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Lokales Leipziger Hebamme wartet auf Ebola-Einsatz – 52-Jährige will in Westafrika helfen
Leipzig Lokales Leipziger Hebamme wartet auf Ebola-Einsatz – 52-Jährige will in Westafrika helfen
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10:27 10.11.2014
Hebamme Annett Böhme hält ein Foto in der Hand, das sie Ende Oktober während eines Vorbereitungskurses für Delegierte in das Ebola-Gebiet zeigt. Quelle: dpa
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Leipzig

In den Kursen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hat die 52-jährige Hebamme aus Leipzig außerdem erfahren, wie man sich bei einem Überfall verhält und welche verschiedenen Schusswaffen und Minen es gibt.

Wenn die resolute Frau von den Wochen berichtet, für die sie ihren Jahresurlaub geopfert hat, spricht sie von einem „Survivaltraining“ und einer „wichtigen Lebenserfahrung“. Mehrwöchige Vorbereitungskurse müssen alle freiwilligen Helfer durchlaufen, die sich beim DRK für einen Auslandseinsatz melden. Böhme, freiberufliche Hebamme, will nun schwangeren und gebärenden Frauen in Westafrika helfen - in den Regionen, die besonders von dem Ebola-Ausbruch betroffen sind. „Was schwangere Frauen da durchmachen müssen, ist furchtbar“, sagt Böhme. Schon mit einfachen Mitteln könne man sich um die Vorsorge kümmern, weiß die erfahrene Hebamme. Mit Bandmaß, Holzstethoskop und Waage. 

Schon immer sei es ihr Traum gewesen, ins Ausland zu gehen und zu helfen, berichtet Böhme. Allerdings wollte sie damit warten, bis ihr Sohn erwachsen ist. Nun ist er 21 Jahre alt und hat Verständnis für ihren Wunsch. Ebenso wie ihr Ehemann, ebenfalls Mediziner. Beide haben ihr ein Notfall-Paket geschenkt - einen Rucksack mit Schlafsack, Taschenlampe, Batterien und dem Notwendigsten. 

So wie die Hebamme sind derzeit Hunderte Rotkreuzhelfer bereit, beim Kampf gegen Ebola zu helfen. Wie viele Freiwillige aus Sachsen sich für einen Einsatz gemeldet haben, kann der DRK-Landesverband nicht sagen. Alle Anfragen laufen über eine bundesweite Hotline. Dort haben laut DRK bisher mehr als 2600 Ärzte und Helfer ihr Interesse bekundet, eingegangen sind rund 800 Bewerbungen. 300 dieser Interessenten sind geeignet. Derzeit hätten die Mitarbeiter alle Hände voll zu tun, um die Bewerbungen zu sichten, erklärt Landesverbandssprecher Alexander Löcher. Zumindest für die nächsten zwei bis drei Monate könne damit der Personalbedarf vor Ort abgedeckt werden. 

Gesucht werden nicht nur Ärzte, sondern auch Hebammen, Krankenpfleger, Rettungsassistenten oder Labortechniker. Sie sollten Englisch sprechen, kein Problem mit tropischen Temperaturen haben und müssen sich in einem speziellen Kurs auf Ebola vorbereiten: Sie proben den Einsatz vor Ort sowie den Umgang mit den Kranken. „Und vor allem das An- und Ausziehen der Schutzanzüge“, so Löcher. Das Arbeiten in den Plastikanzügen bei Temperaturen um die 40 Grad sei „extrem anstrengend.“ Derzeit sind für das DRK 200 nationale und 24 internationale Helfer im Ebola-Zentrum im Südosten von Sierra Leone im Einsatz. Dieser dauert in der Regel vier Wochen. Danach rät das DRK zu einer freiwilligen dreiwöchigen Quarantäne. Mindestens zweimal täglich sollen die Helfer in dieser Zeit Fieber messen, um Symptome von Ebola frühzeitig zu erkennen.  

Die Sächsische Landesärztekammer klärt derzeit mit Infoveranstaltungen und in der Fachpresse über Ebola auf. Damit Ärzte Risikopatienten rasch erkennen und wissen, was im Ernstfall zu tun ist. „Es herrscht eine gewisse Unsicherheit unter den Ärzten“, sagte Patricia Klein von der Landesärztekammer. Mediziner, die helfen wollen, könnten über verschiedene Hilfsorganisationen nach Westafrika gehen. Einen Überblick über die Zahl aller Helfer aus Sachsen gibt es daher nicht. Wann und wo ihr Einsatz losgeht, weiß Hebamme Annett Böhme nicht. Jederzeit kann der Anruf kommen. Noch ist sie gelassen. „Mein Umfeld ist aufgeregter als ich.“

Die 52-Jährige sieht sich gerüstet. Für die schwangeren Frauen, die sie betreut, hat sie eine mehrwöchige Vertretung organisiert. Angst vor dem Ebola-Einsatz hat Böhme nicht. „Ich gehe respektvoll damit um. Aber Angst wäre ein falscher Freund.“ Hier stehe gebärenden Frauen eine medizinische High-Tech-Betreuung zur Verfügung, auf der anderen Seite der Welt würden dagegen viele Frauen die Geburt nicht überleben. „Da muss man einfach etwas tun.“

dpa

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