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Leipziger Graffiti-Szene hofft auf Verdopplung legaler Flächen – kaum Platz für große Bilder

Leipziger Graffiti-Szene hofft auf Verdopplung legaler Flächen – kaum Platz für große Bilder

Im März 2014 sprach sich der Leipziger Stadtrat mehrheitlich für die Ausweitung legaler Graffiti-Flächen in der Messestadt aus. Bei der lokalen Sprayergemeinde weckt dieser Vorstoß bereits leise Hoffnungen – auch wenn bisher noch nicht viel passiert ist.

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In Leipzig gibt es drei "Wall of Fame" für legale Graffiti. (Archivfoto)

Quelle: Regina Katzer

Leipzig. Denn für diejenigen, die sich beim Sprühen an Recht und Gesetz halten, sei in Leipzig bisher viel zu wenig Platz, sagen Szenekenner. Sie fordern eine Verdoppelung der Flächen – auch, um die Kriminalität einzudämmen.

Im Sommer, wenn die Sonne scheint, sei es am schlimmsten, erklärt der Sprüher „Taks“, dessen richtiger Name ungenannt bleiben soll. „Dann tummeln sich an der Wand vor dem Werk II meist um die 50 Sprayer“, so der 27-Jährige, der vor zwölf Jahren die Leidenschaft zur Sprühdose für sich entdeckte. Anfangs waren seine Aktionen noch illegal. Unter dem Kürzel „AMC“ markierten er und seine Kumpel Hausfassaden und Züge im Raum Leipzig und filmten sich dabei sogar gegenseitig. Diese Leichtsinnigkeit wurde ihnen vor neun Jahren zum Verhängnis: Bei einer Hausdurchsuchung fanden Polizeibeamte die Videoaufnahmen, „Taks“ wurde kurzfristig festgenommen, blieb aber straffrei.

Szene umfasst 200 Sprayer – legale Graffitis meist schnell übersprüht

Diese Erfahrung hat den Leipziger geläutert: „Alles was ich heute sprühe, ist legal“. Seine gesamte Freizeit verbringt er bei gutem Wetter am Werk II, an einem Haus in der Gießerstraße in Plagwitz und am Jugendzentrum Conne Island. Hier dürfen sich Graffitti-Künstler in Leipzig austoben, ohne Sanktionen befürchten zu müssen. 200 Leute, so schätzt „Taks“, kommen diesem Angebot regelmäßig nach. Das führe zu Problemen in der Szene: „Kaum ist man weg, werden die Bilder meist vom nächsten übersprüht. Für großflächige Graffitis ist ohnehin kein Platz.“ Eigentlich gebe es einen Ehrenkodex, nach dem fremde Werke bis zu 48 Stunden unberührt bleiben sollen. „An den hält sich aber kaum einer mehr“.

Um den Bedarf der gesetzestreuen Sprayer zu decken, sei eine Verdoppelung der Flächen notwendig, ist sich „Taks“ deshalb sicher – und ist damit nicht allein. Auch Sebastian Drechsel vom Graffiti-Verein Leipzig fordert „neue Flächen in jedem Stadtteil“. Wichtig sei dabei, so Drechsel, dass die Wände nicht versteckt im Hinterhof liegen, sondern von vielen Leuten gesehen werden können. „Beim Graffiti geht es vor allem um den Wettkampf mit anderen, um den Ruhm“, sagt er und nennt als Beispiel das riesige Bild am alten Postgebäude in der Innenstadt. Um dieses Lebensgefühl auf den legalen Bereich zu übertragen, schlägt Drechsler vor, beispielsweise eine monatliche „Graffiti-Championsleague“ auszutragen.

Bisher weichen Sprüher wie „Taks“ oft in Städte wie Magdeburg und Zwickau aus, wo es nach dessen Einschätzung mehr Raum für legale Aktionen gibt. Vor kurzem richtete sich der gelernte Maler zusammen mit drei Freunden außerdem eine Wand an einem verlassenen Industriebau im Leipziger Westen her. „Die Sache war mit dem Hausmeister abgeklärt, wir haben selbst verputzt und gestrichen, das hat uns 300 Euro gekostet“, sagt er.

„Wer den Nervenkitzel sucht, der sprüht auch bei ausreichend Platz an fremde Hausfassaden“

Mit diesem Engagement sei er in Leipzig jedoch in der Minderheit. Nur wenige ergriffen die Initiative, sich Flächen auf eigene Faust zu sichern, kritisiert „Taks“. Umso wichtiger seien daher legale Flächen in der Stadt – besonders für den Nachwuchs. „Die 14-, 15-Jährigen weichen sonst früher oder später auf illegale Bereiche aus“, mahnt er. Aber: Alle Sprayer, die sich mit ihren Aktionen in der Kriminalität bewegen, werde man damit auch nicht abhalten können: „Wer den Nervenkitzel sucht, der sprüht auch bei ausreichend Platz an fremde Hausfassaden.“

Der Schaden, der dabei in Leipzig entsteht, wird von der Polizei mit jährlich zwei Millionen Euro beziffert. Nur etwa zehn Prozent der Straftaten – im Jahr 2012 waren es insgesamt 2239 Delikte –  werden von den Beamten aufgeklärt. Um das Problem zu lösen, geht die Stadt vermehrt auf die Sprayer zu. Neben der Förderung von Graffiti-Projekten und dem Ausbau legaler Flächen hat der Stadtrat im März beschlossen, eine pädagogische Fachkraft einzustellen. Sie soll sich bei einem Träger der Jugendarbeit ganz der Prävention widmen.

Sebastian Drechsel vom Graffiti-Verein hofft, dass die Stadt sich damit nicht allzu viel Zeit lässt. „Realistisch wäre, dass diese Person Anfang 2015 ihre Arbeit aufnehmen kann“, schätzt er und gibt sich optimistisch: „Es ist auf jeden Fall gut, dass endlich Bewegung in die Debatte gekommen ist. Wenn Leipzig sich als Kreativstadt verkaufen will, kommt sie um eine Förderung von Graffiti nicht herum.“

Julia Carstens

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