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Leipziger Gotteshaus 20 Jahre lang saniert – jetzt wird gefeiert

Versöhnungskirche Gohlis Leipziger Gotteshaus 20 Jahre lang saniert – jetzt wird gefeiert

Für die Gohliser Versöhnungskirche endete jetzt ein 20-jähriger großer Sanierungs- und Restaurierungsakt. Die Freude bei allen Beteiligten ist entsprechend groß. Für den 5. Mai laden Kirchenvorstand und Förderverein ein, das bisher Geschaffte zu feiern.

Die Versöhnungskirche Gohlis. Das denkmalgeschütze Gotteshaus soll jetzt bundesweit in die „Straße der Moderne“ aufgenommen werden.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Für die Gohliser Versöhnungskirche endete jetzt ein 20-jähriger großer Sanierungs- und Restaurierungsakt. Die Freude bei allen Beteiligten ist entsprechend groß. Und selbst, wenn Pfarrer Reinhard Leistner dazwischen seufzt, dass 1930 bis 1932 errichtete Bauwerk „werde um seines Erhaltes Willen eine Daueraufgabe bleiben“: Für den 5. Mai laden Kirchenvorstand und Förderverein erst einmal ein, das bisher Geschaffte zu feiern.

1993 hatte Leistners Vorgänger Sieghard Mühlmann den Pfarrer-Posten in der Versöhnungskirchgemeinde übernommen. Und vor einem ziemlich „desolat wirkenden“ Gotteshaus gestanden. „Der Außenputz - an welcher Kirchenfront auch immer – beschädigt. Die Dachhaut – defekt. Die Wände des Kirchenschiffs teils von Feuchtigkeit durchdrungen“, erzählt er. Durchgerostetes im Altarraum habe wiederum Nässeschäden im Inneren gezeitig. Und weil auch die Heizung ausgefallen war, habe ein Dieselaggregat „mit Wärme auch Schmutz in die Kirche gepustet. Zudem sei die Orgel immer wieder ausgefallen und das von Matthias Klemm gestaltete Kreuzfenster drohte, sich nach innen aufzulösen. Und nicht zuletzt schien infolge der beschädigten Armierungen des Stahlbetons auch noch der Turm abzuknicken.

Dass die Kirche solch ein Bild des Jammers nach 1990 bot, sei nicht die Schuld der bis dato für sie Verantwortlichen und mit ihr Verbundenen, betont Fördervereins- plus Bauausschuss-Chef Dieter Michel. „Sie haben das Haus nicht verlottern lassen! Im Gegenteil, wir können froh sein, dass sie zu DDR-Zeiten im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles taten, es zu erhalten.“

Vor dem nun eher möglichen, großen Sanieren stand jedoch die Geldfrage. Und davor wiederum eine Bewusstseinsfrage. Innerhalb der Gemeinde vergegenwärtigte man sich zunächst, was man da für ein Kleinod besitzt - ein Kirchenbauwerk der klassischen Moderne. Entstanden am Ende der Weimarer Republik, den Bauhaus-Vorstellungen der „Neuen Sachlichkeit“ und des „Funktionalismus“ folgend, errichtet in Stahlbeton-Skelettbauweise vom Architekten Heinrich Grotjahn (1887-1962) und künstlerisch ausgestaltet vom Leipziger Bildhauer Max Alfred Brumme (1891-1967). Die Langfenster im Kirchenschiff und die Buntglasfenster in der Feierkirche – alle entworfen vom Berliner Künstler Odo Tattenpach (1905-1953). Kurzum: Die Versöhnungskirche ist ein (mittlerweile gar nationales) Architektur- wie kunsthistorisches Denkmal. Mit Vorträgen, Ausstellungen, kirchenmusikalischen Angeboten plus Publikationen schärften Förderverein und Mitstreiter dafür öffentlich die Sinne. Was das Geldeinwerben argumentativ leichter machte: Förderprogramme ließen sich anzapfen, Spenden einfahren.

14 Bauabschnitte konnten folgen. „Bei laufendem Betrieb“, wie Leistner betont. Was fürs aktive Gemeindeleben mit viel Interim verbunden war. „Zeitweise haben wir beispielsweise bei Gottesdiensten wie im Gewächshaus gesessen“, so der Pfarrer. Eine Riesenplane im Kirchenraum, über die Köpfe gespannt, habe vor Staub und Dreck notwendiger Arbeiten in höheren Sphären schützen müssen. „Fast ein Jahr lang ersetzte beispielsweise auch im Glockenstuhl eine Lautsprecheranlage unser Geläut, weil die Glocken ausgebaut waren“, nennt Leistner einen weiteren Notbehelf.

Saniert worden sei immer so, wie Geld verfügbar war. „Wir haben nie auf Pump gebaut, kein Minus gemacht!“, heißt es stolz. In all den Jahren wurden so Dach, Turm, die Furtwängler&Hammer-Orgel, die Fassaden und Kreuzfenster denkmalgerecht wiederhergestellt, die Heizung umgebaut ... Und wie das bei so einem Großprojekt ist: Hat man erstmal losgelegt, tun sich noch zig unvorhergesehene Probleme auf. „Bei der Trockenlegung der Fundamente im Erdreich etwa“, erwähnt Bauleiter Ulrich Kaufmann. Da sei das Ausmaß der Nässeschäden letztlich sehr heftig gewesen, mit verursacht wohl auch von einer zuvor nicht bekannten Uralt-Fäkaliengrube vorm Gotteshaus. Bautechnisch besehen habe sich auch der Turm als „der Hit“ erwiesen. „Klar war uns schon, das er einzustürzen drohte“, sagt Kaufmann. „Aber dass es schon so ernst war, wie wir dann vor Ort ausmachten, hatte niemand gedacht.“ Die ganze Stahlbewehrung sei bröseliger Rost pur gewesen.

Bauausschuss-Chef Michel indes schwärmt zugleich von schönen Überraschungen. „Die ursprüngliche Farbgebung in Teilen des Kircheninneren wurde wiederentdeckt! Selbst in früheren Beschreibungen hat nie etwas darüber gestanden, dass hier und da mal was farbig war.“ Aber, so Michel, man habe auch wirklich „die besten Leute der Denkmalpflege aus Dresden“ zur Seite gehabt. „Die hatten dieses gewisse Gespür, dass da unter all den anderen Schichten noch was ist.“

Insgesamt wurden in all den Jahren über eineinhalb Millionen Euro investiert. Dass die Versöhnungskirche jetzt innen wie außen wieder originalgetreu in der Gohliser Landschaft steht – dieser Erfolg hat unzählige Mütter und Väter. Nicht zuletzt erhielt die Kirchgemeinde nun gar vom Liturgischen Institut Trier die Offerte, dass ihr Gotteshaus eingebunden werden soll in einen Kulturführer zur geplanten „Straße der Moderne“, die bundesweit 200 solcher herausragender Bauwerke verbinden soll, wie Michel erzählt.

BITTE EINBLOCKEN:

*Am 5. Mai feiert die Versöhnungskirchgemeinde zum Abschluss der Sanierungsarbeiten einen „Tag der Freude – Tag des Dankes“ von 9.30 Uhr bis 14 Uhr rund ums Gotteshaus (Ecke Viertelsweg/Franz-Mehring-Straße). Am Anfang steht ein Gottesdienst, nach einem halbstündigen Konzert ab 12.30 Uhr können die Kirche besichtigt, der Turm bestiegen werden.

Von ANGELIKA RAULIEN

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