Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Leipziger Gymnasium soll Gerda-Taro-Schule werden
Leipzig Lokales Leipziger Gymnasium soll Gerda-Taro-Schule werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:18 09.03.2018
Das Gymnasium an der Leipziger Telemannstraße soll bald den Namen von Gerda Taro tragen. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Die neue Schule in der Leipziger Telemannstraße soll ab August 2018 „Gerda-Taro-Gymnasium“ heißen. Damit will die Stadt das Leben und Wirken der jüdischen Fotografin ehren. Die Initiative geht von der Schulkonferenz aus, entscheiden muss der Leipziger Stadtrat.

Die Biografie Gerda Taros (1910-1937) biete im schulischen Alltag viele Anknüpfungspunkte, heißt es im Dokument für die Stadträte. Taros Engagement gegen die Nationalsozialisten ermögliche den Kindern eine kritische Vergangenheitsdeutung. Mit ihrer Berufswahl als Fotojournalistin und Berichterstatterin in Kriegsgebieten habe sie das weibliche Rollenmodell ihrer Zeit über Bord geworfen. Im spanischen Bürgerkrieg dokumentierte sie das Leid der Zivilisten, Flucht und Elend.

„Das Leben und Wirken von Gerda Taro bietet 80 Jahre nach ihrem Tod Kindern und Jugendlichen wichtige Anknüpfungspunkte für die eigene Sinnsuche und hat somit Leitbildfunktion“, heißt es in der pädagogischen Begründung. Das Gymnasium an der Telemannstraße hat im Sommer 2017 seine Pforten geöffnet. In der neuen Schule unterrichten 26 Lehrer rund 360 Fünft- bis Siebtklässler. Bis zu 1200 Kinder und Jugendliche können künftig in dem Haus im Musikviertel Platz finden.

Taro und Capa als Berichterstatter

Gerda Taro wurde 1910 als Gerta Pohorylle in Stuttgart geboren und zog 1929 mit ihrer aus Ost-Galizien stammenden Familie nach Leipzig. Als Schülerin der Gaudig-Schule am Nordplatz trat sie dem Sozialistischen Schülerbund bei. Mit Freunden engagierte sie sich gegen die Nationalsozialisten, klebte Plakate gegen die Nazis. 1933 nahmen die Nazis die junge Frau in sogenannte Schutzhaft.

Tragisches Ende

Nach ihrer Haftentlassung wanderte Taro nach Paris aus, wo sie den ungarisch-jüdischen Fotografen André Friedmann kennenlernte, der sich als Kriegsfotograf Robert Capa einen Namen machte. Als Fotojournalisten berichteten Capa und Taro 1935/36 gemeinsam aus dem spanischen Bürgerkrieg. Am 25. Juli 1937 wurde Taro dort bei einem deutschen Tieffliegerangriff schwer verletzt. Sie konnte nicht mehr gerettet werden.

Spuren in Leipzig

Nach Gerda Taro wurde 1970 im Leipziger Südosten eine Straße benannt. 2016 stellten Künstler des Leipziger Festivals für Fotografie F/Stop in der Straße des 18. Oktober Infotafeln zu Taros Leben und Wirken auf. Unbekannte zerstörten die Tafeln mit Teer, doch durch eine Crowdfunding-Aktion konnte das Taro-Display wieder in seiner ursprünglichen Form gezeigt werden.

Von Robert Capa stammt das berühmte Foto „Der letzte Tote“. Am 18. April 1945 nahm er in einem Haus in der Leipziger Jahnallee den gefallenen US-Soldaten Raymond J. Bowman auf. Das Foto ging um die Welt. 2015 wurde ein Teil der Straße an dem Wohnhaus in Capastraße umbenannt.

Von Evelyn ter Vehn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Leipziger AfD-Abgeordnete Christian Kriegel soll nicht länger Mitglied im Migrantenbeirat sein. Das fordert die Grünen-Fraktion im Stadtrat. Kriegel habe mit Ovationen auf rassistische Äußerungen von AfD-Mann Poggenburg reagiert.

09.03.2018

Gefühle erfassen via Smartphone: Die Uni Leipzig erkundet das Wechselspiel von Stress und Motivation unter Schülern, Studierenden und Arbeitnehmern. Wer die Forscher unterstützen will, kann ausgediente Smartphones zur Verfügung stellen.

09.03.2018

Ein stadtweit einzigartiges Projekt nimmt Formen an: Der Leipziger Osten bekommt einen Campus, auf dem Schüler und soziokulturelle Angebote sich den Platz teilen. Die Stadt stellt jetzt das Raumkonzept vor und wirbt weiter um Fördermittel.

09.03.2018
Anzeige