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Lokales Leipziger Frauen- und Männervereine klären auf
Leipzig Lokales Leipziger Frauen- und Männervereine klären auf
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09:00 09.08.2016
Setzen sich mit ihren Vereinen für die jeweils speziellen Bedürfnisse von Jungen und Mädchen ein, machen aber auch gemeinsame Sache: Frank Scheinert und Gesine Märtens. Quelle: Kempner
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Leipzig

Sie haben sich den spezifischen Bedürfnissen ihrer Geschlechtergruppen verschrieben – und Schnittstellen gefunden: Seit gut anderthalb Jahren verbindet das feministische Mädchenarbeits-Projekt „Girlz*Space“ des Vereins Frauen für Frauen und die Fachstelle Jungenarbeit vom Verein LEmann eine intensive Zusammenarbeit, unterstützt namentlich von Jugendamts-Mitarbeiterin Solveig Hänsch.

Gemeinsam zieht man an Schulen oder Horte, veranstaltet präventive sexualpädagogische Workshops oder im Rahmen des Lehrplans vorgesehene Projekttage. Das findet – gemäß sächsischem Bildungsplan – bereits ab Klassenstufe vier statt, bevorzugt aber auch in siebten und achten Klassen, wo „Lehrer gern auf unser Angebot zurückgreifen“, wie die Vereinsvorstände Gesine Märtens von Frauen für Frauen und Frank Scheinert von LEmann berichten.

„Die Nachfrage ist in letzter Zeit sogar stark gestiegen“, fügt Märtens hinzu. Immerhin: „Wir sind gut ausgerüstet, haben Projektkoffer mit viel Infomaterial und Plüschmodelle zum Anfassen. Wir besprechen mit den Kindern spezifische körperliche Veränderungen, Menstruation, Rollen- sowie Geschlechterbilder und schließen sexuelle Orientierungen beziehungsweise geschlechtliche Identitäten mit ein – und das geschieht alles teils auch geschlechtergetrennt, damit die Mädchen und Jungen jeweils ungehemmt ihre Fragen stellen können“, erklärt Märtens.

„Aufgegriffen werden von uns selbst Themen wie Pornografie, die die Kids in Zeitschriften, im TV oder auch per Handy finden und wo ihnen all zu leicht schon früh eine gewisse Verfügbarkeit des weiblichen Körpers suggeriert wird. Wir vermitteln ihnen also auch ein Stück Medienkompetenz, indem wir ihnen zeigen, dass das nicht das wahre sexuelle Leben ist. Das alles ist schon etwas, womit wir als schul-externe Profis beim Nachwuchs wohl eher Gehör finden als mitunter Klassenlehrer, die täglich vor ihnen stehen.“

Zudem seien Pädagogen in Bezug auf das sensible Thema oftmals auch mit unterschiedlichsten Ansichten der Elternschaft konfrontiert und daraus resultierend verunsichert. „Manche Eltern sind da beispielsweise eher konservativ, lehnen eine Aufklärung ihrer Kinder als ,zu früh‘ ab, wobei eine gute sexuelle Bildung auch ein Teil von Prävention ist“, erzählt Märtens.

Im Vorjahr waren beide Vereine mit 18 solcher Projekttage in Schulen an den Start gegangen. In diesem Jahr wurden sie schon doppelt so viele Male gebucht. Weitere Anfragen der Schulen ließen nun schon auf einen Bedarf von gut 60 Projekt-Veranstaltungen im Jahr schließen. „Womit wir jedoch personell an unseren Grenzen sind“, sagen sowohl Märtens als auch Scheinert.

Der Frauen-Verein habe für die Schularbeit lediglich eine Personalstelle plus Honorarmittel für eine halbe. LEmann verfügt nur über eine Teilzeitstelle. Überdies stünden im Kontext mit ihrem gemeinsamen sexualpädagogischen Angebot auch Sachen wie zwei große Aufklärungs-Ausstellungen, wie sie beide Vereine im Vorjahr nach Leipzig holten. Und die laut Scheinert „restlos überbucht“ waren.

„Wir haben sie zusammen betreut und dazu – auch geschlechtergetrennt – Führungen und Workshops für Schulklassen gemacht. Arbeit für Schulen also, die aber eben mal nicht in der Schule stattfindet“, gibt Scheinert zu bedenken. Die interaktiven Wanderausstellungen „Echt krass“ und „Echt fair“ würden nach dem Vorjahreserfolg nun im September beziehungsweise im Oktober erneut in Leipzig Station machen.

Ihr gemeinsames Engagement in den Schulen schließe ausdrücklich die Lehrerschaft mit ein. „Bedauerlich ist mitunter nur, dass aus Zeitmangel mit ihnen kaum eine begleitende Reflexion möglich ist“, merkt Scheinert jedoch an. Gleichwohl: In einer der nächsten Jugendhilfeausschusssitzungen möchten Frauen für Frauen und LEmann ihre Vereins-Projekte vorstellen, um für ihre aktuellen Personalnöte zu sensibilisieren. „Denn ein paar Profis mehr, gerade für unsere Schularbeit zu Aufklärung und Sexualkunde, brauchen wir einfach“, sagt Scheinert.

Von Angelika Raulien

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