Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger General: „Brauchen Wehrpflicht aus militärischer Sicht nicht mehr“
Leipzig Lokales Leipziger General: „Brauchen Wehrpflicht aus militärischer Sicht nicht mehr“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:23 20.06.2010
Anzeige
Leipzig

Damit meldet sich erstmals ein ranghoher aktiver Militär in der Debatte um die Wehrpflicht zu Wort.

General Kammerer, seit fast vier Jahren Kommandeur der in Leipzig ansässigen 13. Panzergrenadierdivision, gibt am Montag das Divisionskommando ab und wird Stellvertreter des  Befehlshabers des Heeresführungskommandos in Koblenz.

Die Frage nach der Wehrform, also ob Berufs- oder Wehrpflichtarmee, so Kammerer, sei allerdings keine rein militärische, sondern eine zutiefst politische Angelegenheit, die möglichst mit einem gesamtgesellschaftlichen Konsens vom Parlament zu entscheiden sei. Er sei froh, dass eine offene Diskussion über die Wehrpflicht in Gang kommt. 

Er sagte wörtlich: „Meine persönliche Auffassung dazu ist:  Die Wehrpflicht hatte bis 1990 ihre Berechtigung, als wir eine große personalstarke Armee zur Landesverteidigung brauchten. Dort hat sie sich auch gut bewährt. Inzwischen steht die Bundeswehr vor neuen Aufgaben. Die Grundwehrdienstleistenden nehmen wir nicht mit in die Auslandseinsätze, das ist in den 90er Jahren  entschieden worden. Bei sechs oder neun Monaten Wehrdienstdauer geht das auch gar nicht.  Damit können sie keinen Beitrag zum jetzigen Hauptauftrag der Armee, der Krisen- und Konfliktbewältigung, leisten.“

Ein großer Vorteil der Wehrpflicht sei die Möglichkeit, junge Männer für eine Laufbahn in den Streitkräften zu interessieren. Etwa 40 Prozent des Nachwuchses würde derzeit unter den Wehrpflichtigen geworben. „Entfällt dies“, so der General, „müssen wir am freien Markt werben und auch nach außen so als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden, dass wir im Kampf um die besten Köpfe bestehen. Wehrersatzbehörden und bunte Werbetrucks werden dann nicht reichen.“ 

Kammerer, der fast vier Jahre die einzige Bundeswehrdivision in den neuen Bundesländern kommandierte, wollte zwar keine Prognosen zu Standortentscheidungen abgeben, wies aber darauf hin, dass die Bundeswehr in Ostdeutschland „derzeit und sicher auch noch auf längere Sicht das beste Aufkommen an Freiwilligen“ habe. „Meine Kameraden in Baden-Württemberg haben richtig Schwierigkeiten, ihre Feldwebel zu finden – wir aber nicht.  Eine Armee muss dort präsent sein, wo sie das meiste und beste Personal findet.  Dieses Argument wird umso wichtiger, je schwieriger die Nachwuchslage wird“, sagte er.

Mit Blick auf die Debatte über die Truppenstärke wies General Kammerer darauf hin, dass die Bundeswehr „kein Personal-, sondern ein Strukturproblem“ habe. „Wenn wir derzeit Schwierigkeiten haben, von den etwa 195 000 Zeit- und Berufssoldaten dauerhaft knapp 7000 für die Auslandseinsätze zu stellen, dann stimmt etwas in der Struktur nicht.“  Beispielsweise werde im Bereich des Material-, Beschaffungs- und Weiterentwicklungswesens „viel Papier beschrieben, und zahlreiche gut dotierte und hoch motivierte Stabsoffiziere arbeiten daran.  Wir erlauben uns noch eine ganze Reihe historisch gewachsener bürokratischer Selbstbeschäftigungen, die uns nicht weiterbringen.“

Anita Kecke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) weisen für 2009 ein deutlich schlechteres Ergebnis als in den Vorjahren aus. Der Aufsichtsrat beschloss am Freitagabend die Bilanz mit einem Gewinn von knapp elf Millionen Euro.

19.06.2010

Nachdem das Konzept der Wächterhäuser in Leipzig seit 2004 erfolgreich umgesetzt wurde, hat der Verein HausHalten nun das Projekt Wächterläden entwickelt. In Kooperation mit dem Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) sollen bisher leerstehende Ladenflächen wieder in Verwendung gebracht werden.

18.06.2010

Am Flughafen Leipzig/Halle sind am Freitag zwei neue Feuerwachen in Betrieb gegangen. Damit ist die bisherige Interimslösung Geschichte, teilte der Flughafen mit.

18.06.2010
Anzeige