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Leipziger Hotelbranche lehnt Bettensteuer ab – Abgabe muss Tourismus fördern

Tourismus Leipziger Hotelbranche lehnt Bettensteuer ab – Abgabe muss Tourismus fördern

Ebenso wie die Industrie- und Handelskammer lehnt auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) die Pläne der Linken, analog zu Dresden auch in Leipzig eine Beherbergungssteuer einzuführen, entschieden ab. Falls eine Abgabe erhoben wird, müsse davon auch der Tourismus profitieren. Eine Steuer verschwinde aber in der Stadtkasse.

Noch ohne Steuer: Wiebke Kuschel (links) und Ingrid Handschuh machen die Betten im Hotel Fürstenhof. Die Linken schlagen vor, dass Touristen für die Übernachtung in Leipziger Hotels künftig eine Beherbergungssteuer zahlen müssen. Die SPD erwägt hingegen eine Gästetaxe.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig.

„Die Politiker sollten erst einmal dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen für den Tourismus stimmen“, so Retsch. So gebe es weder ausreichend Busparkplätze noch genügend öffentliche Toiletten, auch über Verspätungen bei S-Bahn und Straßenbahn würden sich viele Gäste immer wieder aufregen. Er halte es für verwerflich, mit Dresden als Beispiel für die Bettensteuer zu argumentieren. „Dort sind die Gästezahlen rückläufig – nicht nur wegen Pegida.“ So würden viele Touristen in Meißen oder Plauen übernachten, um dann zum Stadtbummel nach Dresden zu fahren. „Natürlich sind wir dagegen, wie im Mittelalter Gäste am Tor um einen Taler zu bitten. Wir können mit keiner Preiserhöhung, die den Verbraucher belastet, zufrieden sein“, ergänzt Axel Erhardt, Sprecher der Leipziger Hotel-Allianz.

Als Direktor des hiesigen Hotels Mercure am Johannisplatz kennt er Beispiele der Kette aus Erfurt. Dort müssten Gäste zwei DIN A4-Blätter ausfüllen, um zu begründen, dass sie Geschäftsreisende sind. Dann falle für sie die „Bettensteuer“ weg. Der bürokratische Aufwand sei hoch und verstoße im Grunde genommen auch gegen den Datenschutz. Betroffen von der Beherbergungssteuer, wie die Linken sie nennen, seien ohnehin nur Touristen – dabei sind nahezu 70 Prozent der Hotelgäste in Leipzig Geschäftsreisende oder Kongressteilnehmer. Retsch verweist darauf, dass die Hotels ohnehin nur an 35 Tagen im Jahr komplett ausgebucht seien

„Eine Steuer fließt in den Haushalt, damit kann die Stadt machen, was sie will“, so Weichert. Wer wirklich die Infrastruktur des Tourismus fördern will, müsse daher die vom Kommunalabgabengesetz ermöglichte Kur- oder Gästetaxe einführen. Die trifft jeden. „Eine Abgabe ist nur dann gut, wenn sie der Entwicklung der Gästezahlen dient“, so Retsch. „Wir haben zwar mehr Übernachtungsgäste, die aber im Vergleich zu anderen Großstädten aufs Jahr bezogen einen niedrigen Durchschnittspreis zahlen.“ Hinzu kommt: Der Hotelmarkt in Leipzig wird ausgebaut – mehr als 500 Hotelzimmer sind seit August dieses Jahres hinzugekommen, mehr als
1000 zusätzliche Hotelzimmer werden es kurz- bis mittelfristig noch sein. Derzeit gibt es 122 Beherbergungsbetriebe mit
15 078 angebotenen Betten.

Retsch hält es auch für kontraproduktiv, die Diskussion nur in Bezug auf Hotels zu führen. Wenn eine Abgabe, dann für alle, die vom Tourismus profitieren. Weichert: „Bei einer Touristenabgabe werden die Unternehmen zur Kasse gebeten – etwa die Busunternehmer.“ Das könne aber ebenso kontraproduktiv sein, falls die dann wegbleiben. Über eine mögliche Abgabe könne man an einem Runden Tisch reden – mit Politikern, allen Betroffenen und Branchenkennern. Ziel müsse es aber sein, den Wirtschaftszweig Tourismus und die Attraktivität der Stadt zu erhöhen.

Von Mathias Orbeck

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