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Leipziger Hauptbahnhof präsentiert die Unsichtbaren

Fotogalerie über Obdachlose Leipziger Hauptbahnhof präsentiert die Unsichtbaren

Ihre Gesichter erzählen von traurigen Lebensgeschichten. Sie sind ehrlich und schonungslos. Derzeit gastiert die Wanderausstellung „Die Unsichtbaren“, eine Fotogalerie über Obdachlose mit 25 Objekten, am Leipziger Hauptbahnhof.

Cheffotograf Reto Klar und Redakteurin Uta Keseling präsentieren die schwarz-weißen Tafeln am Querbahnsteig des Leipziger Hauptbahnhofs.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Seit Donnerstagmorgen stehen die schwarz-weißen Tafeln unübersehbar am Querbahnsteig des Leipziger Hauptbahnhofs. Allesamt zeigen 25 schonungslos offene Fotografien obdachloser, vom Schicksal gepeinigter Menschen aus Berlin. Bis zum 25. Oktober können Pendler, Touristen und Reisende der Messestadt sich diese lebendigen Fotografien der Wanderausstellung „Die Unsichtbaren“ ansehen.

Die Deutsche Bahn Stiftung, die dieses Projekt an zahlreichen Bahnhöfen der Bundesrepublik ausstellt, möchte damit die Menschen im öffentlichen Raum sichtbar machen, die ansonsten von der Gesellschaft häufig ignoriert werden, erklärt Claudia Rösler, Referentin der Geschäftsführung bei der Eröffnung in Leipzig. „Durchweg positiv“ sei die Wanderausstellung von der Bevölkerung angenommen worden, so Rösler. Schon in zwölf Städten gastierten die Unsichtbaren, unter anderem in Chemnitz, Görlitz und Berlin.

Ihre Gesichter erzählen von traurigen Lebensgeschichten. Sie sind ehrlich und schonungslos. Derzeit gastiert die Wanderausstellung „Die Unsichtbaren“, eine Fotogalerie über Obdachlose mit 25 Objekten, am Leipziger Hauptbahnhof. Fotos: André Kempner

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Aufgenommen wurden diese Menschen von Cheffotograf Reto Klar und Reporterin Uta Keseling, die beide für die Berliner Morgenpost arbeiten und ebenfalls in Leipzig die Ausstellung eröffneten. Sie begleiteten drei Wochen lang den Alltag der Berliner Bahnhofsmission und lernten mehr als 50 Menschen kennen, die auf der Straße leben müssen und gelebt haben. Die Jüngste ist 17, der Älteste ein 70-Jähriger. Alle erzählen ganz verschiedene Lebensgeschichten.

Klar und Keseling haben dabei nicht weggeschaut, keine typischen „Elendsfotos“ geschossen, sondern die Realität abgebildet. Die Gesichter blicken manchmal niedergeschlagen, abgezerrt, starr und frustriert, aber auch schüchtern, grinsend, schelmisch oder selbstbewusst in die Kamera. Nichts ist übertrieben, nichts verschnörkelt.

Es sind schwere Schicksale, die oftmals immer wieder an der Station Bahnhof Zoo, wo Drogen und Prostitution zum Alltag gehören, enden. Dies erfahren Leipziger aus den Bildunterschriften, kleinen Zitaten abgebildeter Personen. Ihre Leben sind geprägt von Unglück und Ungerechtigkeit, Fehlern und Drogen, scheiternder Partnerschaft und verlorenen Eltern. Es sind Menschen, die den sozialen Halt in der Gesellschaft komplett verloren haben.

Tänzerin Stella flieht zum Beispiel vor ihrem gewalttätigen Ehemann, Analphabet Bruno schafft seit zehn Jahren nicht den Drogenentzug und Sandra ist mit 22 Jahren obdachlos und schwanger. „Ich schlafe in einer Kirche“, gesteht Lucian. „Das Leben auf der Straße bedeutet viel Stress. Man kommt nie zur Ruhe“, sagt der 41-Jährige.

Die Gesichter der Obdachlosen gibt es auch in Klars und Keselings Bildband. „Unsichtbar: Vom Leben auf der Straße – Obdachlose im Porträt“ heißt er und kostet 19,80 Euro. Der Erlös kommt der Arbeit der Bahnhofsmission zugute. Aufgrund der großen Nachfrage ist es schon die zweite Auflage. Die nächste Station der Wanderausstellung wird Karlsruhe sein.

Von Melanie Steitz

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