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Leipziger Geografen auf der Spur des sagenhaften Karlsgrabens

Uni an Forschungsprojekt beteiligt Leipziger Geografen auf der Spur des sagenhaften Karlsgrabens

Wurde er im frühen Mittelalter von Schiffen befahren oder blieb er eine Investruine der Karolingerzeit? Wissenschaftler der Leipziger Uni erkunden gemeinsam mit Experten der Uni Jena und anderen Forschungseinrichtungen den Karlsgraben in Mittelfranken.

Wissenschaftler bei der Sondierung eines Abschnittes des mittelalterlichen Karlsgrabens. An dem Projekt sind auch Geografen der Leipziger Uni beteiligt.

Quelle: BLfD

Leipzig.

Im Auftrag Karls des Großen war der Kanal als Verbindung zwischen den Flüssen Schwäbische Rezat und Altmühl in Mittelfranken konzipiert worden und sollte einen durchgängigen Verkehr zwischen den Fluss-Systemen von Rhein und Donau ermöglichen. Letztlich wäre durch den nur wenige Kilometer langen und eine Wasserscheide überwindenden Karlsgraben ein Schiffstransit von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer machbar gewesen. In historischen Aufzeichnungen steht geschrieben, dass der Fossa Carolina genannte Kanal anno 793 nach Christus vollbracht gewesen sein soll. Aber die Quellenlage ist schwammig: So heißt es in den Wiener Handschriften von 814, der Kanal sei, kaum dass er gezogen ward, durch Regengüsse wieder eingerutscht. Andererseits wird in den Reichsannalen mitgeteilt, der große Karl habe im Herbst 793 zu Schiff von Regensburg kommend, dem „großen Graben“ einen Besuch abgestattet und es hätten sich auch die Gesandten des Papstes mit Geschenken eingefunden. Demnach könnte sich die Fossa Carolina einst von Weißenburg bis nach Treuchtlingen über mindestens drei Kilometer hingezogen haben. Sichtbar sind heute aber nur noch 500 Meter Wasserfläche und einige Wälle.

In den vergangenen Jahren zahlte sich die Detektivarbeit der Wissenschaftler schon aus: Der einstige Verlauf der Passage konnte – auch dank spezieller Technik des Leipziger Helmholtzzentrums für Umweltforschung – auf einer Strecke von rund 2,3 Kilometer nachvollzogen werden. Doch das wichtigste Rätsel ist nicht vollends gelöst: Wurde der Kanal tatsächlich fertig und von Lastkähnen befahren oder blieb er eine Investruine der Karolingerzeit? Gerade war Zielhofer wieder vor Ort. Gemeinsam mit Grabungsleiter Lukas Werther von der Uni Jena, Vertretern des bayerisches Landesamtes für Denkmalpflege und anderen Projektpartnern wurde eine Zwischenbilanz gezogen. Aus Sicht der Forscher spricht vieles dagegen, dass die Wasserstraße jemals komplett funktionstüchtig war. Aber letzte Gewissheit gibt es dazu nicht. Zumal die Ausgrabungen offenbarten, dass der Kanal bis unmittelbar an den Lauf der Rezat ausgeschachtet und dort mit aufwendigen Holzeinbauten stabilisiert wurde. Allerdings nur auf einer Seite der Fahrrinne, was auf einen Baustopp hindeuten könnte. Auch die Verschlankung der Wasserader von fünf Metern in einem Abschnitt auf die Hälfte in einem anderen lässt sich als Durststrecke bei Karls Großvorhaben interpretieren.

Noch bis 2018 ist die Finanzierung der Kanal-Erkundung gesichert, aus der schon Publikationen, Ausstellungen und Vorträge hervorgingen. Wie der von Eva Leitholdt zum Thema „Der Karlsgraben und die Überwindung der europäischen Hauptwasserscheide“. Die promovierte Geografin von der Leipziger Uni ist seit 2012 mit der Fossa Carolina befasst.

Von Mario Beck

Leipzig 51.3396955 12.3730747
Leipzig
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