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Leipziger Freiheit erhalten: Trailerpark-Wagenburg-Gruppe will Osten bunter machen

Leipziger Freiheit erhalten: Trailerpark-Wagenburg-Gruppe will Osten bunter machen

Seit Ende Mai hält die Gruppe Trailerpark ein brach liegendes Gelände im Volkmarsdorfer Norden besetzt. Die 15 jungen Leute des Kollektivs wollen hier eine neue Wagenburg errichten.

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Die Wohnwagen waren namensgebend: In den USA werden Wagen-Siedlungen Trailerparks genannt.

Leipzig. Die Deutsche Bahn, bisherige Eigentümerin des Geländes will sich zu der Besetzung zwar nicht äußern. Die Stadt Leipzig, die das Gelände übernehmen will, hält eine Nutzung als Wagenplatz aber für unproblematisch.

Einen richtigen Eingang gibt es noch nicht. Wer den Trailerpark-Wagenplatz an der Schulze-Delitzsch-Straße besuchen will, muss einen Bauzaun anheben und durch die Lücke schlüpfen. Dahinter erstreckt sich ein von jungen Birken und einer hohen Weide umsäumtes Gelände. Es gleicht mehr einem Campingplatz denn einer Wagenburg. Einige Wohnwagen stehen zwischen jungem Grün, daneben Kleinbusse und ein paar Zelte. Die Gruppe Trailerpark ist neu, nicht nur am Ort sondern auch in der Wohnform Bauwagenplatz.

Im improvisierten Wohnzimmer – einer gemütlichen Sofaecke unter einem von Planen bespannten Holzgerüst - bitten Peter, Frieda und Malte zum Gespräch. Die drei sind Teil der etwa 15-köpfigen Gruppe aus Studenten und Freiberuflern, die vor etwa einem halben Jahr auf das Gelände aufmerksam geworden ist. Nun wollen sie es in einem neuen Treffpunkt für die Nachbarschaft und die alternative Szene verwandeln.

Günstiger Wohnraum

als Chance für kreative Projekte

Ihre vollen Namen mögen die drei nicht sagen, solange die Besetzung noch illegal ist. Von ihren Träumen dagegen erzählen sie gern. Auf dem neuen Platz könnten Konzerte und Lesungen stattfinden. Die Gruppe will Hochbeete bauen, auf denen sich urban Gärtnern lässt. Eine Fahrradselbsthilfe-Werkstatt könnte eingerichtet oder Nachhilfe-Kurse für die Kinder benachteiligter Familien in der Nachbarschaft angeboten werden. „Wir wollen uns hier nicht als alternative Szene breit machen und die angestammten Bewohner verdrängen“, stellt Malte klar. Stattdessen soll der Trailerpark ein Ort werden, an dem enthusiastische Pioniere und langjährige Volkmarsdorfer zusammenkommen können.

„Wir würden unser Engagement gern in Dinge stecken, die in unserer Gesellschaft zu kurz kommen, weil sich kein Profit mit ihnen machen lässt“, sagt Peter. Damit genügend Zeit dafür bleibt, hofft er, zukünftig nur wenig für wohnen bezahlen zu müssen. Die Trailerpark-Gruppe wünscht sich deshalb, den Platz dauerhaft mietfrei nutzen zu können.

Stadt erteilt keine Absage an Wagenburg

Die Deutsche Bahn, bislang Eigentümerin des Geländes, möchte sich auf Anfrage nicht zu der Besetzung äußern. Von Seiten der Stadt heißt es, es habe Arbeitsgespräche zwischen dem Ressort von Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) und der Bahn gegeben, deren Inhalte aber vorerst geheim bleiben sollen. Grundsätzlich spreche aber wenig gegen eine Nutzung der Brache als Wagenburg, teilt ein Sprecher der Stadt mit. „Aus städtebaulicher Sicht könnte der Standort derzeit als relativ störungsfrei eingeschätzt werden.“

Die Stadt soll das Grundstück in absehbarer Zeit übernehmen. Sie bekommt es als Ausgleich für Flächen, die die Bahn für den Bau des City-Tunnels von der Kommune bekommen hat. Geplant war bisher, die Brache in einen urbanen Wald umzuwandeln. Dann wären Bäume gepflanzt und das Gelände ansonsten sich selbst überlassen worden. Nun aber soll die Entwicklung der Fläche mit „Fortgang der derzeit auf dem Grundstück befindlichen Wagenburgen betrachtet und geprüft werden“, so der Sprecher der Stadt. Das ist zwar noch keine Duldung der Trailerpark-Gruppe, aber erstmal auch keine Absage.

Fließend Wasser gibt es nicht

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Die improvisierte Gemeinschaftsküche des Trailerparks.

Quelle: Clemens Haug

Die Wagenplatz-Neulinge haben derweil alle Hände voll damit zu tun, die lebensnotwendige Infrastruktur aufzubauen. Als erstes haben sie sich ein Kompostklo und eine Pinkelrinne gebaut. Dann kam die Dusche, ein Telefonzellen-großes Holzgerüst, in dem man sich mit einem Schlauch Wasser aus einem schwarzen Sack über Kopf und Körper laufen lassen kann.

Mehrere aneinander gestellte Tische und Regale, überspannt von einem blauen Plane, bilden die Küche. Es gibt Strom für einen Kühlschrank. Fließend Wasser hat der Platz dagegen noch nicht. Jeden Tag zieht einer aus der Gruppe mit einen Anhänger voller Kanister lost und holt Wasser aus der Nachbarschaft. Auch bei den Behausungen besteht noch Verbesserungsbedarf, in Zelten kann man schlecht überwintern. Aber Bauwägen sind derzeit schwierig zu bekommen, hat Peter festgestellt. „Die günstigsten Angebote gibt es eher an der Grenze zu Holland. In Leipzig ist der Markt gerade ziemlich abgegrast.“

Leipziger Freiheit und Zusammenhalt

Der Leipziger Osten wird bei Studenten und kreativen Pionieren zunehmend beliebt. Malte stieß eher zufällig zu der neuen Platz-Besetzung. „In Dresden, wo ich herkomme, wäre ein solches Projekt gar nicht möglich.“ Dann schildert er, was Leipzig in seinen Augen derzeit deutschlandweit einmalig macht und viele junge Menschen in die Stadt lockt. „Hier gibt es noch diese Freiräume, wo man neue Lebensentwürfe ausprobieren und umsetzen kann. Es ist wie eine große Spielwiese.“ Nachdem der Süden und der Westen der Stadt weitgehend aufgewertet und damit für Pioniere zu teuer geworden sind, ziehen die jungen Leute nun in den Leipziger Osten.

„Das Gefühl hier untereinander ist sehr schön“, sagt Malte. Alle Projekte hielten wie eine große Wohngemeinschaft zusammen. Frieda schätzt, dass kapitalistische Gedanken in der Szene keine Rolle spielen. „Oft veranstalten die Leute gegen Spende Konzerte oder kochen Essen für alle. Jeder kann so viel geben wie er mag. Zwischen den Projekten gibt es eine große Solidarität.“

Wichtigstes Ziel: Dauerhaft bleiben können

Peter mag den Freiraum, der Platz für Spontaneität lässt. „Der Ort hier ist nicht festgelegt, jeder er möchte, kann einfach einen Zettel aufhängen und zum Beispiel einen Workshop anbieten.“ Ihm ist auch wichtig, dass der Trailerpark keine Initiative egoistischer Individualisten ist. Niemand stelle sich bei dem Projekt in den Vordergrund, stattdessen sei allen Beteiligten vor allem der Zusammenhalt der Gruppe wichtig, sagt er. Wichtigstes Ziel in naher Zukunft ist für die Trailerpark-Leute, eine dauerhafte Nutzungserlaubnis zu bekommen.

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel steht morgen ab 10 Uhr wieder zur Verfügung.

Clemens Haug

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