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Leipziger Flüchtlingsrat sucht Paten für 120 Schüler und Studenten

Bildung Leipziger Flüchtlingsrat sucht Paten für 120 Schüler und Studenten

Gerade hat der Flüchtlingsrat Leipzig die Umzugskartons ausgepackt und sein neues Domizil in der Dresdner Straße bezogen. Jetzt sucht er händeringend nach weiteren Paten für sein Projekt „Integration durch Bildung“. Rund 120 Schüler mit Migrationshintergrund benötigen Unterstützung außerhalb des Unterrichts.

Deutschstunde mit dem 19-jährigen Studenten Ibrahim Abdul Majeed. Es lauschen: Ales (12), Pairin (12) und Salma (6; von rechts).
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Gerade hat der Flüchtlingsrat Leipzig die Umzugskartons ein- und ausgepackt, sein bisheriges Domizil in der Seeburgstraße verlassen und in der Dresdner Straße neue Räume bezogen. Hatte was von Aufbruchstimmung. Als der eingetragene Verein 1991 gegründet wurde, ahnte noch niemand, wie hilfreich die Arbeit der unzähligen Ehrenamtler exakt 25 Jahre später sein würde. Bei der Aufnahme und Betreuung von Migranten und Asylbewerbern leisten Vereinssprecherin Sonja Brogiato und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter unschätzbare Dienste. Denn auch in den Tagen des Umräumens und Neusortierens steht ein Projekt besonders im Fokus: „Integration durch Bildung“ heißt es beim Flüchtlingsrat bereits seit 2004.

Im Moment händeringend gesucht: Leipziger, die jungen Leuten aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan beim Erlernen der deutschen Sprache, bei der Bewältigung des schulischen, ja selbst des universitären Unterrichtsstoffes auf die Sprünge helfen. Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die eine Bildungspatenschaft übernehmen wollen.

Zwei Dinge sollten die neuen Paten mitbringen: „Hirn und Herz am richtigen Fleck“, sagt Sonja Brogiato. „Es müssen keine Lehrer sein“, ergänzt Antje Zajonz, die seit Kurzem als Projektkoordinatorin fungiert. „Wir freuen uns über den deutschen Mitschüler genauso wie über den beschäftigungslosen Hartz-IV-Empfänger oder den bodenständigen Ruheständler, egal ob er früher Handwerker oder Professor war“, betont die studierte Germanistin und ausgebildete Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrerin. Die einstige Theaterdramaturgin will die Arbeit auf eine neue Stufe heben, dank ihrer didaktischen Fähigkeiten „ein bisschen an der Qualitätsschraube drehen“.

1000 ehrenamtliche Lehrer im Einsatz

Das Ziel ist klar: Kein Mädchen und kein Junge mit Migrationshintergrund soll die Schule ohne Abschluss verlassen. „Wir wollen und müssen vermeiden, dass aus ihnen Bildungsferne werden. Andernfalls werden diese junge Menschen nie und nimmer im Erwerbsleben landen. Und dann ist ihre Integration nahezu ausgeschlossen“, sagt Sonja Brogiato.

Gegenwärtig greift der Flüchtlingsrat bei seinem Bildungsprogramm auf rund 1000 ehrenamtliche Lehrer zurück, die sich um circa 900 Schützlinge kümmern. Doch der Bedarf ist noch lange nicht gedeckt. Denn momentan warten weitere 120 Schüler auf eine Vermittlung.

Einer, der als Pate in seiner Freizeit einen mehr als engagierten Job macht, verkörpert zugleich die Erfolgsgeschichte von „Integration durch Bildung“: Wirtschaftswissenschaften-Student Ibrahim Abdul Majeed, einst Schüler am Leipziger Robert-Schumann-Gymnasium, kam wegen einer anfänglichen Mathematik-Schwäche zunächst selber in den Genuss des Projektes. Dann packte er das Abi, holte in seinem Problem-Fach stolze 13 von 15 möglichen Punkten. „Danach habe ich mir gedacht: Jetzt gibst du etwas von dem, was dir geholfen hat, an andere zurück“, sagt der 19-Jährige.

Bis heute hat der junge Mann mit irakischen Wurzeln Kontakt zu seiner früheren Bildungspatin. Ein durchaus erwünschter Nebeneffekt: „Es ist schön, wenn die, die bei uns mitmachen, zugleich eine soziale Vorbildfunktion übernehmen, zu einer Konstanten im Leben der Flüchtlinge werden“, freut sich Projektleiterin Antje Zajonz.

Wer helfen will, benötigt ein polizeiliches Führungszeugnis und wendet sich zunächst einmal an den Flüchtlingsrat Leipzig e.V., Dresdner Straße 53 in 04103 Leipzig; Telefonnummer: 0341 96275580.

Von Dominic Welters

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