder einen Job. Oder Möbel. "Manchmal kann es sein, dass wir Leuten Mobiliar aus unseren Büros mitgeben. Dann müssen wir uns halt wieder was organisieren", erzählt Sonja Brogiato. Motto: Was gebraucht zu haben ist, wird rangeschafft oder angenommen. Erst unlängst gab es eine Ladung alter Stühle aus dem Gemeindesaal der stillgelegten katholischen Propsteikirche am Rosental.

Den Schwerpunkt der Arbeit des Flüchtlingsrates bildet das Schlagwort Eingliederung. Das recht junge Patenschaftsprogramm soll einheimische Familien mit ausländischen zusammenführen. 250 dieser Partnerschaften gibt es bereits. Des Weiteren hat der Verein Ärzte, Physiotherapeuten und Logopäden an seiner Seite, die ihre Dienste kostenfrei anbieten. Handwerker aus der Stadt und dem Umland erklären den neuen Mitbürgern, wie sie sich hier und da selber helfen können. Sprachlehrer machen Jung und Alt fit im Deutschen. Befreundete Sportvereine und Kreativzirkel beschäftigen sich in den Gemeinschaftsunterkünften der Stadt mit den Kindern der Vertriebenen.

Ein Projekt sticht besonders heraus, für das der Flüchtlingsrat einen zweiten Verein gegründet hat: Bei "Integration durch Bildung" geht es um kostenlosen Förderunterricht von der Grundschule übers Abitur bis hin zur Berufsausbildung im Rahmen des Dualen Systems. Hochbegabten-Förderung eingeschlossen. "Es soll jedes Niveau seine Berücksichtigung finden. Vor allem aber interessieren uns die Untersten in der Nahrungskette, die Bildungsfernen", betont Sonja Brogiato. Meistens gehen die ehrenamtlichen Lehrer, darunter viele (arabisch sprechende) Studenten, in die Familien. Doch auch im Unterrichtsraum in der Sternwartenstraße wird gepaukt. Nur leider ist dessen Fußboden total verschlissen. Die Vereinschefin hätte deshalb gern einen neuen. Nur gilt auch in diesem Fall: Spender gesucht.

Spendenkonto: IBAN: DE41 8605 5592 1160 5425 85; BIC: WELADE8LXXX

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.07.2015

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