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Leipziger Geschichte(n): Am Ende nahmen sie ihm sogar seine Taschenuhr

Leipziger Geschichte(n): Am Ende nahmen sie ihm sogar seine Taschenuhr

Der promovierte Privatgelehrte, Philosoph, Übersetzer und Schriftsteller Paul Stern wurde am 13. Januar 1944 deportiert - zusammen mit anderen Juden, nach Theresienstadt.

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Paul Stern.

Quelle: Archiv

Leipzig. Wer war dieser Mann?

Am 10. Dezember 1888 wurde Paul Stern als Kind eines jüdischen Kaufmanns geboren. Er studierte in Bonn, Freiburg und Leipzig Archäologie und Philosophie. Später arbeitete er mit Hans Nachod, einem konvertierten Juden, an der Übersetzung antiker und religiöser Texte. Nachod war ein Nachfahre des Begründers der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, Jacob Nachod, der hier auch bekannt war, weil er 1853 als erster Jude in die Stadtverordnetenversammlung gewählt worden war.

Paul Stern trat am 8. April 1921 in der Leipziger Peterskirche zum evangelisch-lutherischen Glauben über. Einer seiner Taufpaten war wieder Hans Nachod, denn inzwischen waren die beiden miteinander befreundet. Am 12. April 1921 heiratete Stern im Standesamt Leipzig Gertrud Lanz. Einen Tag danach wurden die Eheleute im Dom zu Naumburg nach kirchlichem Ritus getraut. Aus der Ehe, die später geschieden wurde, gingen zwei Kinder hervor.

Der 18 Sprachen beherrschende Stern arbeitete am Institut für Kultur- und Universalgeschichte der Universität Leipzig. Als mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten die Verfolgung der Juden - Glaubens- wie Geltungsjuden gleichermaßen - zur grausamen Staatsdoktrin wurde, musste auch er alle antijüdischen Maßnahmen über sich ergehen lassen: Beraubung seiner beruflichen Existenz; Verlust der Reichsbürgerschaft; zusätzliches Tragen des jüdischen Zwangsvornamens "Israel" und des Judensterns; "Entmietung" aus der Wohnung in der Grassistraße 26 und Einweisung in so genannte Judenhäuser (Wiesenstraße 19, heute Gustav-Mahler-Straße, Liviastraße 5, Alexanderstraße 46 und Humboldtstraße 10); Erhalt einer so genannten Juden-Kennkarte; Zwangsarbeit in einer Gartenbaufirma gegen ein äußerst geringes Entgelt.

Es ist nicht bekannt, dass Stern von einer kirchlichen Stelle oder einer kirchlichen Person Zuspruch oder Unterstützung erhielt. So trat er im Juni 1938 wieder aus der evangelisch-lutherischen sächsischen Landeskirche aus, die sich ohnehin seitens ihrer offiziellen Vertreter und Verordnungen von ihren jüdischen Konvertiten losgesagt hatte. Einzig im katholischen "Oratorium des Hl. Philipp Neri" Leipzig-Lindenau fand er offene Ohren und Hilfe. Pfarrer Theodor Gunkel und Kaplan Josef Gülden kümmerten sich um ihn. Stern konnte in seiner freien Zeit dort die Bibliothek nutzen, geistliche Gespräche führen und erhielt ab und an ein kleines Handgeld.

Trotzdem musste er, der vor 1933 ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft war, sich Stück für Stück von seinem bisherigen Leben trennen. Die erhalten gebliebene Vermögensaufstellung anlässlich seiner Deportation und für die Versteigerung seines Eigentums weist neben Kleidung und einigen Einrichtungsgegenständen noch einige Musikinstrumente und einen Posten aus. Der "Hilfsarbeiter" Paul Stern musste dann am 13. Januar 1944 vor der Deportation nach Theresienstadt auch noch sein restliches verbliebenes Eigentum abgeben: eine Taschenuhr. Seine letzte Lebensstation war das Konzentrationslager Auschwitz, in das er am 28. Oktober 1944 verbracht wurde. Sterns Eigentum wurde durch das Leipziger Auktionshaus Klemm am 13. März 1944 versteigert und erbrachte für die Finanzbehörden einen Reinerlös von 1235 Reichsmark. So bezahlte Paul Stern faktisch seine Deportation und seine Ermordung auch noch selbst.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.01.2014

Jens Trombke

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