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Leipziger Förderschüler und Gymnasiasten auf der Bühne mit Gewandhaus-Profis

Leipziger Förderschüler und Gymnasiasten auf der Bühne mit Gewandhaus-Profis

„Wenn die Leute „toi, toi, toi“ zu euch sagen, dürft ihr nicht „danke“ sagen. Das bringt Unglück, alte Musikerweisheit“, gibt Gewandhaus-Flötist Manfred Ludwig lachend noch einen letzten Tipp.

Leipzig. Aber was soll schon schief gehen. Ein halbes Jahr lang haben insgesamt 81 Schüler der Förderschule Werner-Vogel, des Immanuel-Kant- und Ostwaldgymnasiums mit Profimusikern vom Gewandhausorchester sowie einem Klarinettenspieler der Musikalischen Komödie ein über einstündiges Singspiel einstudiert. Am Freitag war Generalprobe, am Sonnabend, 12. März, ist um 10 Uhr der große Auftritt in der Paul-Gerhardt-Kirche zu Connewitz.

Dass der 13-jährige Erik von der Werner-Vogel-Schule einmal gemeinsam mit Musikern des Gewandhauses auf der Bühne stehen wird, hat er sich vor einiger Zeit noch nicht erträumt. Am Sonnabend wird sein Wunsch war: Dann muss er als Solist beim Singspiel „Diese Erde ist mein Garten“ die Nerven bewahren. „Naja, ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Aber es geht“, meint er nach der Generalprobe. Immerhin: Etwas Bühnenerfahrung hat er schon gesammelt. Bereits im vergangenen Schuljahr initiierte Musiklehrerin Anne Chachaj-Steinborn von der Werner-Vogel-Schule ein Weihnachtskonzert mit dem Ostwaldgymnasium. „Es tut allen Beteiligten gut zu sehen, wie der andere ist, und dass Kinder mit einer Behinderung gar nicht so ganz anders sind. Vor allem: Dass es Spaß macht, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten. Und: Dass es klappt“, so die Projektleiterin.

Spaß haben auch die Profimusiker. „Es ist toll, wenn die Kinder völlig unvoreingenommen auf uns zu gehen und Fragen stellen. Mit behinderten Kindern ist die Zusammenarbeit viel intensiver. Sie haben keine Hemmungen und machen einfach mit“, sagt Franziska Vorberger von der Musikvermittlung des Gewandhauses. „Bei den Proben kam es sogar vor, dass wir einfach so von den Kindern umarmt wurden. Da geht einem richtig das Herz auf, wenn man sieht, was ihnen das gemeinsame Musikmachen gibt.“ Und das sei ja auch das Ziel: Ein unvoreingenommenes Miteinander, Menschen nicht Behinderungen zu sehen. „Bei diesem Projekt sieht man es ja ganz deutlich: Jeder kann etwas. Und es funktioniert nur im Team“, ist Vorberger begeistert.

Apropos Team: Von der Reportergruppe, die das Begleitheft gestaltet hat, bis zur Lesegruppe war viel Einsatz nötig. So machten sich einige Schüler mit Foto und Zollstock in die Kirche auf, um alles genau zu planen. Schließlich soll ja auch der Rahmen stimmen. Immer dienstags von 11 bis 13.30 Uhr kümmerte sich die Kreativgruppe des Kantgymnasiums um das künstlerische Profil. 20 Schüler überlegte sich hier die passenden Kostüme und Bühnenbilder. Montags und Donnerstags schnippelten und nähten die Schüler der Werner-Vogel-Schule weiter. So flattern beim Singspiel Vögel unterm Kirchendach und ein Löwe streift durch den Altarraum. Die passenden Geräusche gibt’s übrigens von der „Plätscher-“ und der „Zwitschergruppe“.

Überhaupt: Hier wird nicht lange gefragt, sondern schnell mitgemacht. Als es etwa darum ging, noch einen Klarinettenspieler ins Boot zu holen, fand sich schnell Edgar Heßke von der Musikalischen Komödie – Ehrensache. Auch Hermann Wolf, der eigentlich nur als „Lennarts Opa“, bekannt ist und als Pianist arbeitet, war sofort bereit, freut sich Anne Chachaj-Steinborn. Im Begleitheft zitiert ihn das Reporterteam: „Ich finde es wichtig, dass alle lernen, ein bisschen mehr auf einander zuzugehen.“ Selbst der Autor des Stücks, Dieter Stork, war bei der Generalprobe in der nahezu voll besetzten Paul-Gerhardt-Kirche zu Tränen gerührt: „Das ist eine großartige Gemeinschaftsleistung.“

Und dann: Die Instrumente sind gestimmt, die Mikros „on“:  Die Vogelkinder flattern herein, der erste Text der Lesegruppe ist geschafft und der Takt setzt ein: „Die Erde ist ein Garten, den Gott uns geschenkt hat. Von mir zu dir soll Friede wachsen.“ Zum Schluss: Applaus, die Kirche bebt.

Magdalena Froehlich

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