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Lokales Leipziger Forscher: Europa drohen mehr Dürren
Leipzig Lokales Leipziger Forscher: Europa drohen mehr Dürren
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00:33 20.05.2018
2003 schlug die Hitze erbarmungslos zu, auch das Rhein-Flussbett trocknete teilweise aus. Dürren wie damals könnten in Teilen Europas zum Normalfall werden, wenn die Erderwärmung um drei Grad Celsius steigt, prognostizieren Wissenschaftler vom UFZ. Quelle: dpa
LEIPZIG

Der Klimawandel wird das Problem der Trockenperioden in Europa verschärfen – sie werden häufiger auftreten, länger dauern, mehr Flächen und damit mehr Menschen betreffen. Zu diesem Ergebnis kommt ein von Experten des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) geleitetes internationales Wissenschaftlerteam in einer jetzt im Magazin „Nature Climate Change“ publizierten Studie. Darin ist erstmals umfassend beschrieben, wie sich die globale Erderwärmung europaweit hinsichtlich von Dürren auswirken kann.

Verschiedene Szenarien wurden per Computermodellierungen durchgespielt. Sollte die Erderwärmung um drei Grad zulegen, verdoppelt sich die Fläche der Dürregebiete auf dem Kontinent im Vergleich zum Referenzzeitraum 1971 bis 2000 von 13 auf 26 Prozent. Gelingt es jedoch – wie im Pariser Klimaschutzabkommen fixiert – die Aufheizung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, werden Dürregebiete perspektivisch 19 Prozent der Fläche einnehmen. Wie die UFZ-Fachleute und ihre an der Untersuchung beteiligten Kollegen schreiben, dauern die größten Dürreereignisse zudem drei bis viermal länger als bisher an. Bis zu 400 Millionen Menschen könnten dann davon betroffen sein. Negative Folgen sind vor allem für die Mittelmeer-Anrainer zu erwarten, wo im extremsten Fall für 49 Prozent des Gebietes Trockenheit droht. Auch die Anzahl der Dürremonate pro Jahr würde in Südeuropa deutlich zunehmen: „Bei einer Drei-Grad-Erwärmung gehen wir von 5,6 Dürremonaten jährlich aus, bislang lag die Zahl bei 2,1 Monaten. Für einige Teile der iberischen Halbinsel prognostizieren wir sogar mehr als sieben Dürremonate“, sagte UFZ-Hydrologe Luis Samaniego.

Er und Stephan Thober vom UFZ waren federführend bei der Studie. „Drei Grad Erwärmung bedeuten außerdem, dass der Wassergehalt im Boden bis zu einer Tiefe von zwei Metern um 35 Millimeter zurückgeht. Das heißt mit anderen Worten, dass auf einem Quadratkilometer 35000 Kubikmeter Wasser nicht mehr zur Verfügung stehen“, erklärte Thober. Damit entstehe auf Dauer in etwa jenes Wasserdefizit, das während des Jahrhundertsommers 2003 in weiten Teilen Europas herrschte. Steige die Erderwärmung dagegen lediglich um 1,5 Grad Celsius, seien jährlich 3,2 Dürremonate in der Mittelmeerregion zu erwarten und ein Rückgang des Bodenwassers um acht Millimeter, so die Wissenschaftler

Nicht ganz so gravierend würde es die anderen Gebiete treffen, selbst wenn es ein Plus von drei Grad Celsius gibt. „In den atlantischen, kontinentalen und alpinen Regionen vergrößern sich dann die Dürregebiete um weniger als zehn Prozentpunkte der Gesamtfläche“, erläuterte Mathematiker Thober. Im Baltikum und in Skandinavien würden die durch die Erwärmung ausgelösten stärkeren Niederschläge sogar eine marginale Verkleinerung der Dürreflächen mit sich bringen.

Von MARIO BECK

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