Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger Gefängnis fahndet nach georgischen Büchern
Leipzig Lokales Leipziger Gefängnis fahndet nach georgischen Büchern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:03 02.03.2019
Die von Dagmar Kuckelt geleitete Ausleihstation in der Leipziger Haftanstalt verfügt derzeit über 7000 Bücher. Quelle: Foto: Dirk Knofe
Leipzig

Die kleine Bibliothek in der Justizvollzugsanstalt Leipzig (JVA) ist gut sortiert: Und doch fehlt ihr etwas, das aktuell dringend benötigt wird – Bücher in georgischer Sprache. Denn zurzeit befinden sich unter den 472 Inhaftierten 15 Georgier. „Wir haben schon alles versucht, sogar einen georgischen Verlag angeschrieben. Doch er hat sich nicht zurückgemeldet“, berichtet JVA-Sprecherin Nicole Borchert.

Über rund 7000 Bücher verfügt die Ausleihstation im Moment – angefangen von der Bibel auf Chinesisch über Krimis bis zum Koran. Es gibt natürlich jede Menge Wörter- und auch Gesetzbücher. Gern angeschaut werden Sachbücher über Aquarienkunde, diverse Diäten oder gesammelte Tipps zur Frage: Wie schaffe ich es, mit dem Rauchen aufzuhören? Ganz hoch in der Gunst stehen allerdings Biografien, in denen Autoren ihre Süchte beschreiben. Dazu gehört der Bestseller wie „9 Tage wach“ von Eric Stehfest. Darin beschreibt der deutsche Schauspieler, wie und warum er in seinem früheren Leben drogenabhängig geworden war.

Insassen von 36 Nationen

Sehr beliebt sei auch die Science-Fiction-Serie „Perry Rhodan“, weiß Bibliothekschefin Dagmar Kuckelt. „Wir haben Bücher in 26 Sprachen – beispielsweise in Ungarisch, Serbisch, Portugiesisch, Russisch, Arabisch.“ Doch Georgisch sei – bis auf Lesestoff, den gerade ein Dolmetscher spendiert hat – bislang leider nicht vertreten.

In der Justizvollzugsanstalt Leipzig mit vorrangig Untersuchungshäftlingen und einer daher hohen Fluktuation befinden sich Nicole Borchert zufolge aktuell Insassen von 36 Nationen sowie zwei Staatenlose. Der Ausländeranteil schwankt, war mit 42 Prozent in der jüngsten Vergangenheit am höchsten. Derzeit seien es 35 Prozent, so die Sprecherin.

Die Insassen bestellen ihre Bücher anhand von Katalogen, die es auf jeder Station gibt. Zwei Mitarbeiter – Gefangene – helfen, arbeiten die Wunschlisten ab. „Im Moment haben wir 192 Bücher an 92 Leser ausgeliehen“, so Kuckelt. Insgesamt habe sie aber festgestellt: „Der Trend zum Buch ist rückläufig. Vor allem bei jungen Gefangenen so Anfang und Mitte 20.“ Sie würden noch nicht einmal mehr wie noch vor ein paar Jahren Comics anschauen, vielmehr den Fernseher bevorzugen. Los ginge es erst bei den Endzwanzigern.

Staatsanwälte spenden Bücher

Büchernachschub kommt durch Spenden und die von einer Staatsanwältin initiierten Aktion Lesen hinter Gittern. „Da erhalte ich 10 bis 15 Kartons im Jahr“, so Kuckelt weiter. Zudem stellt die Justiz jährlich ein paar Hundert Euro für Anschaffungen zur Verfügung. „Da kann ich verschlissene Altbestände wie etwa noch von 1969 aussortieren.“

Außer Literatur vor allem in Georgisch werden überhaupt Bücher in Fremdsprachen, Wörterbücher oder nach dem Jahr 2015 erschienene Werke benötigt. Zuvor unbedingt Dagmar Kuckelt unter Mail dagmar.kuckelt@jval.justiz.sachsen.de oder via Telefon 0341 8639316 kontaktieren.

Von Sabine Kreuz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Geschäftsbereich Ost der Median-Kliniken reagiert auf den akuten Fachpersonalmangel: Seit vergangenen Oktober werden 14 Neu-Leipziger aus Ägypten, Palästina, dem Sudan und Tunesien im Pflegebereich geschult. Das Zwischenfazit fällt positiv aus – auch Skeptiker geben sich überzeugt, dass dieser Weg gangbar ist.

02.03.2019

Obwohl die Mieten in jüngster Zeit kräftig angezogen haben, müsste das die Masse der Leipziger noch gut verkraften können. Laut dem neuen Wohnungsmarktbericht der Stadt sind die Haushaltsnettoeinkommen von 2012 bis 2017 deutlich schneller gestiegen (um 26,2 Prozent) als die Wohnkosten (um 7,9 Prozent).

05.03.2019

Die Leipziger Städtischen Bibliotheken, die 2018 einen Rekord bei den Entleihungen und angebotenen Veranstaltungen aufstellten, werden immer mehr zum Erlebnisraum. Dieses Jahr entsteht ein geheimnisvolles Leipzig-Zimmer.

01.03.2019