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Lokales Leipziger Friedensrichter bekommt immer mehr Stalking-Fälle auf den Tisch
Leipzig Lokales Leipziger Friedensrichter bekommt immer mehr Stalking-Fälle auf den Tisch
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23:59 30.03.2014
Werner O. Hamann - einer von fünf Friedensrichtern in Leipzig. (Archivfoto) Quelle: André Kempner
Leipzig

Daraus entwickeln sich subjektive Wahrheiten, Missdeutungen. Das ist der Anfang von Stalking und Mobbing", meint Hamann. Persönliche Zwistigkeiten führen dann zu Nachstellungen - etwa Telefonterror, Observationen, Auflauern, Beleidigungen.

Beispiele aus seiner dreieinhalb Jahre laufenden Tätigkeit nennt der Friedensrichter nicht, denn seine Verhandlungen sind nicht öffentlich. Allgemein aber gilt: "Solche Fälle können am runden Tisch des Friedensrichters besser besprochen werden als beim Strafgericht, weil ich auf einen Ausgleich der beteiligten Personen aus bin. Ich fälle ja auch keinen Schlichterspruch, sondern besiegele die Einigung." Wenngleich es bis dahin manchmal ein sehr schwerer Weg sei. "Doch derjenige, der sich belästigt fühlt, sollte eine dritte unbefangene Person aufsuchen", rät der Streitschlichter aus seiner Erfahrung. An ihn verweist zunehmend auch die Polizei von Stalking Betroffene.

Hamann bestätigt einen Trend, auf den auch Opferorganisationen aufmerksam machen. Dem Weißen Ring zufolge ist die Zahl der Stalking-Opfer in Sachsen gestiegen. Wurden früher nur Einzelfälle bekannt, so betreute der Opferverband voriges Jahr 22 Betroffene, zumeist Frauen (die LVZ berichtete).

Das Gros der Fälle bei Friedensrichter Hamann betrifft allerdings nach wie vor Nachbarschaftsstreitigkeiten. Zu 60 Prozent geht es um den klassischen Zoff am Gartenzaun - wenn etwa überhängende Zweige und Äste für Frust sorgen. Oder um den Ärger über eine Grenzbebauung oder über nicht erwünschtes Betreten eines Nachbargrundstückes.

Bei weiteren 20 Prozent sind familiäre Zwistigkeiten der Auslöser, manchmal auch Erb- oder Betreuungssachen. Und die übrige Zahl der Angelegenheiten dreht sich eben um Stalking, Beleidigung, üble Nachrede, berichtet der 69-Jährige, der für den Leipziger Norden und Nordwesten zuständig ist. Dort wohnen knapp 100 000 Menschen.

Voriges Jahr führte Hamann 15 Schlichtungsverhandlungen in der Schiedsstelle im Stadthaus am Burgplatz durch, wobei nur zweimal keine Einigung gelang. Hinzu kamen 25 so genannte Tür- und Angelfälle, bei denen Personen um Rat fragten beziehungsweise um Hilfe baten. In den beiden Vorjahren hatte es jeweils einige Vorgänge weniger gegeben. Noch bis Ende 2015 läuft die fünfjährige Amtsperiode der fünf Leipziger Friedensrichter.

"Es befriedigt mich, wenn ich Streitigkeiten befrieden kann", sagt der gelernte Kaufmann, der als Rechtsökonom und Justiziar tätig war. "Denn beim Friedensrichter geht es nicht darum, herauszufinden, wer schuldig ist, sondern darum, wie die Zukunft besser gestaltet werden kann." Den allseits bekannten Leitspruch "Schlichten ist besser als richten" hat er erweitert um "Vertragen ist besser als klagen". So laute seine klassische Frage auch immer: "Zu welchem Kompromiss sind sie bereit?"

iWerner O. Hamann ist zuständig für Möckern, Wahren, Lützschena-Stahmeln, Lindenthal, Gohlis, Eutritzsch, Seehausen und Wiederitzsch. Er hat jeden 1. und 3. Donnerstag von 16 bis 18 Uhr Sprechzeit im Stadthaus, Raum U 32, Burgplatz 1. Telefon: 0341 1233530. Außerhalb der Sprechzeiten ist er erreichbar über die Mail-Adresse friedensrichter@hamann-in-leipzig.de und unter Tel. 0152 26814759.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.03.2014

Sabine Kreuz

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