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Lokales Leipziger Grüne fordern Atom-Ausstieg bei den Stadtwerken - Offener Brief von Pfarrer Wolff
Leipzig Lokales Leipziger Grüne fordern Atom-Ausstieg bei den Stadtwerken - Offener Brief von Pfarrer Wolff
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17:10 28.03.2011
Leipzigs Grünen-Vorstandssprecher Jürgen Kasek fordert die Stadtwerke zum Ausstieg aus dem Handel mit Atomkraft auf. Quelle: Heinz Kempner
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Leipzig

Er drängt nach der Kernkraftwerks-Katastrophe im japanischen Fukushima deshalb darauf, dass sich das städtische Unternehmen künftig stärker im Bereich erneuerbarer Energien engagiert und die Einführung eines reinen Ökostromtarifs vorantreibt. „In den letzten Jahren ist hier zu wenig passiert“, so Kasek.

Die Ökobilanz der Stadtwerke Leipzig sei ebenso wie die Bilanz der Stadt ausbaufähig, kritisiert der Grünen-Politiker. Er sieht vor allem die Kommune daher in der Pflicht, die Weichen für eine Neuausrichtung zu stellen. „Wir haben uns damals auch gegen den Verkauf der Stadtwerke ausgesprochen, da die Stadt auf ein kommunales Unternehmen höhere Einflussmöglichkeiten hat und wir grüne Stadtwerke wollen“, erinnerte Kasek an den Bürgerentscheid 2008, bei dem sich die Grünen eine Privatisierung des Unternehmens aussprachen.

Stadtwerke sehen Voraussetzungen für Ökostrom bereits heute gegeben

Die Stadtwerke wiesen die Forderung nach zusätzlichen Ökostrom-Angeboten zurück. „Bereits heute sind wir mengenmäßig in der Lage, 100 Prozent unserer Leipziger Kunden mit umweltfreundlichem Strom zu versorgen“, sagte Sprecherin Chris Nicolai auf Anfrage von LVZ-Online. Bislang würden jedoch lediglich rund 50 Prozent der Kunden den Tarif „Bestpreis Strom“ mit Energie ohne Kernkraft-Anteil beziehen. Diese wird in Kraft-Wärme-Kopplung regional in einer Leipziger Gas- und Dampfturbinenanlage erzeugt.

Die andere Hälfte der Kunden wird noch nach dem Grundversorgungstarif beliefert, der sich auch aus 19 Prozent Atomstrom zusammensetzt. Lediglich rund 25 Prozent entfallen dabei auf erneuerbare Energien. Da die Stadtwerke jedoch über Biomassekraftwerke in Bischofferode/Holungen (Thüringen) und Wittenberg-Piesteritz (Sachsen-Anhalt) verfügen, sieht Nikolai die Voraussetzungen für eine Umstellung auf umweltfreundlichen Strom bereits heute gegeben.

Hintergrund der Grünen-Forderungen ist die Klimakonferenz in Leipzig, die die Landtagsfraktion der Partei am Dienstag ab 18 Uhr in der Aula der Alten Nikolaischule veranstaltet. Dabei werden unter anderem Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke), Klimapolitik-Experte Felix Ekhardt und Landtagsabgeordneter Johannes Lichdi (Grüne) über die Perspektiven umweltfreundlicher Energie diskutieren. Zuvor soll in einem Workshop thematisiert werden, welche Rolle den Stadtwerken als kommunales Unternehmen in dieser Hinsicht zukommt.

Thomaskirchen-Pfarrer Wolff drängt auf sofortigen Atomenergie-Ausstieg

In den Streit um die Kernkraft-Nutzung hat sich am Montag auch der Leipziger Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff eingeschaltet und dabei den sofortigen Ausstieg gefordert. „Die Nutzung der Atomenergie ist ethisch weder zu verantworten noch zu rechtfertigen“, schreibt Wolff in einem offenen Brief. Abgesehen von der ungeklärten Frage nach der Entsorgung des Strahlenmaterials liege der Technologie eine tödliche Anmaßung des Menschen zugrunde: „Es wird schon nichts passieren.“

Der Mensch müsse sich der Erkenntnis stellen, dass er mit der Technologie genauso überfordert sei, wie es Adam und Eva mit dem Konsum verlockender Früchte vom Baum der Erkenntnis waren, schreibt Wolff weiter. „Nun stehen wir wie sie nackt da und versuchen diese Entblößung mit einem Ausredenschwall notdürftig zu kaschieren.“

Da das Funktionieren der friedlichen Kernenergie-Nutzung den unfehlbaren Menschen voraussetze, widerspreche dies dem biblischen Menschenbild. „Darum kann es nur eines geben: jetzt aus dieser Technologie aussteigen – mit allen Konsequenzen“, so der Thomaskirchen-Pfarrer.

Robert Nößler

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