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Lokales Leipziger Grassimuseum erhält millionenschweren Porzellan-Schatz
Leipzig Lokales Leipziger Grassimuseum erhält millionenschweren Porzellan-Schatz
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14:44 01.11.2016
Ausgewählte Exponate der Schenkung wurden am Freitag präsentiert. (Im Bild eine Mitarbeiterin des Grassimuseums)  Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

 „Das ist für uns wie eine Extra-Bescherung zum Weihnachtsfest“, erklärt Dr. Olaf Thormann. Der Direktor des Grassi Museums für Angewandte Kunst in Leipzig blickt mit sichtlichem Stolz auf die vor ihm aufgereihten Tassen und Kannen.

Die Stücke sind Teil einer neuen Schenkung von Meißner Porzellan, die am Freitag in der Dauerausstellung des Museums präsentiert wurde. Rund 330 Exponate, der Großteil davon aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, umfasst die Sammlung.

Mit Kennerblick zusammengestellte Schätze

Überlassen wurden die Stücke dem Grassimuseum vom Sammlerehepaar Lübke, zu dem das Haus schon seit den 90er-Jahren eine enge Verbindung pflegt. „Diethard und Regina Lübke haben die Werke über viele Jahre mit echtem Kennerblick zusammengetragen“, berichtet Olaf Thormann. „Unter den Exponaten sind auch Teile des Grabowski-Service aus der Provenienz des Sammlers Victor Klemperer, die nun über eine Auktion in London wieder in ihre sächsische Heimat zurückgekehrt sind.“ Insgesamt beläuft sich der Wert der Schenkung laut Museum auf knapp 1,2 Millionen Euro.

Doch es ist nicht der materielle Wert, der die Gaben zu etwas ganz Besonderem macht, wie Olaf Thormann erläutert. „Eine Sammlung in einer solchen Konzentration und Qualität ist eine echte Sternstunde. Das Museum kann Stolz darauf sein“, betont er.

Neben Tee- und Kaffeservices enthält die Sammlung auch Schokoladenkannen, Schalen, Teller und Doppelhenkelbecher, sowie zahlreiche ostasiatische Porzellane. Zudem finden sich auch 24 Glaspokale, eine Vielzahl von Grafiken und historische Bücher unter den Exponaten. Viele der gezeigten Motive gehen auf den sogenannten „Schulz-Codex“ zurück, eine Sammlung von Musterblättern, an denen sich die Porzellanmaler bei ihrer Arbeit orientierten. Bemalt wurde der Großteil der Werke aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Meißen von Johann Gregorius Höroldt und Mitarbeitern seiner Werkstatt.

„Schenkung drängt ans Licht der Öffentlichkeit

Das absolute Highlight der Sammlung bildet aber ein erstklassig erhaltenes, vollständiges Reiseservice von 1728, das in einem originalen ledergeprägten Koffer präsentiert wird. „Das ist Augsburger Goldmalerei“, erläutert Dr. Thomas Rudi die kunstvollen Zeichnungen und Verzierungen auf den Tassen und

Ein erstklassig erhaltenes Reiseservice bildet das Highlight der Sammlung. Quelle: Wolfgang Zeyen

Tellern. „Das Porzellan wurde damals in Meißen gefertigt, nach Augsburg zum Bemalen gesandt und dann wieder zurück transportiert.“ Bedenke man die oft beschwerliche und unbequeme Reise per Pferdekutsche, ist der exzellente Zustand des Service umso bemerkenswerter. Das gelte im Übrigen für die gesamte Sammlung. „Bis auf ein paar kleinere aber restaurierte Schäden sind die Exponate in nahezu perfektem Zustand“, freut sich der Kurator der historischen Sammlung.

Darüber, wie eine der größten Schenkungen der letzten Jahre im Grassimuseum angemessen präsentiert werden kann, wurde laut Olaf Thormann bereits beraten. So überlege das Museum, die schönsten Stücke im Laufe des kommenden Jahres in einer eigenen Vitrine auszustellen. Auch über eine mögliche Sonderausstellung, um den Schatz in Gänze zu zeigen, werde man sicher nachdenken, so Thormann. „Wir begreifen die Schenkung auch als Verpflichtung. Sie drängt förmlich ans Licht der Öffentlichkeit.“ Im Magazin verschwinden würden die Kostbarkeiten mit Sicherheit nicht.

Von bfi

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