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Lokales Leipziger Fotograf stellt Bilder aus Krisengebieten aus
Leipzig Lokales Leipziger Fotograf stellt Bilder aus Krisengebieten aus
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12:17 11.10.2017
Zwei Mädchen kommen 2015 wieder zurück ins syrische Kobane, das zeitweise vom sogenannten Islamischen Staat besetzt war. Quelle: Sylvio Hoffmann
Leipzig

Mit großen Augen schauen die beiden Mädchen direkt in die Kamera, hinter ihnen zeichnet sich unscharf die Zerstörung ab. Wahrscheinlich stehen ihnen schwere Zeiten bevor. Im März 2015 kamen sie mit ihren Eltern zurück ins syrische Kobane, das zeitweise vom sogenannten Islamischen Staat besetzt war. Aufgenommen hat das Bild der Leipziger Fotograf Sylvio Hoffmann. Er dokumentierte in den vergangenen Jahren oft in Kriegs- und Krisengebieten weltweit das Leid und den Alltag der Menschen. Am Freitag startet im Zeitgeschichtlichen Forum die Ausstellung „Schaut auf dieses Land!“ mit Fotos von ihm. Zu sehen sind 57 teilweise noch unveröffentlichte Bilder. „Es war nicht einfach, eine Auswahl aus meinem Archiv zu zusammenzustellen“, erzählt der 28-Jährige.

Zwei Mädchen im syrischen Kobane. Quelle: Sylvio Hoffmann

Hoffmann fotografiert seit seinem 14. Lebensjahr. „Es begann mit der alten Kamera meiner Mutter“, sagt er. 2014 waren Freunde von ihm als Ärzte in der Region von Kobane in Syrien unterwegs. „Sie sagten mir: Du bist Fotograf, du musst dort hin und den Menschen in Deutschland erzählen, was da passiert“, erzählt Hoffmann. Seitdem habe ihn die Fotografie in Kriegsgebieten nicht mehr losgelassen. Ihm ist es wichtig, hinzuschauen. Warum begibt er sich immer wieder in die Gefahr? „Ich denke, als Fotograf ist es meine Pflicht und Verantwortung, die Gefahren in den Kriegsgebieten einzugehen. Wir müssen zeigen, was in der Welt geschieht“, sagt er. Der 28-Jährige ist Teil des Fotografen-Kollektivs Lumen. Das Projekt der beiden Fotografen Felix Mayrl und Olivier Colin hat seinen Sitz im Leipziger Westen. Hoffmann veröffentlicht seine Werke in zahlreichen Medien, auch der Leipziger Volkszeitung.

„Es geht bei Fotografie viel um Emotionen“

Hoffmans Werke berühren: In der Ausstellung zu sehen ist auch ein Bild, das einen irakischen Soldaten in der Konfrontation mit Zivilisten zeigt. Groß, aggressiv und mächtig wirkt der Soldat mit seinem Gewehr vor den zusammengedrängten Menschen, die ihn verängstigt anschauen. „Das Foto habe ich letztes Jahr im Oktober im Irak aufgenommen, während des Starts der Militäroperationen auf Mossul. Die Menschen warteten stundenlang auf die Verteilung von Hilfsgütern. Die Leute und auch die Soldaten wurden unruhig, der Soldat auf dem Foto trieb die Menge auseinander, schoss wenig später in die Luft“, erinnert sich Hoffmann.

Eingeschüchterte Zivilisten, bewaffnete syrische Frauen, Trauernde: Der Leipziger Fotograf Sylvio Hoffmann dokumentiert den Alltag und das Leid in Kriegsgebieten. Ab dem 13. Oktober 2017 zeigt er seine Bilder im Zeitgeschichtlichen Forum.

Doch Sylvio Hoffmann ist es wichtig, nicht nur als Kriegsfotograf zu gelten. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der sozialdokumentarischen Fotografie. „Besonders in Leipzig findet man als Fotograf viele Geschichten. Und ich denke, dass wir als Fotografen immer noch einiges in Menschen auslösen können. Es geht bei Fotografie um Emotionen“, sagt Hoffmann. Seine kommenden Projekte: Eine Arbeit über den „vergessenen Krieg in der Ostukraine“, erzählt er. „Es sterben immer noch Menschen dort.“ Außerdem arbeite er an einer Reportage über die Arbeitsbedingungen auf dem Bau. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, in diesem Bereich zu arbeiten. Die Arbeitsbedingungen sind oft katastrophal und der Arbeitsschutz ist ein schlechter Witz“, sagt der Fotograf. Das Unsichtbare wieder sichtbar zu machen, meint er, das sei die Aufgabe von Fotografen und Journalisten.

Bei der Ausstellungseröffnung am 12. Oktober 2017 um 18 Uhr im Zeitgeschichtlichen Forum wird Hoffmann zu einem Gespräch zum Thema „Kriegsreportage und Fotografie“ anwesend sein.

Info: Ausstellung: „Schaut auf dieses Land! Fotografien von Sylvio Hoffmann“, 13. Oktober 2017 bis 4. März 2018, Zeitgeschichtliches Forum, Leipzig. Eröffnung: 12. Oktober, 18 Uhr, Eintritt frei. Hier geht es zur Website.

Von Sophie Aschenbrenner

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