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Lokales Leipziger Forscher sondieren Plastemüll in Flüssen – zehn Ströme sind Megatransporter
Leipzig Lokales Leipziger Forscher sondieren Plastemüll in Flüssen – zehn Ströme sind Megatransporter
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07:00 27.10.2017
Plastikabfall vermüllt nicht nur die Ufer, sondern treibt auch in den Meeren und wird für dort zur Gefahr für die Tierwelt. Quelle: dpa
LEIPZIG

Kunststoff als Killer der Meeresfauna: In den Ozeanen treiben riesige Plastikmüll-Teppiche und wachsen sich zum globalen ökologischen Problem aus. „Fische, Seevögel und Meeressäuger verwechseln die Partikel mit Futter, nehmen sie zu sich und verenden oft qualvoll daran“, schildert Christian Schmidt vom Leipziger Helmholtzzentrum für Umweltforschung (UFZ) die Situation. In einer umfassenden Analyse hat der Hydrogeologe mit seinem Team jetzt die Wege dieser Zivilisationsabfälle bis in die Meere sondiert, wo sie letztlich zu Myriaden gefährlicher Teilchen zerfallen und wie Plankton anmuten. Im renommierten Fachmagazin „Environmental Science & Technology“ publizierten die Wissenschaftler ihre Untersuchungsergebnisse, die auf der Basis vieler bereits vorliegender Einzelstudien eine Gesamtschau bieten.

Ihren Berechnungen zufolge gelangen rund 90 Prozent des weltweiten Plastikeintrages über zehn große Flusssysteme in die Meere, acht davon verorten die Experten in Asien und zwei in Afrika. Wie Schmidt und Kollegen in dem Journal berichten, ist der durch China strömende und ins Südchinesische Meer mündende Jangtsekiang die größte Transportader für Kunststoffreste, gefolgt vom Indus, der sich durch Pakistan windet und ins Arabische Meer ergießt. An dritter Stelle steht der von China in den Golf von Bohai mündende Gelbe Fluss. Nil und Niger, die am Mittelmeer beziehungsweise dem Golf von Guinea enden, sind die beiden afrikanischen Hotspots bei der Beförderung von Plastikabfällen. Die Zehnergruppe komplett machen der Haie (China), der Meghna inklusive Ganges und Brahmaputra (Indien und Bangladesch), der Perlfluss (China), der Amur (Russland, China) und der Mekong in Südostasien. Ausgewertet wurden die Daten von rund 1350 Flüssen. Das Gesamtgewicht des über die Fließgewässer in die Meere gelangenden Plastik-Treibgutes schätzen die Forscher auf bis zu vier Millionen Tonnen pro Jahr.

An dem von Schmidt geleiteten Projekt wirkten vor allem noch Stephan Wagner und Tobias Krauth mit. Die Gruppe konnte auch einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Grad nicht fachgerechter Entsorgung des Kunststoffmülls in den jeweiligen Einzugsgebieten und dem Belastungsvolumen der Flüsse nachweisen. Um die Plasteflut in Richtung der Ozeane einzudämmen, wäre es aus Sicht der Fachleute sinnvoll, sich vor allem auf die genannten zehn Flüsse zu konzentrieren. In deren Dunstkreis müsse das Abfallmanagement verbessert und die Bevölkerung sensibilisiert werden. Perspektivisch wollen die UFZ-Fachleute eine weitere wichtige Frage beantworten: „Es geht darum, zu ermitteln, wie lange das Plastematerial in den jeweiligen Flussläufen bis zum Meer unterwegs ist“, so Schmidt.

Von MARIO BECK

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