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Lokales Leipziger Hotel kündigt dubiosem Online-Vermittler
Leipzig Lokales Leipziger Hotel kündigt dubiosem Online-Vermittler
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09:23 13.06.2018
So berichtete die LVZ am 19. Mai 2018. Quelle: Christian Limmer
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Leipzig

Was für ein Schock für Tünde und Andreas Werner, Teilnehmer des diesjährigen Wave-Gotik-Treffens in Leipzig:  Das Hotel Royal International verlangte einen satten Preisaufschlag von über 100 Prozent (die LVZ berichtete). Zusätzlich zu den 537,61 Euro, die die Werners bereits bei Buchung im vergangenen Jahr bezahlt hatten, wurden jetzt noch mal 658,20 Euro fällig. Das Ehepaar aus Ottobrunn bei München sah keine andere Wahl und zahlte – zu groß schien die Gefahr, sonst ganz ohne Zimmer dazustehen.

 „Seit Juli 2017 haben wir alles versucht“

Hotel-Chef Ibrahim Khalila hatte bereits damals die Ursache beim Online-Vermittler GTA gesehen. Der habe Zimmer seines Hotels zu Zeiten vermittelt, die per Vertrag ausdrücklich ausgeschlossen worden waren. Und zu Preisen, die viel zu niedrig angesetzt gewesen seien. Bestimmte Zeiten, betont Khalila, verkaufe man gar nicht über Drittanbieter. Vertragsunterlagen dazu hat er dieser Zeitung nun ebenso vorgelegt wie Schriftverkehr mit dem Vermittler. Aus dem geht hervor, dass das Hotel bereits seit vergangenem Sommer den Vermittler immer wieder kontaktierte und auf die unzulässigen Buchungen hinwies. „Seit Juli 2017 haben wir alles versucht, um das zu klären.“ Man habe aber keine Adressen oder Telefonnummern erhalten, mit denen man direkten Kontakt zum Kunden hätte aufnehmen können, sagt der Geschäftsführer. „Man hat uns bis zum Anreisetag hingehalten.“ Zur Buchmesse habe es bereits ähnliche Probleme gegeben. „Da konnten wir aber noch Kompromisse finden.“ Die Werners hingegen hatten wegen des immensen Preisaufschlags den Rechtsweg eingeschlagen, fühlten sich betrogen.

Für viele Besucher und Schaulustige ist das Viktorianische Picknick im Clara-Zetkin-Park eines der Highlights beim jährlichen Wave-Gotik-Treffen.

„Das wollten wir nicht“

Khalila sieht sein Unternehmen im Recht. Juristisch habe man GTA-Kunden kein Zimmer zur Verfügung stellen müssen. „Aber das wollten wir nicht.“ Man habe niemanden im Regen stehen lassen wollen. Der ganze Vorgang sei für seine 36 Mitarbeiter sehr erschütternd gewesen. „Wir sind seit zehn Jahren auf dem Markt, haben Zehntausende zufriedene Gäste, darunter viele Stammgäste. Wir sind keine Betrüger.“ Mit etablierten Online-Vermittlern wie hrs oder expedia habe es solche Probleme nie gegeben.

Mehr als 20.000 Anhänger der Wave- und Gotik-Szene aus der ganzen Welt verwandeln die Messestadt an diesem Wochenende in einer großen Laufsteg. Auch am Samstag konnten die Schönen und Obskuren in der Innenstadt gesehen werden.

Das Hotel Royal International hat den Vertrag mit GTA inzwischen gekündigt. Der Vermittler habe daraufhin alle Zahlungsflüsse unterbrochen; Khalila spricht von 17 000 Euro Schaden. „Als kleiner privater Hotelbetreiber haben wir da einen Nachteil.“

„Ich hätte viel früher gekündigt“

„In der Mitte liegt die Wahrheit“, sagt Holm Retsch. Der Regional-Geschäftsführer beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte nach Veröffentlichung des Vorfalls das Gespräch mit dem Hotelier gesucht und sich ins Bild setzen lassen. Einerseits steht für Retsch fest: „Das Hotel hat nicht fahrlässig gehandelt, es wollte seine Gäste nicht verärgern.“ Es sei klar, dass der Online-Vermittler Zeiten verkauft habe, die er nicht verkaufen durfte – und das für zu niedrige Preise. Andererseits: „Es wurden weitere Buchungen über GTA angenommen. Ich hätte dieser ominösen Firma viel früher gekündigt und mich von ihr getrennt.“

Von Björn Meine

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