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Leipziger Hausmusik-Nacht soll keine "Eintagsfliege" bleiben

Notenspur-Initiative Leipziger Hausmusik-Nacht soll keine "Eintagsfliege" bleiben

 Rekordrichter Rolf Allerdissen glaubt, dass mit 60 Hauskonzerten an einem Ort der bisherige Weltrekord geknackt ist. Bis Unterlagen geprüft und die Bestätigung aus London kommt, können aber noch Wochen vergehen. Die Notenspur-Nacht der Hausmusik war aber auch so ein Riesenerfolg – und soll daher keine „Eintagsfliege“ bleiben.

Im Gelenzentrum Rose: Theresa Pfitzner (rechts) und Matthias Denef am Klavier haben Filmklassiker ebenso gut drauf wie Lieder von Udo Jürgens und Adele.

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Platz ist sprichwörtlich in der „kleinsten Hütte“. Das Ehepaar Patzig aus Schönefeld räumte ihr gemütliches Wohnzimmer aus, um 35 Musikfreunden einen angenehmen Abend zu bereiten. Es gehörte zu jenen 300 Gastgebern und Musikern, die sich am Sonnabend mit viel Enthusiasmus an der Notenspur-Nacht der Hausmusik beteiligten. Hausherrin Karin Patzig, eine pensionierte Ärztin mit Alt-Stimme, sang leidenschaftlich das Lied von der Nachtigall. Dann erklangen persische Liebeslieder. Ali Pirabi, der aus dem Iran stammt, spielte Instrumente wie Santur, Setar und Tanbur. Zuvor stimmte die versammelte Gästeschar für Landsmann Hossein Arabzadeh, dessen Frau gerade eine kleine Tochter bekommen hatte, „Viel Glück und viel Segen“ an.

„Ich lege großen Wert darauf, dass Leute, die mit viel Hoffnung nach Leipzig gekommen sind, mit uns gemeinsam musizieren“, sagte der pensionierte Oberstudienrat Siegfried Patzig. Unter den Besuchern war auch Regina Liebold von der Stiftung „Bürger für Leipzig“. Sie warb für ein besonderes Projekt. Die Leute können Tandem-Karten fürs Konzert des Lehrerorchesters am 29. November, 17 Uhr, im Gewandhaus erwerben. Die Idee: „Wer einem Flüchtling oder einem benachteiligten Leipziger einen Konzertbesuch ermöglichen will, kauft eine Karte zusätzlich oder überweist eine kleine Spende“, erläuterte sie. Die Resonanz auf diese Art des Freude-Teilens sei groß. „Es ist doch eine schöne Geste des Willkommens“, sagte Liebold.

Sogar eine kleine Ausstellung gab es an diesem Abend in der Wohnung der Patzigs: Mahmoud Dabdoub stellte Fotos aus seinem in Kürze erscheinenden Buch „Neue alte Heimat“ vor.

Zur 1. Notenspur-Nacht der Hausmusik fanden parallel 60 Konzerte an den unterschiedlichsten Orten der Stadt statt: Wohnzimmer, Hauseingänge, Ateliers oder die Deutsche nationalbibliothek - alle boten sich als musikalische Bühne an. (Bilder: André Kempner)

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Im Foyer vor dem Lesesaal der Deutschen Nationalbibliothek begeisterten derweil JazzYlix mit Klassikern und Eigenkompositionen ihres Bandleaders. Die Truppe um Reiko Brockelt, der eine Saxofonschule in der Prellerstraße betreibt, nannte sich erst vor Kurzem um. „Die Kids Jazz wollten keine Kids mehr sein“, erzählte Brockelt. „Ich finde es ganz toll, was die Notenspur erreicht und noch vorhat. Da sind wir gern dabei.“

Notenspur-Erfinder Werner Schneider, dessen Team den organisatorischen Rahmen für den eindrucksvollen Abend mit 60 parallelen Konzerten geschaffen hatte, hörte es gern. „Mich macht es stolz zu sehen, wie kreativ unsere Idee von den Leipzigern aufgenommen wurde.“ Konzerte in Wohnungen, Ateliers, Hauseingängen und in Arztpraxen begeisterten mehr als 1000 Menschen. „Wir erleben und leben gemeinsam diese Idee, aus der das Notenspur-Projekt gespeist wird.“

 „Nebenbei“ lief noch der Versuch, den Weltrekord der gleichzeitig an einem Ort stattfindenden Konzerte zu brechen. Um zu helfen, hatte das Gelenkzentrum Tim Rose in der Richard-Lehmann-Straße kurzfristig einen Hausmusik-Abend organisiert. „Ich bin von dem Projekt begeistert. Da wollten wir einfach mitmachen“, sagte der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Matthias Denef, der unter anderem im Piano Centrum Leipzig Klavier unterrichtet, und Sängerin Theresa Pfitzner, deren musikalische Liaison gerade erst begann, boten ein atemberaubendes Konzert.

Um den Eintrag ins Guinness-Buch zu schaffen, wurde der Abend vom Rekordinstitut für Deutschland (RID) überwacht. Rekordrichter Rolf Allerdissen dokumentierte den Ablauf. „Vorbehaltlich der finalen Prüfung gehen wir davon aus, dass der Leipziger Rekordversuch geglückt ist“, sagte er. Jetzt gilt es, noch die Protokolle sorgfältig auszufüllen. Die Sichtung aller Unterlagen in London kann einige Wochen in Anspruch nehmen, bevor dann die Bestätigung des Rekords offiziell verkündet werden kann. Die bisherige Bestmarke hält gegenwärtig Ankara „mit 41 gleichzeitig an einem Ort stattfindenden Konzerten“.

Bürgermeister Torsten Bonew (CDU), zugleich Leipzig-2015-Beauftragter der Stadt, ist zuversichtlich. Doch eins war ihm noch wichtiger: „Die Leipziger haben für Leipziger musiziert. Ich hoffe, die sehr gelungene Nacht der Hausmusik ist der Beginn einer langen Tradition.“ Und auch Schneider geht davon aus, „dass dies keine Eintagsfliege bleibt“.

Die Hochglanz-Broschur
„Leipziger Notenspur – Ein Streifzug durch die Musikstadt“, eine Publikation des LVZ-Unternehmens Leipziger Medien Service GmbH, stellt die 23 Stationen des besonderen Stadtrundgangs in Wort und Bild vor. Sie kostet 9,95 Euro und ist online im LVZ-Shop
 erhältlich.

Von Mathias Orbeck

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