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Lokales Leipziger Forscher untersucht gefährdetes Ökoparadies Baikalsee
Leipzig Lokales Leipziger Forscher untersucht gefährdetes Ökoparadies Baikalsee
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00:20 12.08.2017
UFZ-Forscher bei Messungen und Beprobungen des Baikalsees im Rahmen des wissenschaftlichen Langzeitprojektes „Labeglo“.
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Leipzig

 Dieses Gewässer ist eines der Superlative und mithin wissenschaftliches Zielobjekt von Experten des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ): Vor 23 Millionen Jahren entstanden, gilt der Baikalsee in Sibirien als ältester See der Welt. überdies ist er mit 1,6 Kilometern der tiefste und hinsichtlich seiner Bewohner der artenreichste auf dem Globus. Über 2600 Tierarten sind in ihm heimisch, darunter viele, die nirgendwo anders vorkommen und in dem gestuften Seegrund ihre ökologischen Nischen gefunden haben. Doch die Region ist nicht nur stark vom Klimawandel betroffen. Auch eingeleitete Chemikalien könnten der Fauna im See zusetzen, der als Weltnaturerbe deklariert ist.

Die Selenga als Zufluss sei zunehmend mit Bergwerksabwässern aus der Mongolei belastet, und über die Luft würden industrielle Schadstoffe aus dem Raum Irkutsk zum Baikal gelangen, schildert UFZ-Ökotoxikologe Till Luckenbach die Lage. Als Leiter eines Langzeit-Projektes namens „Labeglo“ untersucht er mit anderen UFZ-Fachleuten und Partnern von der hiesigen Uni, aus Bremerhaven und Irkutsk den Schadstoff- und Wärmestress bei ausgewählten See-Bewohnern. Hintergrund: Die Durchschnittstemperatur des Wassers stieg in den letzten 50 Jahren um fast 1,5 Grad Celsius und erhöht sich weiter – mit Folgen für die Eisbedeckung im Winter.

Folgen weiterer Erwärmung könnten katastrophal sein

Bei ihren Untersuchungen dienen den Wissenschaftlern bestimmte Flohkrebse als Modellorganismen, weil sie eine zentrale Rollen in der Nahrungskette des Sees und bei seiner Reinigung spielen. Jüngst publizierte Ergebnisse sind beunruhigend. Eine der unter die Lupe genommenen Flohkrebsarten verfügt nicht über genügend Hitzeschock-Proteine und weicht in tiefere und damit kühlere See-Regionen aus. Wenn sich das Wasser weiter erwärme, könnte das über lange Zeit eingespielte ökologische Gleichgewicht wackeln, meint Luckenbach. Nichts Gutes lässt auch der Ausgang von Experimenten ahnen, bei denen die Reaktionen der betreffenden zwei Flohkrebsarten im Labor auf Cadmium getestet wurden.

Zwar ist der Baikal bisher von dem toxischen Schwermetall noch weitgehend verschont geblieben, aber das könnte sich perspektivisch ändern. Dieses Szenario simulierten die Forscher mit dem Resultat, dass die kleinere Krebsart schon bei geringen Cadmium-Konzentrationen im Wasser starb. Die größere namens Eulimnogammarus verrucosus fuhr ihren Stoffwechsel herunter. Für die Wissenschaftler ist auch das ein Alarmzeichen, da die Tiere so inaktiv werden, sich nicht mehr fortpflanzen können und zur leichten Beute für Fressfeinde geraten. Um das Anpassungsvermögen von Eulimnogammarus verrucosus auszuloten, sondierten UFZ-Fachleute und Bioinformatiker der hiesigen Uni auch das Erbgut der Tiere. Erste Einblicke offenbarten ein dreimal größeres Genom als das des Menschen.

Von Mario Beck

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