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Leipziger Großstadtschäferin: "Ein Wolf wäre für mich existenzbedrohend"

Leipziger Großstadtschäferin: "Ein Wolf wäre für mich existenzbedrohend"

Sind tatsächlich Wölfe zum ersten Mal im Stadtgebiet von Leipzig auf Beutezug gegangen? Diese Frage beschäftigt nun auch die Wolfsexperten im Freistaat Sachsen.

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Lebt ruhiger ohne Wolf: Schäferin Kerstin Doppelstein mit ihrer Herde am Cospudener See.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Nachdem Mitte voriger Woche im Ortsteil Hartmannsdorf ein Schafbock getötet und fast aufgefressen worden war (die LVZ berichtete), sind Aufnahmen des ausgeweideten Kadavers an das sächsische Kontaktbüro Wolfsregion weitergeleitet worden. "Eine seriöse Auskunft, ob es sich wirklich um einen Wolf handelt, kann derzeit niemand geben", sagte gestern Leipzigs Stadtförster Andreas Sickert. "Aber wir können es eben auch nicht ausschließen."

LVZ-Leser Frank Thierbach sieht die Gefahr, dass nun Ängste und Vorurteile geschürt werden. "Es ist noch gar nicht erwiesen, dass es ein Wolf war, der den Schafbock gerissen hat", sagte der 62-Jährige aus Sellerhausen. "Der Wolf ist geschützt und wird trotzdem immer aufs Korn genommen. Man sollte erst einmal abwarten, was die Ermittlungen bringen. Andere Länder leben auch mit Wölfen - ohne Probleme."

Fachmann Sickert erklärte: Normalerweise sei Leipziger Stadtgebiet für die eher scheuen Tiere zu dicht besiedelt. "Beispielsweise sind die Areale rund um den Cospudener See keine Wolfsgebiete, so dass die Tiere möglicherweise hier nur durchziehen", so der Leiter der Abteilung Stadtforsten im Amt für Stadtgrün. Allerdings sei es auch nicht ausgeschlossen, dass Raubtiere dort sesshaft werden, wo sie auf reichlich Nahrung stoßen. Schlimmstenfalls könnte sich ein solcher Einzelgänger zum "Problemwolf" entwickeln, der durch mangelnde Scheu vor Menschen auffällt und allein dadurch eine Gefahr darstellt.

Auf Kerstin Doppelstein käme damit ein ernstes Problem zu. "Ein Wolf wäre für mich existenzbedrohend", so Mitteldeutschlands einzige Großstadtschäferin, die mit ihrer Herde rund um den Cospudener See heimisch ist. Im Moment habe sie mit freilaufenden Hunden den größten Ärger: Diese würden immer wieder am Zaun die Herde in Panik versetzen, so dass dabei auch Lämmer zertrampelt werden. Häufig beobachte sie auch, dass Hunde hinter Rehen herjagen und die Wildtiere dann auf ihrer panischen Flucht gegen Weidezäune rennen.

"Ich habe dadurch Verluste in Größenordnungen", berichtete Diplombiologin Doppelstein. "Aber wenn ein Wolf käme, der toppt das um Dimensionen, da sind die Schäden viel größer." Eine Schafherde mit relativ festem Platz wäre, so die Expertin, für das Raubtier wie ein gedeckter Tisch.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.05.2013

Frank Döring/Katrin Meincke

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